Mettingen ist ein besonderer Stadtteil in Esslingen. Denn hier leben ungewöhnlich viele Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind – etwa, weil sie ihren Lebensunterhalt nicht selbst verdienen können, weil sie Sprachprobleme haben oder in einem schwierigen Umfeld zurecht kommen müssen. Um diesen Menschen besser helfen zu können, plant die Stadt Esslingen hier ein Quartierszentrum – nicht zuletzt, weil das Mettinger Familienzentrum schließen muss.
Im Vergleich zur Gesamtstadt ist die Armutsgefährdung in Mettingen laut Stadtverwaltung überproportional hoch. Das zeigten auch die Sozialdaten von Dezember 2024. Demnach wohnen hier überdurchschnittlich viele Menschen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind. Die Arbeitslosenquote liege weit über dem städtischen Mittel, ebenso der Anteil der Alleinerziehenden. Jedes vierte Kind unter 15 Jahren lebe in einem Haushalt, der Bürgergeld bezieht. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund sei vergleichsweise hoch und steige zudem kontinuierlich an: In Mettingen West betrage er inzwischen 77,6 Prozent, im Osten des Stadtteils 63,5 Prozent. Mettingen sei darüber hinaus als Ausgangspunkt für Bandenkriminalität im Großraum Stuttgart identifiziert worden.
Quartierszentrum als neuer Ort für Begegnungen in Mettingen
Daher habe Mettingen einen erhöhten Unterstützungsbedarf, erklärte Marius Osswald, Leiter des städtischen Amts für Soziales, Integration und Sport, in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. „Mit dem Quartierszentrum wollen wir einen Ort für niedrigschwellige Angebote schaffen“, so Osswald. Denn man wolle auch schwer erreichbare Gruppen einbeziehen, heißt es von der Stadt. Es gehe darum, einen sicheren Ort für Begegnungen und Austausch zu schaffen und zusammen mit anderen Akteuren Risikofaktoren wie Armut, Bildungsungleichheit und soziale Ausgrenzung zu verringern. Zumal das Familienzentrum, das bislang Unterstützung bietet, wegfallen wird: Dessen Räume in der Grundschule werden künftig für den ausgeweiteten Ganztagsbetrieb benötigt.
Daher brauche man geeignete Räume und ein hauptamtliches Quartiersmanagement, das die neuen Angebote initiieren, koordinieren und begleiten kann, heißt es aus dem Rathaus. Die evangelische Gesamtkirchengemeinde Esslingen habe sich bereit erklärt, als Übergangslösung einen Teil ihres Gemeindehauses für die Quartiersarbeit zu vermieten. Um allen Interessierten den Zutritt zu ermöglichen, soll der Eingangsbereich des Gebäudes barrierearm umgebaut werden. Die Eröffnung des Quartierszentrums ist für Sommer 2026 vorgesehen. Der Mietvertrag wird zunächst für vier Jahre abgeschlossen – mit Option auf Verlängerung. In dieser Zeit soll dann sondiert werden, wo das Quartierszentrum künftig dauerhaft angesiedelt werden könnte.
Vorbereitungen sollen schon im Herbst starten
Zunächst will die Stadt nun Fördermittel beim Land beantragen, um das Vorhaben bereits im Herbst aufs Gleis zu bringen. So sollen etwa als Vorbereitung auf eine für Anfang 2026 geplante Bürgerbeteiligung haupt- und ehrenamtliche Akteure in Mettingen vernetzt werden. Zudem soll eine befristete Stelle ab Januar 2026 für das Quartiersmanagement ausgeschrieben werden. Im Rahmen der Haushaltsplanberatungen will man dann eine unbefristete Vollzeitstelle beantragen.
Die Stadt rechnet mit jährlichen Kosten von rund 77 000 Euro für das Quartierszentrum. Zudem kalkuliert sie mit rund 81 500 Euro für die Stelle des Quartiersmanagements. Als Anschubfinanzierung sollen Fördermittel in Höhe von bis zu 85 000 Euro beantragt werden. Im Gemeinderat wurde das Vorhaben einhellig begrüßt. Nach einer kurzen Diskussion über einen Antrag der Fraktion Linke/FÜR, die eine von Anfang an unbefristete Stelle für das Quartiersmanagement gefordert hatte, stimmte das Gremium dem Projekt samt der zunächst befristeten Stelle geschlossen zu.