ASB-Schulbegleitung gekündigt Stuttgarts Bürgermeisterin Fezer: „Trennung vom ASB war zwangsläufig“

Die Bürgermeisterinnen Isabel Fezer (links) und Alexandra Sußmann äußern sich zur ASB-Kündigung. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Nach der fristlosen Kündigung des ASB Stuttgart äußert sich die Stadt erstmals ausführlich und räumt Fehler ein. Erste Kinder können wieder in die Schule.

Familie/Bildung/Soziales: Viola Volland (vv)

Die fristlose Kündigung des ASB Stuttgart als Träger für die Schulbegleitung sorgt weiter für viel Unruhe – nicht nur an den betroffenen sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) und in den betroffenen Familien, sondern auch bei der Stadt selbst. Die Entscheidung vom vergangenen Mittwoch hatte dazu geführt, dass von einem Tag auf den anderen knapp 150 Kinder ohne Schulbegleitung dastanden. Die Stadt Stuttgart äußert sich nun in einer Mitteilung selbstkritisch und räumt Fehler in der Kommunikation ein. Die Trennung vom ASB als Träger bezeichnet Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) aber als „zwangsläufig“.

 

Man sei nach reiflicher Überlegung und unter Einbeziehung mehrerer Ämter „schweren Herzens“ zu dem Schluss gekommen, das Vertragsverhältnis mit dem ASB zu beenden, so Fezer. Das ganze sollte „rechtlich sauber“ ablaufen, mit „dem Ziel, die Auswirkungen für die betroffenen Kindern und Familien möglichst gering zu halten“. Das sei ihnen „leider nicht in dem Maße gelungen, wie wir es uns gewünscht hätten“, so die Bürgermeisterin.

Fezer: „Über den Zeitpunkt und die Umstände sind auch wir unglücklich“

Die Trennung vom ASB sei jedoch auch aus heutiger Sicht richtig. „Über den Zeitpunkt und die Umstände sind auch wir unglücklich“, so die Bürgermeisterin. Erste Unregelmäßigkeiten habe man im Sommer 2025 bemerkt. Intensive Einzelfallprüfungen seien in den darauffolgenden Monaten erfolgt. Die Stadt schreibt in ihrer Mitteilung, man habe sich über Monate um Klärung bemüht und versucht, eine ausreichende Vorlaufzeit für einen Trägerwechsel sicherzustellen. Dabei soll es sich um eine interne Klärung gehandelt haben, wie die Stadt auf Nachfrage präzisiert. Der Geschäftsführers des ASB, Markus Mitzenheim, hatte gegenüber unserer Zeitung betont, der ASB habe der Stadt Ende August ausführlich geantwortet und daraufhin nichts mehr gehört.

Offenbar hat die Kündigung auch auf Trägerseite für Unruhe gesorgt. So unterstreicht Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann (Grüne): „Die Stadt Stuttgart steht zu starken sozialen Partnern.“ Gleichzeitig trage man „Verantwortung für Rechtssicherheit, Qualität und faire Rahmenbedingungen für alle Träger.“ Man habe zudem aus „den Fehlern“ gelernt und Strukturen der internen Kommunikation verbessert, so Sußmann.

Für 40 Prozent der Kinder gibt es laut Stadt Ersatz

Der Hintergrund: Für Irritationen hatte gesorgt, dass auch einige Ämter selbst unzureichend von dem Vorgang unterricht waren und dann teils selbst falsch informierten – wie das Schulverwaltungsamt in seinem ersten Informationsschreiben an die Schulen. Darin hatte es von einer Kündigung des ASB zum 28. Februar geschrieben, nicht von einer fristlosen Kündigung.

Dass Kinder zeitweise vom Schulbesuch ausgeschlossen werden, sei „schmerzhaft“, so Sußmann. Laut Stadt sei für 40 Prozent der Kinder (insgesamt 65) inzwischen ein Ersatz für Schulbegleitungen gefunden. Erste Schülerinnen und Schüler könnten wieder die SBBZ besuchen. Ziel sei die vollständige Versorgung nach den Faschingsferien.

An den Schulen ist man skeptisch, dass das gelingt. Der geschäftsführende Schulleiter der SBBZ, Michael Hirn, geht davon aus, dass die Schulen das Problem noch „das ganze laufende Schuljahr“ beschäftigen wird. Derzeit sei die Lage „unübersichtlich“, es gebe Notfallpläne, um möglichst vielen Schülerinnen und Schülern den Unterrichtsbesuch zu ermöglichen.

Fast alle Kinder weiter vom Unterricht ausgeschlossen

Auch der Gesamtelternbeirat betont in einer Mitteilung, dass bisher nur für einzelne, wenige Kinder eine Notbetreuung existiere. Fast alle der 146 Schülerinnen und Schüler seien auch am Montag zuhause gewesen und somit vom Unterricht ausgeschlossen. An der am stärksten betroffenen Schule, der Helene-Schoettle-Schule, wo 61 Kinder eine Schulbegleitung vom ASB hatten, weist man zudem darauf hin, dass es mindestens vier Wochen brauche, bis eine neue Kraft eingearbeitet sei. „Das ist eine ganz schwierige Situation für uns“, sagt der stellvertretende Schulleiter, Thomas Mästle.

Stiller Protest im Rathaus

Auch die Politik schaltet sich ein. Die schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Katrin Steinhülb-Joos, und die Linksfraktion im Rathaus fordern jeweils Aufklärung. Eine fristlose Kündigung müsse transparent dargelegt werden, schreibt die Linksfraktion in einem Antrag. Am Dienstag steht das Thema im Schulbeirat auf der Tagesordnung. Eltern planen vor Beginn einen stillen Protest im Rathaus.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Stuttgart Kündigung