Arbeitsmarkt in Stuttgart „Etwas machen, das bleibt“ – Wie die Gen Z über die Berufswahl denkt

Viele Arbeitgeber werben inzwischen verstärkt mit dem Faktor Nachhaltigkeit, um junges Personal zu finden. Foto: KI/Midjourney/Maria Pichlmaier

Wonach richten sich junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt? Ein Jobfestival in Stuttgart zeigt: Gehalt ist offenbar nicht immer der wichtigste Faktor.

Volontäre: Valentin Schwarz (vas)

Tavin Göllner steht ganz alleine da. Er ist einer der jungen Erwachsenen, denen beim Stuttgarter Jobfestival Klimaschutz die Frage gestellt wird, was ihnen bei der Berufswahl am wichtigsten ist. Die Auswahloptionen: A) eine Arbeit mit einer positiven Wirkung auf die Gesellschaft, B) Selbstverwirklichung oder C) Aufstiegsmöglichkeiten. Entsprechend dazu sind in einem Raum im Veranstaltungszentrum Sport in Bad Cannstatt Felder aufgezeichnet, auf die sich die Anwesenden verteilen sollen. Während es in Feld B voll wird und auch Feld C ein paar Jugendliche anzieht, schwimmt Göllner gegen den Strom und stellt sich als Einziger in Feld A.

 

Der 16-Jährige besucht ein Gymnasium in Ettlingen und ist an diesem Tag mit seiner Schulklasse angereist. Er sagt: „Ich will mich später gut fühlen in meinem Job und etwas machen, das bleibt.“ Vorstellen könne er sich, in die Architektur zu gehen. Denn: „Ich würde mich freuen, ein Gebäude zu bauen, das lange steht und von dem auch künftige Generationen etwas haben.“

Gen Z und die Sinnhaftigkeit der Arbeit

Geht es nach Stefanie Sander, ist Göllners Perspektive gar nicht so außergewöhnlich, wie es während der Abstimmung scheint. Die Beraterin für Personal- und Organisationsentwicklung bei der Handwerkskammer (HWK) Region Stuttgart erzählt, gerade der sogenannten Generation Z – ein Sammelbegriff für die Jahrgänge 1996 bis 2010 – sei der Sinn hinter der Arbeit besonders wichtig. Sie ergänzt: „Junge Menschen müssen heutzutage gut abgeholt werden, damit sie intrinsisch motiviert sind.“

Das omnipräsente Schlagwort Nachhaltigkeit spielt deshalb längst auch bei der Personalsuche eine große Rolle. „Klima, Karma und Karriere“, lautet der Slogan des Jobfestivals in Bad Cannstatt. Unter den Besucherinnen ist Pamela Villegas. Sie sagt: „Ich bin der Ansicht, dass Berufe im Bereich Umwelt besonders wichtig sind.“

Die 26-Jährige ist vor rund einem Jahr aus Ecuador nach Stuttgart gekommen, arbeitete seitdem als Au-pair und in der Pflege. Nun will die studierte Umweltingenieurin zurück in das Berufsfeld, für das sie sich einst in ihrem Heimatland entschied. Neben der Sinnhaftigkeit spielen dabei die Zukunftsaussichten eine große Rolle. „Die Möglichkeiten in diesem Bereich sind groß“, sagt Villegas.

Handwerk wirbt mit Klimafokus

Nachhaltige Berufe sind allerdings nicht nur im akademisch-wissenschaftlichen Milieu zu finden, sondern auch im Handwerk. Zumindest, wenn es nach Vertretern des Berufsstandes wie dem Fachverband Sanitär-Heizung-Klima (SHK) geht. An dessen Jobfestival-Stand liegen Flyer aus, auf denen großformatig der Schriftzug „#Klima“ prangt.

Ihre Branche habe in den vergangenen Jahren viel positive Aufmerksamkeit erhalten, etwa durch das Thema Wärmepumpen, sagt Kerstin Doleski, Bildungsreferentin des Fachverbandes. „Es ist inzwischen bekannt, dass es bei uns super wichtige, nachhaltige Berufe gibt.“

Nun setzt der Fachverband bei Kampagnen zur Personalgewinnung stark auf diesen Aspekt. Das scheint zumindest teilweise zu wirken. Während für die SHK-Berufe Klempnerei und Ofenbau die Ausbildungszahlen laut Doleski sinken, steigen sie unter den Anlagenmechanikerinnen und Anlagenmechanikern deutlich. „Da gibt es einen unglaublichen Boom“, sagt Doleski.

Arbeitsklima als Faktor bei der Berufswahl

Die baden-württembergische Umweltministerin Thekla Walker hebt in einer Rede auf dem Jobfestival einen weiteren Aspekt hervor, der aus ihrer Sicht für das Handwerk spricht: „Es kann nicht durch KI ersetzt werden.“ Dieses Argument überzeugt Jakob Nitz. Der 17-Jährige aus Emmendingen strebt nach dem Abitur eine Ausbildung als Zimmerer an. Denn: „Ich habe schon öfters gehört, dass Jobs im Handwerk zukunftssicher sind.“

Und worauf kommt es ihm bei der Wahl des Arbeitsplatzes an? Der Verdienst sei sicherlich ein Faktor, sagt der 17-Jährige. Als ausschlaggebend ordnet er aber vielmehr das Arbeitsklima innerhalb des Betriebs ein. Nitz fügt hinzu: „Wenn das nicht gut ist, ist das Gehalt egal.“

Auch HWK-Beraterin Stefanie Sander sagt: „Eine gute Führung ist entscheidend, um Personal zu finden und zu halten.“ Als Beispiel nennt sie einen Betrieb aus Stuttgart, bei dem im vergangenen Jahr 24 Bewerbungen auf eine Ausbildungsstelle eingegangen seien – vor allem dank Empfehlungen von Angestellten. „Das beste Mittel gegen Fachkräftemangel sind zufriedene Mitarbeiter, die für ihr Unternehmen authentisch Werbung machen.“ Mal mit dem Klimaschutz, mal mit dem Arbeitsklima als Zugpferd: Selbst in Zeiten des demografischen Wandels scheint es also noch Erfolgsgeschichten bei der Personalsuche zu geben.

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