Architektur in Stuttgart Barkow Leibinger Architekten gewinnen Weißenhof-Wettbewerb

Das geplante Besucher- und Informationszentrum Weissenhof der IBA 27 in Stuttgart soll in Holz- und Lehmbauweise erstellt werden. Foto: Rendering/Barkow Leibinger

Die renommierte Stuttgarter Architektin Regine Leibinger gestaltet mit ihrem Geschäftspartner Frank Barkow das Begrüßungszentrum auf der Weißenhofsiedlung. Was an dem Entwurf überzeugt und wie das Gebäude überhaupt noch pünktlich zur IBA ’27 fertig werden könnte.

Bauen/Wohnen: Tomo Pavlovic (pav)

Wie spektakulär Pavillons gestaltet werden können, das hat die in Stuttgart geborene Architektin Regine Leibinger mit der viel gerühmten Pforte auf dem Firmengelände Trumpf in Ditzingen (Kreis Ludwigsburg) gezeigt. Nun hat die international renommierte Architektin mit ihrem Büro Barkow Leibinger wieder für einen Wettbewerb ein Gebäude entworfen, das eine gebaute Willkommensgeste darstellen soll.

 

Das Besucher- und Informationszentrum Weissenhof (BIZ) in Stuttgart begrüßt Besucher der Weißenhofsiedlung, eine Ikone der Architektur der Klassischen Moderne. Zugleich soll der Bau neben der Kunstakademie im Jahr 2027 Anlaufstelle für die Besucher der Internationalen Bauausstellung IBA ’27 sein.

Zuschlag für Barkow Leibinger und Zech Hochbau

Die Bietergemeinschaft Zech Hochbau AG / Barkow Leibinger Gesellschaft von Architekten mbH wurde, so teilen es Stadt und IBA ’27 mit, wegen ihrer herausragenden architektonischen und städtebaulichen Qualität sowie ihres nachhaltigen und innovativen Energiekonzepts von der Jury unter Vorsitz von Dörte Gatermann ausgewählt. Bewerben konnten sich in dem begrenzt offenen Wettbewerb Architekturbüros nur gemeinsam mit Firmen, die das Gebäude dann auch bauen – damit das lange geplante und längst überfällige Gebäude möglichst pünktlich fertiggestellt werden kann und nicht alle Gewerke einzeln beauftragt werden müssen. Die Stadt formuliert es so: „ Diese Vergabeform wurde gewählt, um einen innovativen, gestalterisch hochwertigen Baukörper zu entwickeln, der von spezialisierten Firmen fristgerecht umgesetzt werden kann.“ Zehn Bewerber wurden zur Abgabe eines ersten Angebots aufgefordert.

Andreas Hofer, IBA ’27-Intendant und Jurymitglied, macht sich für dieses Generalübernehmerverfahren stark: „Nicht ganz zufällig war die enge Zusammenarbeit zwischen Gestaltenden und Umsetzenden das Erfolgsrezept des Deutschen Werkbunds. Im Siegerentwurf finden eine ausdrucksstarke, unprätentiöse Architektur und eine zeitgemäße Materialität zueinander. Eine absolut würdige Fortschreibung der Weissenhof-Tradition mit heutigen Mitteln.“ Als städtebauliches Bindeglied zwischen der Weißenhofsiedlung und der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste schafft der Neubau Verbindungen zwischen den umliegenden Institutionen, teilen Stadt und IBA ’27 in der gemeinsamen Mitteilung mit. Ausrichtung und funktionale Offenheit der Räume ermöglichen unterschiedliche Nutzungen und einen fließenden Übergang zu den Häusern der Werkbundsiedlung sowie zur Akademie. Auch der öffentliche Raum werde aufgewertet.

Peter Holzer, der Leiter des Hochbauamtes und Jurymitglied, betont: „Die Bietergemeinschaft Zech Hochbau AG / Barkow Leibinger Gesellschaft von Architekten mbH hat ganz herausragend das Energie-und Nachhaltigkeitskonzept des Besucher- und Informationszentrums in baulicher, architektonischer und energetischer Hinsicht entwickelt.“ Das aktuelle Raumprogramm, das in enger Abstimmung mit dem Verein Freunde der Weissenhofsiedlung und dem Kulturamt der Landeshauptstadt entwickelt wurde, sieht 1300 Quadratmeter Nutzfläche vor, darunter Ausstellungsräume, einen Medienraum, einen Workshop-Bereich, einen Shop, Gastronomie und Büroräume.

Das geplante Besucher und Informationszentrum Weissenhof, Ansicht Süd-Ost Foto: Rendering/Barkow Leibinger

Der Entwurf sieht licht aus, ein feingliedriger Baukörper, der sich zur Hauptstraße hin einladend öffnet – und allen Vorgaben ökologischen zukunftsfähigen Bauens genügt. Durch die konsequente Ausrichtung auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz soll das BIZ ein Modellprojekt für zukunftsfähiges Bauen werden.

Ökologisch vorbildlich

Das Gebäude wird in Holz- und Lehmbauweise erstellt. Lediglich die Bodenplatte besteht aus Recyclingbeton. Die Fassade ist ebenso wie das begrünte Dach mit einer integrierten Photovoltaikanlage ausgestattet. So kann ein Plus-Energiestandard angestrebt werden, der den Heizwärme- und Warmwasserbedarf klimaneutral deckt.

Auch jene, die das Besucherzentrum dann bespielen werden, zeigen sich erfreut über die Entscheidung: Suse Kletzin, Vorsitzende des Vereins Freunde der Weissenhofsiedlung, sagt: „Ein großartiges Ergebnis! Der Entwurf bietet nicht nur baukulturelle Qualität am geschichtsträchtigen Ort, sondern auch eine Garantie für den sportlichen Zeitplan. Mir fällt ein Stein vom Herzen! Jetzt zahlt sich der jahrelange ehrenamtliche Einsatz von Vorstand und vielen Vereinsmitgliedern für ein neues Gebäude aus.“

Das Besuchs- und Informationszentrum wird ab 2027 betrieben von den Freunden der Weissenhofsiedlung, in Kooperation mit dem Stadtpalais – Museum für Stuttgart. Die Besucher erwartet im Neubau eine Ausstellungsfläche von circa 600 Quadratmetern, ein Café, ein Shop sowie Räume für Veranstaltungen und die Verwaltung.

Die Leiterin des Weissenhofmuseums, Anja Krämer, freut sich über die Entscheidung: „17 Jahre nach Eröffnung des jetzigen Museums freuen wir uns, wenn wir ein zeitgemäßes und attraktives Museumserlebnis bieten können, das der historischen Bedeutung der Weißenhofsiedlung gerecht wird.“ Nach dem Rückbau des Bestandsgebäudes Anfang 2025 ist der Beginn des Hochbaus für Mitte 2025 geplant. Die Inbetriebnahme des Besucherzentrums soll spätestens bis zum 31. Dezember 2026 erfolgen.

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