Auktion am Gardasee Einrichtung der Benko-Villa versteigert – wer bietet für seine Zahnbürste?

Auch René Benkos Privat-Monopoly kommt unter den Hammer. Foto: Patrick Guyton

Eine Tour durch die protzige Ferienvilla des gestürzten Immobilienentwicklers am Gardasee. Dort wird alles versteigert – von der Zahnbürste bis zur vergoldeten Toilette.

An einem für ihn selbst geschaffenen Brettspiel lässt sich gut ablesen, welches Bild der Mega-Pleitier René Benko von sich selbst hatte. „Signa-Monopoly“ steht groß auf dem Quadrat, benannt nach Benkos untergegangener Signa-Unternehmensgruppe. Statt Badstraße oder Schlossallee sind aber auf den Feldern viele jener Projekte benannt und abgebildet, die der einstige Immobilienentwickler und in höchsten Tönen als „Wunderwuzzi“ Gelobte an die Wand gefahren hat oder die verkauft werden mussten: so der – vollständig gezeigte – Elbtower, der tatsächlich ein unvollendeter Torso ist, die Alte Akademie in München oder das New Yorker Chrysler-Building.

 

Präsentiert werden das Spiel sowie 1824 weitere Auktionsgegenstände – darunter mehr als 100 Weine – in Benkos Ferienvilla Ansaldi am Südufer des Gardasees in Italien. Dort, auf der lang gestreckten Landzunge von Sirmione, besaß der heute 48-jährige Österreicher das Domizil aus der Jahrhundertwende. Die verschachtelte Signa mit ihren 1000 Einzelunternehmen ist pleite, der Firmenpatriarch selbst hat Privatinsolvenz angemeldet und sitzt seit Januar im Gefängnis in der Wiener Josefstadt in U-Haft.

Alles muss nun raus aus Benkos Haus. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Der Insolvenzverwalter soll möglichst viel eintreiben, um Benkos einstige Geldgeber wenigstens zu einem kleinen Teil zu entschädigen. Dafür hat er die Profis von der österreichischen Aurena-Group beauftragt, die im großen Stil Online-Versteigerungen macht.

Versteigerung als Event

Und Aurena macht daraus ein Ereignis. Der Auktionator lädt an diesem Samstag Interessierte ein nach Sirmione, um sich die Villa anzuschauen, den parkgroßen Garten und natürlich die ganzen Versteigerungspositionen, wie es fachlich korrekt heißt. Diese stehen und liegen überall im Haus. Nummer eins ist das goldene Türschild „Familie Benko“, die letzte Position mit der Nummer 1825 ein „Posten diverse Outdoor-Textilien“, das sind ein paar ziemlich verschmutzte Plastikplanen.

Die Aurena-Leute sind jung, einheitlich in blau gekleidet und treten recht kumpelhaft-burschikos auf. Der Besichtigungs- „Slot“ für eine Handvoll Interessierter beginnt um 13 Uhr, insgesamt wird dieser Teil des untergegangenen Imperiums vom Morgen bis zum Abend 300 Menschen gezeigt. Der Aurena-Mann, der sich Hansi nennt, sagt, dass man etwa 20 Minuten Zeit hat.

Rein in das Benko-Imperium, zuerst in den Keller. Es gab einen Wasserschaden, erklärt Hansi, einiges sei verschimmelt. Man sieht es an den Wänden. Unten ist der Spa-Bereich, Sauna, Fitness-Gym. Massenhaft liegen Hanteln rum, aufgestellt sind Ergometer, Bauchmuskeltrainer, Faszienrollen.

Prunkvoll und überladen

Das Erdgeschoss spart Hansi als Höhepunkt für den Schluss auf, weiter geht es erst einmal in den ersten Stock. Ein langer Gang führt zu den vielen Schlafzimmern und Bädern. Bei der Anzahl verliert man den Überblick. Wer das wie genutzt hat, weiß auch Aurena nicht, und Benko und sein Clan werden keine Auskunft geben. Es waren wohl Gäste- und Kinderschlafzimmer. Alles ist überladen, soll prunkvoll wirken, meist in Beige. In einem Bad führen noch zwei Stufen zur offen im Raum stehenden Wanne. Sessel im „Barockstil“ stehen da, wie es in der Auktionsbeschreibung heißt, überall goldene Figuren und an den Wänden Spiegel mit verschnörkelten Silberrahmen. Unmengen an Kissen werden versteigert und auch Kruzifixe.

Im zweiten Stock befindet sich standesgemäß der „Master-Bedroom“. Das Schlafzimmer des Oberhauptes, also Benko. An der Wand ein großer Monitor, ein riesiger Plüsch-Osterhase von Lindt sticht hervor. Der große steinerne Balkon ist direkt auf den See gerichtet, der Blick frei. Ein Master-Bedroom hat natürlich auch ein Master-Bad mit gläserner Trennscheibe. Benkos Produkte für die Zahnpflege sind in einem Posten gebündelt: zwei Zahnbürsten, Sensodyne-Zahncreme, zwei Gläser, Oral-B-Zahnseide.

Der Führer Hansi macht kein Hehl daraus, dass hier auch Voyeurismus betrieben wird. Dass die Besucher sich daran ergötzen oder auch erschaudern, wie dieser einst Super-Reiche, der die größte Pleite in Österreichs Geschichte hingelegt hat, ganz privat lebte. „Des soll ma scho mal sehen“, sagt Hansi in Ösi-Dialekt. Die Villa sei schon verkauft – „und wir machen sie besenrein“. Benko selbst muss im Gefängnis zuschauen, wie nun sein einstiges Privatleben bis ins letzte Detail ausgestellt wird.

Geblendete Geldgeber

In München am Holzzaun an der Alten Akademie in der Nähe des Stachus hatte jemand gesprayt: „Benko war es nicht allein.“ Auch dort sind die Bagger und Baufahrzeuge längst weg, das historische Ensemble liegt brach, händeringend sucht der Freistaat Bayern nach einem neuen Immobilien-Projektierer. Benko hat geblendet, und die Geldgeber haben sich blenden lassen. Banken, Versicherungen, das „alte Geld“, wie der Innsbrucker Wirtschaftsprofessor Leonhard Dobusch den zurückgezogenen Geldadel nennt. Die Renditen von sechs oder acht Prozent nahmen sie gern, auch wenn sie den Emporkömmling Benko aus einfachen Verhältnissen verachtet haben.

Dass dessen Imperium irgendwann einmal zusammenbrechen würde, ist im Nachhinein allen klar gewesen: Seine Luxus-Projekte hatte er hoch bewertet und dafür immer mehr Darlehen bekommen. Dann kam die Krise, der Bau wurde teurer, es herrschte Materialknappheit, zugleich sanken die Nachfrage und die Immobilienpreise.

Flucht- und Verdunkelungsgefahr

Seit der Signa-Pleite Ende 2023 gibt es kaum eine Woche ohne weitere Benko-Neuigkeiten. Dass die Ermittler viel Bargeld und Schmuck in einem Geheimversteck bei einem Vertrauten gefunden haben. Dass wohl bald eine erste Anklage erhoben wird. Seine Frau hat die Scheidung eingereicht und ist mit den drei kleinen Kindern weg. Er kämpft für die Entlassung aus der U-Haft. Bisher vergeblich. Nach Ansicht von Staatsanwaltschaft und Gericht bestehen Flucht- und Verdunkelungsgefahr. Viel Geld dürfte er weiterhin in Privatstiftungen gebunkert haben, auch in Liechtenstein. Und als er noch in Freiheit war, unternahm Benko mutmaßlich einiges, um Vermögen beiseite zu schaffen.

Höhepunkt der Tour durch die Villa ist das Erdgeschoss mit Gesellschaftsräumen und der angrenzenden Profi-Küche. Im Wohnzimmer mit Polsterlandschaft ist ein Mega-Bildschirm in den Kamin eingebaut. Im Speisezimmer mit Platz für zwölf Personen liegt das komplette Besteck, das versteigert wird, auf dem Esstisch. Und im ganzen Haus: riesige Lampen an den Decken in den verschiedensten Stilen, die vor allem als extravagant und erlesen gelten sollen. Ein Höhepunkt ist sicher die schwarze Toilette mit eingelassenen Verzierungen aus Gold.

Kaum Bücher oder Kunst

Alles in der Villa in der Via XXV Aprile 68 ist, man muss es so sagen, protzig und geschmacklos ohne Ende. „Manches hier ist teuer, und anderes ist billig und soll teuer aussehen“, sagt Hansi. Bücher gibt es fast gar nicht in dem Haus, ebenso wenig wie Kunst. Die Außenanlage verströmt zunehmende Morbidität. Der Hubschrauberlandeplatz, der große Pool mit trüb-grünem Wasser. Das verlassene kleine Haus für die Security.

Schnäppchen dürften bei der Versteigerung keine gemacht werden, die Menschen bieten für die Devotionalien viel Geld. Das Türschild lag am Sonntagmittag bei 800 Euro, das Monopoly bei 600 und das Gold-WC bei 1400. Die Zuschläge werden am 14. Juli um 9 Uhr erteilt, bis dahin kann man online alles anschauen und mitbieten unter: www.aurena.at . Verschickt wird jedoch nichts, alles Ersteigerte muss wenige Tage später vor Ort abgeholt und auch abmontiert werden. Wer etwa den fünf Meter langen Steintisch im Garten möchte, muss ihn wohl mit einem größeren Boot vom See aus holen.

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