Der angeschlagene Batteriehersteller Varta aus dem schwäbischen Ellwangen kommt bei seinem umstrittenen Sanierungsplan voran. Der Konzern hat letzte Details bei den Verhandlungen mit Kreditgebern und Schuldscheingläubigern sowie mit den künftigen Eigentümern nach eigenen Angaben geklärt und die entsprechenden Verträge unterzeichnet. Der österreichische Investor und Großaktionär Michael Tojner und der Sportwagenbauer Porsche stellen demnach 60 Millionen Euro Eigenkapital bereit. Sie übernehmen im Zuge der Restrukturierung gemeinsam das Unternehmen.
Varta-Batterien für ersten 911er mit Hybridantrieb
Porsche sicherte sich darüber hinaus auch noch 70 Prozent und die alleinige Kontrolle an der Varta-Tochter V4Drive Battery, die vom Autobauer benötigte Hochleistungsbatterien herstellt. Das geht aus einer Bekanntmachung bei der österreichischen Wettbewerbsbehörde hervor. Bislang war nur bekannt, dass Porsche die Mehrheitsbeteiligung übernehmen wollte. Die Batterien der bisherigen Varta-Sparte liefern die Energie für eine neue Technik, mit der Porsches 911er erstmals einen Hybridmotor erhält. Das als Rennwagen erprobte Modell Carrera GTS Coupé soll damit bald auch im Straßenverkehr verfügbar sein.
Zudem wurde laut Varta-Mitteilung eine kurzfristige Brückenfinanzierung in Höhe von bis zu 30 Millionen Euro durch einen Teil der Kreditgeber abgeschlossen, die die Finanzierung des Unternehmens bis zum Abschluss der Sanierung nach dem Unternehmensstabilisierungs- und restrukturierungsgesetz (Starug) absichern soll.
Anlegerschützer laufen Sturm gegen Sanierungsplan
Mit dem Verfahren will der Konzern mit Hilfe des Einstiegs von Porsche wieder auf die Beine kommen, ohne Insolvenz anmelden zu müssen. Allerdings ist das Konzept höchst umstritten, weil nur Großaktionär Tojner und Porsche Bezugsrechte für die Rekapitalisierung des Unternehmens erhalten, die Chancen verschafft, bei einer erfolgreichen Sanierung von Wertsteigerungen ihrer Beteiligungen zu profitieren. Die restlichen Aktionäre gehen leer aus, ihnen droht Totalverlust, da das Eigenkapital beim Schuldenschnitt im Rahmen des Restrukturierungsprogramms auf null reduziert wird.
Anlegerschützer laufen deshalb schon seit Monaten Sturm und versuchen, möglichst viele Aktionäre zum Widerstand zu mobilisieren. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) drohte Ende September, alle juristischen Mittel auszuschöpfen und zeitnah Gegenmaßnahmen einzuleiten, „die die Insolvenzgefahr für die Varta AG deutlich steigen lassen“, falls keine einvernehmliche Lösung mit dem Unternehmen zustande kommt. Die DSW stört sich vor allem daran, dass der Mehrheitsaktionär Tojner, der als Aufsichtsratschef für die Krise bei Varta mitverantwortlich sei, besser wegkomme als die Masse der Kleinanleger.
Varta und Tojner rechtfertigen das Vorgehen als alternativlos. Grund seien bestimmte Auflagen, die einen testierten Jahresabschluss erforderten, den das Unternehmen in seiner derzeitigen finanziellen Notlage nicht vorlegen könne. Trotz des Protests von Aktionären geht die Konzernführung davon aus, dass die erforderlichen Mehrheiten im Starug-Verfahren gesichert sind.