Der Anwohnerprotest wird vorzeitig beendet: Weil keine Gefahr mehr besteht, dass Mauerwerk auf die Gablenberger Hauptstraße fällt, sollten Dauerstaus der Vergangenheit angehören.
Knapp 850 Personen haben in den vergangenen Tagen die Internetseite von Björn Klein besucht und dort einen offenen Brief an Oberbürgermeister Frank Nopper unterzeichnet. In dem Schreiben beschwert sich der Anwohner über die seit November gesperrte Rechtsabbiegerspur am unteren Ende der Gablenberger Hauptstraße. Die Sperrung wurde erforderlich, weil sich Mitte November 2024 in einer Sturmnacht an einem Mehrfamilienhaus Mauerwerk gelöst hatte und auf die Fahrbahn gefallen war. Anschließend musste das Gebäude eingerüstet werden, der Platz reichte nicht aus, um den Verkehr zweispurig an dem Haus vorbeizuführen. Die Folge: Staus, die so massiv waren, dass die Buslinie 42 in Richtung Erwin-Schoettle-Platz umgeleitet wurde und monatelang nicht mehr durch Gablenberg fuhr.
Eigentümer sichert Fassade
In Stuttgart-Ost machte das Engagement des Anwohners schnell die Runde, auch Baubürgermeister Peter Pätzold (Bündnis 90/Grüne) hatte davon Kenntnis erlangt. „Wir begrüßen die Initiative des Anwohners Björn Klein in Sachen Gerüst an der Gablenberger Hauptstraße, da dies auch unserem Anliegen entspricht, den öffentlichen Straßenraum so schnell wie möglich wieder frei zu bekommen“, teilte er am Donnerstag schriftlich mit. „Angesichts einer Gefährdung durch herabfallende Fassadenteile musste die Stadtverwaltung Sicherungsmaßnahmen einfordern, die ein Gerüst benötigten. Inzwischen ist die Fassade vom Eigentümer gesichert worden“, sagte Pätzold. Am Freitagmittag wurde das Gerüst abgebaut.
Björn Klein betont, dass der Abbau des Gerüsts nicht sein Verdienst gewesen ist. „Offenbar waren die Arbeiten tatsächlich zum Zeitpunkt meines Aufrufs beendet und der Abbau des Gerüstes geplant.“ War seine Aktion daher also umsonst? „Definitiv nicht!“ Am Sonntagabend wird der Anwohner die Unterschriftensammlung, die eigentlich bis Ende Juli laufen sollte, vorzeitig stoppen und den „stattlichen Zwischenstand“ am Montag an das Stadtoberhaupt melden. „Mit dem Hinweis, dass in Zukunft bei derartigen Maßnahmen die Bedürfnisse der Anwohnerschaft ernstgenommen werden müssen und die Aufrechterhaltung des öffentlichen Personennahverkehrs Priorität haben muss“, so der 46-Jährige.
Anwohner sieht Stadt in der Pflicht
Mit Blick auf die Umleitung des 42er will er die Schuld nicht auf die Stuttgarter Straßenbahnen AG schieben. „Ich sehe hier die Stadt in der Pflicht, sich für die Bürger einzusetzen. Es darf nicht wieder zu einer derartigen Trennung des Stadtteils vom Busnetz kommen. Diese Situation darf sich nicht wiederholen. Das haben wir, denke ich, eindrücklich gezeigt.“ Dass sich in wenigen Tagen so viele Menschen auf seiner Internetseite eingetragen haben, sieht er als deutliches Signal – „bei einem Stadtteil mit gut 10000 Einwohnern, von denen ein Großteil aufgrund von Alter oder Herkunft nicht mal internetaffin ist“, sagt der Fotograf.