Artemis-Mission Auch der Südwesten liefert für den Mondflug
Aus Lampoldshausen bei Heilbronn kommt ein wichtiger Antrieb für die Mission Artemis 2 der Nasa.
Aus Lampoldshausen bei Heilbronn kommt ein wichtiger Antrieb für die Mission Artemis 2 der Nasa.
Beim ersten bemannten Flug in die Nähe des Mondes seit einem halben Jahrhundert ist auch Baden-Württemberg mit von der Partie – auch wenn kein Schwabe in der Raumkapsel sitzt. Doch eine Komponente, die für die drei Astronauten und ihre Kollegin wichtig ist, liefert der Südwesten. „Aus Lampoldshausen kommt die Antriebstechnologie für das European Service Modul ESM“, sagt Stefan Ziegenhagen, der stellvertretende Leiter der Ariane Group in Lampoldshausen.
Das Service Modul besteht aus mehr als 20 000 Einzelteilen, diese reichen von der elektrischen Ausrüstung über Triebwerke und Solarpaneelen bis hin zu kilometerlangen Kabeln und Schläuchen. Diese Komponente bringt das zunächst von einer Schwerlastrakete gestartete Orion Raumfahrzeug in die Umlaufbahn um den Erdtrabanten.
Das Transportsystem besteht hauptsächlich aus zwei Teilen: Dieser Rakete und dem Raumschiff Orion. Orion selbst hat auch zwei Teile: In einem sitzt die Mannschaft, der andere ist das Service Modul. In diesem ist das Haupttriebwerk für den Anflug auf den Mond installiert. Komponenten dafür kommen neben dem Antrieb aus Lampoldshausen auch aus anderen Standorten. Zusammengebaut wird es bei der Ariane Group in Bremen. Die Ariane Group hatte 2024 mit 8300 Beschäftigten in Frankreich und Deutschland einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro erreicht. Das Modul bringt das Raumschiff in die Umlaufbahn und wieder zurück zur Erde. Bevor dieses landet, löst sich das Modul vom Raumschiff und verglüht in der Erdatmosphäre.
Federführend bei dem Artemis-Programm ist die US-Raumfahrtbehörde Nasa. „Zum ersten Mal greift die Nasa bei einer Mission mit Astronauten auf ein entscheidendes Modul aus Europa zurück“, berichtet Michael Biehler, leitender Systemingenieur bei der Ariane Group. Gebaut wird das Servicemodul im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation ESA von einem Industriekonsortium unter Führung von Airbus Defence and Space. Zu Airbus gehört auch die Ariane Group. Für den deutschen Anteil am Modul ist die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DLR) verantwortlich. An dem Modul haben in den vergangenen Jahren nach Angaben der Ariane Group 250 Beschäftigte gearbeitet, die meisten davon in Lampoldshausen bei Heilbronn. All dies sei „ein starker Vertrauensbeweise für unsere Antriebstechnologie“, meint Biehler.
Dass das Bundesministerium für Forschung und Technologie nun auch das Wort Raumfahrt im Namen habe zeige, dass die Politik deren Bedeutung erkannt habe. „Ich habe den Eindruck, dass wir gerade einen Raumfahrtboom erleben“, sagt der Ingenieur.
„Die Beteiligung an bemannten Mondmissionen ist ein historisches Signal“, meint Magnus von Cramm, der Leiter für den Bereich Raumfahrt beim Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrt (BDLI). Tatsächlich liegen aber die Pro-Kopf-Ausgaben für die Raumfahrt in Europa und Deutschland immer noch deutlich unter denen in den USA. Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie – zu dieser gehören Hersteller, nicht aber die Fluggesellschaften – erzielte nach den Angaben des Verbandes 2024 mit rund 120 000 Beschäftigten einen Umsatz von 52 Milliarden Euro.
Neben Bayern und Bremen zählt Baden-Württemberg zu den wichtigsten Bundesländern in der Raumfahrt. Die 200 Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind erreichten den jüngsten Angaben des Wirtschaftsministeriums mit 16 000 Beschäftigten einen Umsatz von mehr als fünf Milliarden Euro. Die Branche wachse überdurchschnittlich, hatte Ministerialdirektor Michael Kleiner bei einem Raumfahrtkongress der IHK Stuttgart im Dezember erklärt.
„Dass es jetzt wieder eine Umrundung des Mondes gibt, ist ein Meilenstein in der Raumfahrt“, meint der aus Reutlingen kommende ehemalige Astronaut Ernst Messerschmid. Messerschmid weist darauf hin, dass der Mond bereits mehrmals umrundet worden sei. Und auch er findet es „bemerkenswert, dass das Triebwerk für die Raumstation aus Lampoldshausen kommt, also aus Deutschland und Europa“. Mit Blick auf weitere Entwicklungen meint Messerschmid auf dem Mond gehe es nach einer Landung darum, dort eine Infrastruktur zum Überleben aufzubauen. „Später wäre vom Mond aus auch ein Flug zu anderen Sternen möglich“. Doch wann dies geschehen könnte – das steht tatsächlich in den Sternen.