Der erste Auftritt in der Schleyerhalle war auch der letzte: Arena-Footballer der Stuttgart Stallions. Foto: Baumann
Es bleibt bei einem Auftritt in der Schleyerhalle: Das neue Stuttgarter Football-Team stellt den Betrieb wieder ein, die Internationale Arena League (IAL) glaubt dennoch an ihr Projekt.
Die Zahl der Skeptiker ist von Beginn an hoch gewesen, zu groß waren die Ambitionen und die gebuchten Arenen. Nun ist klar: Weder in der Schleyerhalle in Stuttgart noch im PSD-Dome in Düsseldorf werden in diesem Jahr weitere Spiele der internationalen Liga im Arena-Football stattfinden. Die Kritiker, die in der IAL ohnehin nur ein inhaltsleeres Produkt ohne Zukunft sehen, dürfen sich bestätigt fühlen. Die Offiziellen aber sind weit davon entfernt, vom Ende des semiprofessionellen Hallen-Footballs in Europa zu sprechen. „Wir werden zurückkommen“, sagt Geno Gerbo, „daran gibt es keine Zweifel.“
Gerbo ist bei der IAL der Chef des Europa-Geschäfts und wesentlich am neuesten Plan der Liga beteiligt. Dieser sieht vor, die Aktivitäten der Stuttgart Stallions, der Düsseldorf Warriors, der Glasgow Tartans und der England Eruptors einzustellen. Stattdessen wird es zwei neue Mannschaften geben: Das Team Germany und das Team UK sollen in den Spielbetrieb in den USA integriert werden. „Stuttgart war der beste Markt, den wir in Europa hatten. Und wir sind sicher, dass wir 2027 und in den Jahren danach hier einen festen Standort haben werden“, sagt Geno Gerbo, „doch aktuell ist es angesichts der operativen und logistischen Probleme die beste Lösung, den Spielern sinnvolle Wettkampfmöglichkeiten in den USA zu bieten und sicherzustellen, dass sich die Liga nachhaltig und professionell weiterentwickelt.“ Auch wenn dabei einige Akteure auf der Strecke bleiben.
Nikolas Knoblauch: „Am Ende war ich richtig angepisst“
Nikolas Knoblauch (30) gewann im September 2025 mit Stuttgart Surge den Titel in der European League of Football. Nach der Insolvenz des Meisters entschied sich der Defensivspezialist für ein Engagement in der IAL. Er führte die Stuttgart Stallions beim 39:29-Sieg gegen die Düsseldorf Warriors Ende April vor 300 Fans in der Schleyerhalle als Kapitän aufs Feld, war dann aber beim USA-Trip der Stallions vor drei Wochen nicht mit an Bord, weil am Flughafen in München festgestellt wurde, dass sein Reisepass nur noch drei Monate gültig ist (nötig gewesen wären sechs). Nun wird es bei dem einen Einsatz von Knoblauch bleiben, weil er als Lehrer für Englisch, Italienisch und Sport am Gymnasium in Geislingen beruflich in der Region gebunden ist. Aber auch, weil er fürs Erste genug hat von der IAL.
Abschied im Frust: Nikolas Knoblauch. Foto: Baumann
Eigentlich, sagt Nikolas Knoblauch, hätte das Projekt Arena-Football in Europa „großes Potenzial“ gehabt. „Es fehlte weder am Geld noch am sportlichen Niveau“, sagt er, „aber es hätte ein strukturierteres Management und einen besseren Plan für die organisatorische Umsetzung gebraucht. Alles wurde von Las Vegas aus dirigiert, das war ein großes Problem. Alle zwei Tage gab es neue Entscheidungen und eine veränderte Kommunikation, das war nicht tragbar.“ Dass es nun keine Spiele in Europa mehr gebe, sei „sehr enttäuschend“, erklärt Nikolas Knoblauch. Und auch: „Zum Schluss war ich richtig angepisst und der Erste aus dem Team, der gegangen ist.“
Auch Alexander Kreß geht nicht mit in die USA
Alexander Kreß, ein weiterer Champion von Stuttgart Surge, wird ebenfalls aus beruflichen Gründen nicht mit in die USA übersiedeln. Im Gegensatz zu rund 20 anderen deutschen Footballern, die laut Geno Gerbo in den nächsten Wochen zum neuen Team Germany gehören werden. „Wir wissen, dass dies mitten in der Saison ein großer Umbruch ist und haben diese Entscheidung ganz sicher nicht leichtfertig getroffen“, sagt der IAL-Manager, „zugleich haben die Spieler nun die großartige Chance, sich in den USA zu präsentieren.“ Und dort auch zu beobachten, ob es organisatorische Verbesserungen gibt.
Nach Ansicht von Gerbo war das größte Problem, dass sich die IAL nicht genug Zeit gegeben hat, um ihr Europa-Projekt gut vorzubereiten. Nun hat die Liga die Möglichkeit, die Logistik, die hohen Ticketpreise und die Marketingaktivitäten zu überarbeiten. „Wir haben jetzt viele Leute an Bord, die die Dynamik unseres Sports verstehen“, sagt Gerbo, „und wir haben organisatorisch auf allen Ebenen viel gelernt. Ich bin sicher, dass wir in Europa, auch wegen des fantastischen Talents der Spieler, eine große Zukunft haben.“ Sofern die Footballer weiter mitmachen.
Zuletzt mehrten sich Berichte über angeblich obdachlose IAL-Akteure, andere sollen von der Liga keine Rückflugtickets in die USA erhalten haben. Es sind Meldungen, die Geno Gerbo entschieden zurückweist. „Das ist nie passiert“, sagt der IAL-Funktionär, „einige Leute sind nicht glücklich darüber, was wir ins Laufen gebracht haben und verbreiten nun solche Dinge. Die IAL zahlt für Footballer auf diesem Level die höchsten Gehälter, und alles, was versprochen wurde, ist auch überwiesen worden.“ Deshalb ist Geno Gerbo auch sicher, beim nächsten Anlauf in Europa in einem guten halben Jahr auf großes Interesse von Spielern zu stoßen. Natürlich habe die Reputation etwas gelitten, aber: „Es ist kein Schaden entstanden, der nicht zu überwinden wäre.“ Auch wenn die Kritiker dies komplett anders sehen.