Arena Football Stuttgart Stallions spielen in den USA um ihre Zukunft

General Managerin Selina Fessel und Stallions-Trainer Keith Hilson sind überzeugt, dass auch 2027 Arena-Football in der Stuttgarter Schleyerhalle gespielt werden wird. Foto: Baumann (2), red

7000 Kilometer weite Flugreise: Die Arena-Footballer aus Stuttgart bestreiten ihr nächstes Spiel in Cincinnati/Ohio – verbessert dieser Umweg die Lage der Liga?

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Wer einen neuen Weg einschlägt, hat nicht selten mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Bei der gerade erst gegründeten internationalen Liga im Arena-Football waren diese so gravierend, dass die IAL selbst entschied, kurzfristig abzustoppen und darüber nachzudenken, in welche Richtung es denn nun weitergehen soll. Heraus kam ein verwegener Plan, der auch für das Team der Stuttgart Stallions ein – um es positiv auszudrücken – ziemlich großes Abenteuer vorsieht.

 

Doch von vorne. Die IAL mit ihren zwei Deutschland-Standorten Stuttgart und Düsseldorf wurde von Anfang an mit großer Skepsis betrachtet. Nicht nur, weil es nun neben den beiden konkurrierenden Freiluft-Ligen AFLE und EFA in Europa noch ein weiteres, parallel laufendes Football-Produkt mit hohem Anspruch an sich selbst gibt. Sondern auch, weil die enorme Größe der gebuchten Arenen (Schleyerhalle, PSD-Dome) im Kontrast stand zum eher unprofessionell anmutenden Auftreten der Organisatoren vor Ort und in Las Vegas, wo die IAL ihren Sitz hat. Ans Aufgeben denkt, zumindest offiziell, trotzdem keiner der Beteiligten. Im Gegenteil. „Wir alle haben die Vision, Arena-Football in Europa zu etablieren und groß zu machen“, sagt Selina Fessel, „es gibt bei uns absolut keine Zweifel, dass die IAL und die Stuttgart Stallions über 2026 hinaus eine Zukunft haben werden.“ Zu der auch ein Umweg von mehr als 7000 Kilometern Luftlinie gehört.

Stuttgart Stallions machen Kurztrip in die USA

Selina Fessel ist bei der IAL angestellt und seit rund vier Wochen die General Managerin der Stuttgart Stallions. Eigentlich hätte ihre Mannschaft am 1. Mai bei den Zürich Ibexx spielen sollen. Doch kurz vorher war der Standort in der Schweiz, ohne dass das dortige Team auch nur eine Partie bestritten hätte, von der Liga aufgegeben worden. Die Spieler wurden entlassen oder auf andere Franchises verteilt. „Eine peinliche Luftnummer“, titelte die „NZZ“ anschließend, die Einschätzung von Selina Fessel fällt anders aus: „Wir wollen in Europa einen hohen Standard garantieren. Deshalb wird gerade an einem Neustart gearbeitet.“ Dazu gehört auch, sich selbst etwas Zeit zu verschaffen.

Von Stuttgart Surge zu den Stuttgart Stallions: Nikolas Knoblauch. Foto: Baumann

Der Spielbetrieb an den verbliebenen vier europäischen Standorten in Deutschland und Großbritannien wurde ausgesetzt, dafür geht es nun auf große Reise: Die Stuttgarter spielen am nächsten Samstag in Cincinnati/Ohio gegen die Glasgow Tartans, danach trifft Utah Great auf die gastgebenden Slingers. Am Freitag fliegen die Stallions in die USA, am Sonntag geht es wieder zurück. An Bord sein wird bis auf Alexander Kreß, der die Teilnahme an einem Jugendfootball-Camp zugesagt hat, laut Keith Hilson die gesamte Mannschaft. „Es ist eine großartige Gelegenheit für die Spieler, sich in den USA zu präsentieren“, sagt der Stallions-Coach, „die Jungs freuen sich darauf.“

Arena-Football in den USA als PR-Maßnahme

Ein weiteres Europa-Duell soll am Sonntag in Reading/Pennsylvania stattfinden, dort spielen die Düsseldorf Warriors gegen die England Eruptors, ehe die Arizona Juggernauts und die Pennsylvania Benjamins das IAL-Wochenende in den USA beschließen. „Wir gehen dorthin, um dem Publikum in Europa zu zeigen, wie Arena-Football aufgezogen werden kann“, sagt Selina Fessel, „es ist doch klar, dass im ersten Jahr eines neuen Projekts nicht gleich alles rund laufen kann. Viele Punkte werden zwar kritisiert, ohne Details oder Hintergründe zu kennen. Trotzdem ist für uns wichtig, gut mit unvorhersehbaren Situationen umzugehen und Fehler zu erkennen, diese abzustellen und es danach besser zu machen.“

Nach dem Trip in die Vereinigten Staaten, der laut Selina Fessel komplett von der Liga finanziert wird, soll bereits ab Mitte Mai dann auch wieder in Europa gespielt werden. Wer wann in welcher Arena auf wen treffen wird, ist zwar noch nicht bekannt. Die Überzeugung, dass es weitergeht, ist bei der Stallions-Chefin dennoch groß. „Wir glauben fest daran, dass wir eine supergute Möglichkeit haben, professionellen Arena-Football nach Europa zu bringen“, sagt Selina Fessel, die auch richtig findet, weiterhin Hallen mit fünfstelliger Zuschauerkapazität zu buchen: „Diese Arenen passen hundertprozentig zu dem Anspruch, den die Liga an sich selbst hat.“ Gekämpft wird dabei auch mit härteren Bandagen.

In der vergangenen Woche kündigte die IAL an, rechtliche Schritte und Klagen gegen die „Parteien“ zu prüfen, die für die „außergewöhnlichen Störungen“ und Spielausfälle in den ersten Wochen verantwortlichen seien. Wer das genau sein soll, blieb offen. In Stuttgart, das stellte Selina Fessel klar, laufe gleichzeitig Vieles nach Plan.

Die Spieler seien bisher vollumfänglich bezahlt worden (einschließlich der Siegprämie für den 39:29-Erfolg im ersten Heimspiel gegen die Düsseldorf Warriors), mittlerweile gebe es rund um Keith Hilson ein siebenköpfiges Organisationsteam, das teilweise bis 2 Uhr morgens im Einsatz sei. Und sie selbst werde sich nun verstärkt ums Marketing kümmern. „Bisher wurde alles zentral gesteuert. Da gibt es definitiv noch viel Luft nach oben“, erklärt Selina Fessel, „wir brauchen dringend ein eigenes PR-Team für Europa.“ Das dann auch bewerben könnte, dass die Eintrittspreise für die Plätze in der Schleyerhalle von 53 auf rund 20 Euro gesenkt werden sollen.

Wie zielführend der Weg der IAL letztlich sein wird? Kann derzeit niemand vorhersagen. Nur so viel scheint klar zu sein: Noch ist das Projekt am Laufen.

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