Schön wohnen im Remstal Alter Bungalow aus den 60ern im Remstal wird zum edlen Zuhause
Ein Stuttgarter Architekt hat zwei Bungalows aus den 1960er Jahren im Remstal denkmalgerecht saniert und in ein luxuriöses Zuhause für seine Familie verwandelt.
Ein Stuttgarter Architekt hat zwei Bungalows aus den 1960er Jahren im Remstal denkmalgerecht saniert und in ein luxuriöses Zuhause für seine Familie verwandelt.
Es gibt zwei Arten von Architekten. Die einen bauen Nester. Also Häuser, die auffallend sind, glänzend und offen. Und es gibt die anderen, die Höhlen bauen. Häuser, die warm sind, heimelig, bescheiden.
Nähert man sich dem eingeschossigen Bungalow im Remstal, dann ist schnell klar, dass dieser in die zweite Kategorie fällt. Der Eingang liegt etwas zurückgesetzt von der Straße, fast schon im Dunkeln, man sieht daneben weiße Hauswand, wilden Wein und ein einzelnes Fenster. Doch dann öffnet sich die Tür – und plötzlich ist da nichts mehr von Höhle, nichts mehr von Verstecken: Im Inneren ist das Haus ein Nest, das seine Wertigkeit auch zeigt.
„Ich mag es, dass das Haus von außen eine große Bescheidenheit zeigt – wenn man es negativ formulieren will, könnte man auch sagen: dass es popelig wirkt. Und dass dann erst der Aha-Moment kommt. Das spricht für einen angenehmen Charakter“, sagt Miriam Fuchs.
Diese Empfindungen hatte die Hausherrin, als sie das Haus zum ersten Mal sah, zusammen mit ihrem Mann, dem Architekten Stephan Fuchs, der das Gebäude seit seiner Kindheit kennt. „Damals war es noch unrenoviert – dennoch habe ich sofort die Energie gespürt, die das Haus innehat“, sagt Miriam Fuchs.
Für Stephan Fuchs war das keine Überraschung. Einer der Architekten, der nicht nur diesen, sondern auch die drei angrenzenden, quasi identischen Bungalows geschaffen hat, ist sein Onkel Hans Kammerer.
Dieser, der etwa auch den Kleinen Schlossplatz in Stuttgart oder das Buchhaus Wittwer geplant hat, baute zwischen 1961 und 1963 zusammen mit Walter Belz und Günther Weig die Architektenwohnhäuser im Remstal als eigene Wohnhäuser. Als kleiner Bub ging Stephan Fuchs, der in Korb aufwuchs, im Nebenhaus, das damals seinem Onkel gehörte und jetzt von Fuchs’ Eltern bewohnt wird, ein und aus.
Später studierte er Architektur in Darmstadt, Stuttgart, Kaiserslautern und in Chicago. Sein Architekturbüro gründete er 1998 zusammen mit seinem Kollegen Thomas Wacker in Stuttgart. Er baute für seine Familie, seine Frau Miriam und seine beiden Töchter ein Dreifamilienhaus in ein Einfamilienhaus um.
Doch dann bot sich der Familie die Gelegenheit, den Erben von Walter Belz zwei der Häuser, die bereits miteinander verbunden waren, abzukaufen. Sie nutzten die Gelegenheit und zogen vor nunmehr sieben Jahren vom städtischen Traumhaus in einen Designklassiker auf dem Land. Der davor freilich gründlich saniert werden musste, allerdings im Rahmen dessen, was der Denkmalschutz zuließ. Und auch sonst blieb vieles erhalten – vorneweg der Grundriss.
Jeder einzelne Bungalow hat eine Grundfläche von 130 Quadratmetern – und nutzt damit fast die gesamte zur Verfügung stehende Baufläche. Nur eine handtuchgroße Terrasse blieb damals frei. Das ist normalerweise nicht erlaubt; wie viel Fläche eines Grundstücks bebaut werden darf, ist ganz genau durch die Grundflächenzahl geregelt. In der Regel darf der Grundstücksbesitzer nicht mehr als 80 Prozent bebauen, oftmals aber auch deutlich weniger.
Doch die Architekten hatten damals eine Genehmigung von der Gemeinde erhalten. Das Grundstück war schmal, die vier Bungalows wurden aneinandergebaut, „sodass man nicht um sein Haus herum laufen kann, wie es der Häuslebesitzer ja für gewöhnlich gerne macht“, so Fuchs.
Doch so fehlte freilich Licht in den Innenräumen der 20 Meter langen Bungalows. „Die Idee der Architekten damals war es, jeweils einen Innenhof zu bauen, durch den ausreichend Licht in den mittleren Teil des Hauses fällt.“ Damals hätten alle gedacht, dass dieser Entwurf als Vorbild für kommende Häuser und Besiedlungen dienen würde. „Aber der Innenhof hat nie Schule gemacht“, so Fuchs. Dabei sei gerade jetzt der Bedarf an platzsparenden Häusern wieder hoch, zumal das Haus, obschon es aus den 1960er Jahren stammt, modern wirkt.
Jedenfalls ist das 130 Quadratmeter große Haus dank des Innenhofes sehr licht, obwohl es ansonsten nur sechs Fenster beziehungsweise Terrassentüren aufweisen kann. Die Wände sind aus unverputztem Sichtmauerwerk, das nur neu gestrichen wurde. Auch der alte Steinboden sowie die alte Holzdecke sind geblieben.
Überholt wurden Heizung, Licht und Sanitär, zudem musste das Dach gedämmt werden. „Da war eine zwei Zentimeter starke Dämmschicht drin, dass war wie Indoor-Camping“, erinnert sich Fuchs. „Wir haben noch einmal 15 bis 20 Zentimeter draufgepackt.“
Da die beiden nun zusammenhängenden Bungalows vom Grundriss her identisch beziehungsweise gespiegelt sind, hat die Familie ausreichend Raum für ein großes Garderobenzimmer gleich neben der Eingangstür.
Im anderen Bungalow dient dieses als Gästezimmer. Nach einem Eingangsbereich folgt dann im ersten Bungalow der Essbereich, der – über einige Stufen erreichbar – in das Wohnzimmer mündet. An den Essbereich schließt sich der Innenhof an, der mit neuen Steinen ausgelegt wurde. Die kleine Küche sowie das Zimmer eines der Mädchen grenzen ebenfalls an den Innenhof. „Wenn man die Terrassentür aufschiebt, geht das Zimmer in den Außenbereich über“, sagt Fuchs.
Die andere Tochter, deren Zimmer mit dem ihrer Schwester über ein Bad mit Toilette verbunden ist, hat einen Blick auf den Garten, den Pool sowie die Pferdekoppel in einiger Entfernung. Der Garten wurde erst später hinzugekauft.
Im zweiten Bungalow, der über einen Durchgang zu erreichen ist, gibt es zwei Schlafzimmer, eins zum Innenhof, eins zum Garten hin. Die Küche wurde in ein sehr stilvolles Bad mit Sauna, Dusche und frei stehender Badewanne umgebaut.
Der Bereich, der im anderen Bungalow als Essbereich genutzt wird, dient hier als Atelier, das etwas abgesetzte Wohnzimmer als Ausstellungsfläche für Fuchs’ Ballsammlung. Die Bälle sind auf eigens vom Schlosser gefertigten Metallelementen aufgesetzt, die in der Wand verankert werden. Jeder Ball thront dort wie in einem Nest. Ja, im Inneren zeigt der Bungalow, was er draufhat.