Auf dem Fahrrad durch Leinfelden-Echterdingen Wie das Radfahren attraktiver gemacht werden soll

Derzeit nutzen an diesem Kreisverkehr in Leinfelden viele Radfahrer lieber den Zebrastreifen. Foto: Philipp Braitinger

Am Kreisverkehr der Rohrer, Bahnhof- und der Stuttgarter Straße sind Verbesserungen geplant. Wie kommt die Fahrradstraße in der Goldäckerstraße an?

Es besteht dringender Handlungsbedarf. Die Abteilungsleiterin für Verkehrsplanung und Mobilität, Michaela Käfer, hat den Kreisverkehr an der Rohrer, Bahnhof- und der Stuttgarter Straße in Leinfelden mit der Verkehrspolizei unter die Lupe genommen, weil es dort wiederholt zu Unfällen zwischen Radfahrern und Autofahrern gekommen ist. Während der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses wurden die Verbesserungsvorschläge vom Büro Praxl und Partner vorgestellt. Eine Entscheidung wurde an dem Abend aber nicht gefällt. Manche Stadträte wollen sich die Situation lieber noch einmal vor Ort ansehen.

 

„Ich bin direkt im Verkehr drin“, beschrieb der Diplom-Ingenieur für Verkehrsplanung von Praxl und Partner, Steffen Eckert, die derzeitige Situation für Radfahrer, die den Kreisverkehr nutzen wollen. Momentan werden die Radler kurz vor dem Kreisverkehr auf die Straße geleitet, damit sie auf der Fahrbahn gemeinsam mit den Autos den Kreisverkehr nutzen können. Selbst für mutige und erfahrene Radler stellt das Manöver eine Herausforderung dar. Schließlich herrscht in dem Bereich eine hohe Verkehrsdichte. Der Kreisverkehr ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und wird von vielen Schüler der Schulen in unmittelbarer Nähe genutzt. Derzeit entscheiden sich viele junge Radfahrer, lieber über die Zebrastreifen zu fahren, anstatt über die Straße in den Kreisverkehr einzufahren.

Die Idee, wie die beschriebene Situation entschärft werden kann, ist vergleichsweise simpel. Es sei keine Goldrandlösung geplant, betonte Eckert. Es gebe für die örtlichen Gegebenheiten eine Musterlösung für Radverkehrsanlagen des Ministeriums für Verkehr Baden-Württemberg. Für Planung und Bau wären 157 119 Euro nötig. Womöglich gibt es die Hälfte als Fördergelder. Zusammengefasst sollen die Zebrastreifen um einen Radfahrstreifen ergänzt werden. Dann könnten Radfahrer neben den Zebrastreifen um den Kreisverkehr herumgeleitet werden – das bereits praktizierte Verfahren würde damit verfestigt. Die Radler sollten dann jedoch gegen den Uhrzeigersinn – analog zu den Autos auf der Straße – fahren. Auf den Überwegen wären sie vorfahrtsberechtigt, wie die Fußgänger auf dem Zebrastreifen. Dass die angebotene Lösung funktioniert, davon ist der Verkehrsplaner Eckert überzeugt. Andernfalls wäre sie nicht zu einer Musterlösung geworden, betonte er.

Nichtsdestotrotz äußerten sich verschiedene Stadträte skeptisch gegenüber den Vorschlägen. Die CDU kündigte an, nicht zustimmen zu wollen. „Uns überzeugt die Planung nicht“, sagte die Fraktionsvorsitzende Ilona Koch. Auch Wolfgang Haug (FDP) wollte sich die Verkehrssituation vor Ort nochmals ansehen, womit er sich den Unmut der Grünen-Stadträtin Ingrid Grischtschenko auf sich zog. „Es soll doch jetzt niemand so tun, als kenne er die Situation dort nicht“, äußerte sie ihr Unverständnis. Als Kenner der Situation outete sich der FW-Stadtrat Ulrich Löchner. „Es ist sehr, sehr gefährlich. Man muss etwas tun“, betonte er. Dass die Bepflanzung die Sicht einschränkt, wie es Löchner vermutete, verneinte allerdings die zuständige Abteilungsleiterin Michaela Käfer von der Stadt.

Angesichts der skeptischen Wortmeldungen entschied der Bürgermeister Benjamin Dihm, am vergangenen Dienstagabend keine Abstimmung mehr im Technischen Ausschuss durchzuführen. Zunächst soll jenen Stadträten, die sich die Situation vor Ort genauer anschauen möchten, ein Vor-Ort-Termin angeboten werden. Gleichzeitig wies Dihm darauf hin, dass es eine Expertenkommission gebe, die sich die Situation bereits genau angesehen habe und dem Rathaus anschließend die nun vorgestellten Verbesserungsvorschläge unterbreitet habe. Ob die Stadträte nun zu anderen Erkenntnissen gelangen, muss abgewartet werden.

Bereits umgesetzte Verbesserungen für Fahrradfahrer werden derzeit im nördlichen Bereich der Goldäckerstraße beobachtet. Kurz vor Weihnachten wurde die Fahrradstraße zunächst für ein Jahr eingerichtet. Über die Erfahrungen wird vierteljährlich im Technischen Ausschuss berichtet. Laut Michaela Käfer gab es im Januar und Februar zehn Rückmeldungen – wohlgemerkt sind über den Winter weitaus weniger Radfahrer unterwegs als in den kommenden Frühlings- und Sommermonaten. Ein Problem sei bisher, dass manche Autofahrer nun schneller fahren, weil die Fahrradstraße jetzt eine Vorfahrtsstraße ist. Ferner gebe es Beschwerden, dass Fahrradfahrer angehupt werden, weil sie erlaubterweise nebeneinander fahren. Nach und nach würden sich die neuen Verkehrsregeln aber einschleifen, hofft Käfer. Ein Problem sei weiterhin die hohe Verkehrsdichte, die unter anderem durch sogenannte Eltern-Taxis verursacht wird.

Ob die Fahrradstraße nach Süden verlängert werden sollte, könnte zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Die Kosten betrügen rund 35 000 Euro und 17 Parkplätze entlang der Straße müssten weichen.

Auf dem Weg zur Verkehrswende

Mobilität
Eines der Hauptziele des Mobilitätskonzepts der Stadt ist es, den Anteil am Radverkehr zu erhöhen. Dafür sollen zum einen die innerstädtischen Wege – zum Einkauf, zur ärztlichen Versorgung, zur Arbeit und zum öffentlichen Nahverkehr – besser vernetzt werden. Der Anteil des Fahrradverkehrs soll von derzeit rund zwölf Prozent auf 17 Prozent im Jahr 2030 gesteigert werden.

Programm
Bereits im Jahr 2021 hat sich Leinfelden-Echterdingen auf den Weg gemacht, ein Radverkehrsprogramm ins Leben zu rufen. Das Ziel des 2022 beschlossenen Radverkehrsprogramms ist die Entwicklung eines durchgängigen und attraktiven Radverkehrsnetzes für den Alltags- und Freizeitverkehr. Viele Maßnahmen aus dem Konzept werden nach und nach umgesetzt.

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