Attraktion im Schwarzwald Ältester Skilift der Welt soll am Feldberg neu entstehen

Dunkle Tannen, Alpenkette: Erst seit den 1950er Jahren wird auf dem Feldberg im großen Stil Wintersport betrieben. Foto: Schwarzwälder Skimuseum Hinterzarten

Eine Denkschrift enthüllt ehrgeizige Pläne für den Feldberg: Der historische Skilift von Robert Winterhalder soll originalgetreu wieder aufgebaut werden.

Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)

Der Schwarzwald gilt als Wiege des Wintersports. Um an diese Tradition anzuknüpfen soll dort jetzt der älteste Skilift der Welt originalgetreu wieder aufgebaut werden. Es gehe darum, sich durch eine Rückbesinnung auf die Vergangenheit wieder neue Zukunftschancen für den Wintersport zu erarbeiten, heißt es in einer noch unveröffentlichten Denkschrift, die unserer Zeitung vorliegt.

 

Demnach hat sich eine breite Initiative für den Vorstoß zusammengeschlossen. Zu den Unterstützern des Projekts zählen die Schwarzwälder Wintersportlegende Georg Thoma, der ehemalige Skirennläufer Christian Neureuther, aber auch der Wirt des Schwarzwälder Hofs Thomas Banhardt und der Leiter des Schwarzwälder Skimuseums in HInterzarten, Alfred Faller, außerdem Historiker und örtliche Unternehmer.

Historischer Skilift am Feldberg: Authentisches Wintererlebnis geplant

Den Projektinitiatoren um den Skischulengründer Gundolf Thoma schwebt ein Aufbau des Lifts nach Originalplänen des Schwarzwälder Wirts und Tüftlers Robert Winterhalder im Bereich des Seebucks am Feldberg vor. Der Lift solle voll funktionstüchtig nachgebaut werden und im Winter Skifahrer und Rodler den Hang hinauf befördern, so das Ziel. Nutzern könnten auch historische Skier und Kleider zur Verfügung gestellt werden, um ein authentisches Erlebnis zu inszenieren.

So sah der erste Skilift der Welt aus, der in Schollach in Betrieb ging. Foto: Gemeinde Eisenbach

Der moderne Skisport sei am Feldberg erfunden worden. Dort, in Todtnau, wurde 1891 auch der erste Skiclub gegründet. Ein Jahr später fand schon das erste Skirennen für Männer statt, ein erster Frauenwettbewerb folgte schon fünf Jahre später – damals eine Sensation. Der erste Skilift der Welt ging allerdings im eher abgelegenen Schollach bei Eisenbach in Betrieb. Der Wirt des Schneckehofs, Robert Winterhalder, hatte seinen Gästen zugesehen, wie sie sich mit ihren Skiern den Berg hinaufmühten. Deshalb konstruierte er einen ersten Schlepplift, den er 1910 zum Patent in Deutschland, Frankreich, in Skandinavien und der Schweiz anmeldete.

200 Meter Technikgeschichte am Seebuck

Er bestand aus einem parallel zum Hang verlaufenden Liftseil. Es wurde über fünf Laufrollen geführt, die an hölzernen Ständern befestigt waren. Immerhin 200 Meter lang war dieser Lift. Er überwand 32 Höhenmeter und wurde von einer Wassermühle angetrieben. Die Auffahrt kostete 20 Pfennig.

Ein Gemälde hält die Szenerie fest. Foto: Gemeinde Eisenbach

Tatsächlich hatte Winterhalder seine Idee bald darauf auch am Feldberg umsetzen wollen. Er fand aber kein Gehör bei den örtlichen Akteuren. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs machte die Pläne endgültig zunichte, sodass der Skisport dort erst nach dem Zweiten Weltkrieg so richtig durchstartete. Winterhalder, nach dessen Prinzip noch heute Lifte und Bergbahnen gebaut werden, starb 1932, ohne großen Nutzen aus seiner Erfindung zu ziehen.

„Zurück zu den Wurzeln“: Mit Authentizität aus der Krise

Der Feldberg mache aus seiner Historie zu wenig, glauben die Initiatoren, die den höchstgelegenen Wintersportort im Land in einer Krise und im Umbruch sehen. „Menschen suchen das Authentische und Ursprüngliche“, heißt es in der Denkschrift. Der historische Lift könne dabei Freiluftattraktion und Kulturdenkmal in einem sein. Immer wieder zeige sich, dass sich die Schwarzwaldbesucher für die Geschichte, die Tüfteleien und die Anfänge des Tourismus interessierten. „Deshalb lautet unser Ansatz: Zurück zu den Wurzeln der Vergangenheit. Sie eröffnen Perspektiven für die Zukunft.“

Während der Bürgermeister von Hinterzarten, Klaus-Michael Tatsch, als Vorsitzender des Förderkreises „Schwarzwälder Skimuseum“ bereits zu den Unterstützern des Projekts gehört, müssen die Anrainergemeinden des Feldbergs noch ins Boot geholt werden. Vor allem braucht es noch ein geeignetes Hanggrundstück am Feldberg, damit das Liftprojekt nach mehr als 100 Jahren nicht zum zweiten Mal scheitert.

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