Künstliche Intelligenz drängt in immer mehr Berufe. Drei Ludwigsburgerinnen erzählen von ihren Erfahrungen, Sorgen und Hoffnungen, was den Einfluss von KI auf ihre Arbeit angeht.

Ludwigsburg: Maximilian Kroh (kro)

Sie kann noch nicht alles, aber vieles schon sehr gut: Künstliche Intelligenz findet in immer mehr Berufsbranchen Verwendung. Macht die KI uns arbeitslos? Oder ist sie sogar eine Chance? Drei Ludwigsburgerinnen berichten von ihren Erfahrungen.

 

Diana Gantner, Sprecherin aus Ludwigsburg

Aktuell ist sie unter anderem im Werbespot für das „Grand Dessert“ der Molkerei Ehrmann zu hören, aber Diana Gantner spricht auch Hörbücher, Audioguides oder Erklärfilme. Der Sprecherberuf ist ihr zweites Standbein neben der Schauspielerei.

„Gerade im Bereich der Erklärfilme und Audioguides sind in diesem Jahr viele Aufträge weggebrochen. Da sind die Leute gerade scharf darauf, das mal mit KI auszuprobieren. In den Gehaltsverhandlungen für Jobs höre ich zurzeit immer den Satz: ‚Die KI macht’s billiger’. Da muss man gerade stark sein und sagen: ‚Gut, dann macht es mit der KI. Ihr werdet eh wieder zurückkommen.’

Den ersten Job habe ich übrigens auch schon wieder. Da hat sich gezeigt, dass es mit KI im Moment noch zu lange dauert, bis es gut klingt – ich schaffe das schneller. Außerdem können menschliche Sprecher Emotionen besser transportieren. Ich glaube, dass Emotion Technik immer schlägt. Das Wichtigste ist, beim Sprechen eine emotionale Bindung zu den Hörern aufzubauen. Ich sage nicht, dass die KI das nie schaffen wird. Aber im Moment schafft sie es auf jeden Fall noch nicht.

Die größte Herausforderung in unserer Branche liegt momentan aber woanders: Unsere Stimmen sollen genutzt werden, um KI-Programme zu trainieren. Bislang ist das illegal, deshalb sollen wir entsprechende Verträge unterschreiben – dagegen wehren wir uns. Ich glaube nicht, dass KI in unserer Branche komplett aufzuhalten ist. Aber wir versuchen, uns einen Raum daneben zu schaffen.“

Anica Rajh, Dolmetscherin aus Ludwigsburg

Seit 1993 arbeitet Anica Rajh als staatlich vereidigte Dolmetscherin. In ihrem Büro kümmert sie sich um zwei Bereiche: das Übersetzen von schriftlichen Dokumenten sowie das Dolmetschen vor Ort, also etwa vor Gericht oder in Behörden.

„Bei schriftlichen Übersetzungen kann ich mir den Einsatz von KI gut vorstellen. Da könnte sie sogar helfen, etwa beim Übersetzen von Dokumenten mit sehr technischen Inhalten. Viele Kollegen nutzen in diesen Bereichen auch schon KI, das Lektorat dieser Dokumente müssen wir aber immer noch selbst übernehmen. Auch das braucht Zeit. Da bin ich schneller, wenn ich es selbst übersetze.

Ein Problem gibt es beim schriftlichen Übersetzen trotzdem: Irgendjemand muss dafür haften, zum Beispiel Urkunden beglaubigen – das kann keine KI, das können nur wir Menschen. Ähnliches gilt übrigens für das Dolmetschen vor Gericht. Auch dort haften wir für falsche Übersetzungen. Beim Übersetzen vor Ort glaube ich ohnehin, dass es weiterhin Menschen benötigt. Gerade was Dialekte angeht, ist die KI oft noch nicht so gut wie wir.

Auch wenn KI in unserer Branche schon hier und da eingesetzt wird: Momentan gehen die Aufträge noch nicht zurück. Im Gegenteil, es gibt viel zu tun. Gerade weil immer mehr Geflüchtete unsere Unterstützung brauchen.“

Maxine Metzger, Grafikdesignerin aus Ludwigsburg

Als selbstständige Illustratorin und Grafikdesignerin hat Maxine Metzger sich vor allem auf den Brettspielbereich fokussiert. Neben Auftragsarbeiten etwa für den Kosmos-Verlag entwirft sie auch ihre eigenen Spiele.

„Das größte Problem in unserem Berufsfeld ist ohnehin schon, angemessen bezahlt zu werden. Das hat sich durch das Aufkommen von KI noch verstärkt. Gerade kleinere Verlage, die in geringeren Auflagen produzieren, lassen sich bei Illustrationen aus Kostengründen von Künstlicher Intelligenz helfen.

Viele Kollegen leiden darunter stark. Mir persönlich hilft, dass meine eigenen Projekte gut laufen, dass ich nicht nur von Aufträgen lebe. Wenn meine Hauptkunden irgendwann entscheiden, auf KI zu setzen, dann werde ich mich anpassen.

Ich bin aber überzeugt davon, dass ein Spiel vor allem dann gut ist, wenn es die Leute auch emotional anspricht – das kann nur der Mensch. Vermutlich gibt es eine Menge Kundschaft, der das egal ist. Aber diejenigen, die darauf Wert legen, werden nicht von heute auf morgen aussterben.“

Was sagt der Experte?

Matthias Peissner vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart unterscheidet beim Einsatz von KI in der Arbeitswelt zwischen dem, was möglich ist, und dem, was gewünscht ist. „Rein von der Qualität her bräuchten wir beispielsweise menschliche Sprecher bald nicht mehr“, schätzt Peissner. „Aber es ist eine kulturelle Frage, ob man das wirklich will.“ In asiatischen Ländern etwa sei es schon üblich, dass KI-Charaktere den Wetterbericht in Radio und Fernsehen präsentierten – „ob so etwas in Europa auch akzeptiert wird, hängt stark von den kommenden Generationen ab“.

Matthias Peissner forscht am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. Foto: privat

Schwieriger könnten es dagegen die Übersetzer haben. Dort sieht der Experte große Potenziale für Produktivitätssteigerung und Zeitersparnis. Andererseits sei die Qualität von KI-Übersetzungstools zwar sehr hoch, eine Untersuchung vor zwei Jahren habe aber gezeigt, dass sich Nachfrage und Preise von Übersetzungen dennoch positiv entwickelt hätten. „Der Bedarf ist in den vergangenen Jahren einfach enorm gestiegen“, sagt Peissner. „Trotzdem sollte man sich in einem solchen Beruf schon sehr genau überlegen, wie man sich beschäftigungstüchtig halten kann.“

Vor allem hofft der Experte beim Einsatz von KI in der Arbeitswelt aber auf ein Umdenken – weg davon, dass Künstliche Intelligenz menschliche Arbeitskraft einfach ersetzt. „Der größte Mehrwert von KI liegt nicht darin, dass sie Dinge tun kann, die der Mensch schon lange beherrscht“, sagt Peissner. „KI-Systeme müssen für uns Aufgaben übernehmen, die wir bislang noch nicht können.“