Aus für Esslinger Spielwarenladen Wieder schließt ein Traditionsgeschäft – Spielhansl findet keinen Nachfolger

Inhaber Bertram Kipp mit einer Handpuppe, die bei Spielhansl gefragt ist. Foto: Roberto Bulgrin

Lego oder Barbie waren verpönt: Spielhansl in Esslingen ist ein besonderer Laden, der vor allem für Drachen, Handpuppen, Jonglierbedarf und Holzspielzeug bei Kunden beliebt ist. Nun geht Inhaber Bertram Kipp in Rente. Damit endet eine Ära.

Reporter: Petra Pauli (pep)

Bertram Kipp hat viel Herzblut in seinen Laden gesteckt und hätte sich deshalb sehr gewünscht, dass seine Idee fortgeführt wird. Ein Jahr lang suchte er einen Nachfolger. Vergeblich. Es habe zwar einige Interessenten gegeben. „Aber unterm Strich stimmten für sie die Bedingungen nicht“, sagt Kipp. 27 Jahre lang war Spielhansl für viele ein Fixpunkt in der Esslinger Bahnhofstraße. Doch nun wird das Traditionsgeschäft bald schließen. Bertram Kipp, der nächsten Monat 72 Jahre alt wird und in den Ruhestand geht, hat seinen Mietvertrag auf Ende März gekündigt. Im Februar soll der Schlussverkauf beginnen, ein genaues Datum stehe noch nicht fest.

 

So wie ihm gehe es vielen inhabergeführten Läden, bei denen ein Generationswechsel ansteht, meint Kipp. „Mögliche Nachfolger haben oft höhere finanzielle und andere zeitliche Ansprüche und möchten auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gut über die Runden kommen“, analysiert er. Internet und die Discounter hätten den Druck auf den Einzelhandel erhöht. Trotzdem gebe es noch immer Interesse, vor Ort einzukaufen. „Diese Kunden möchten Beratung und wollen die Dinge sehen und anfassen“, ist er überzeugt. So sei das Weihnachtsgeschäft bei Spielhansl beispielsweise gut gelaufen.

Karstadt-Schließung und seine Folgen

Seit Karstadt im Gebäude gegenüber vor gut einem Jahr geschlossen wurde, habe die Laufkundschaft jedoch merklich abgenommen, berichtet Kipp, der in Nürtingen lebt. Aber es gebe ja noch die vielen Stammkunden. „Es ist etwas Spezielles, das wir hier aufgebaut haben“, sagt Bertram Kipp, der früher Waldorflehrer war, über sein Sortiment. Als 2023 der Spielwarenladen Coconino im angrenzenden Einkaufscenter ES dichtmachte, habe ihm das beispielsweise kaum neue Kundschaft beschert, zu deutlich hat sich das Angebot der beiden Mitbewerber unterschieden.

Anregungen hat sich Bertram Kipp auf Messen geholt. Oft sei er Vorreiter gewesen und habe früher als andere zum Beispiel Einräder, Laufräder oder Spielküchen angeboten, erzählt der Einzelhändler. Vieles davon hat Spielhansl wieder aus dem Programm genommen, sobald es das überall zu kaufen gab. Immer waren Bertram Kipp und seine Frau Astrid, die bis 2023 das Spielhansl-Hauptgeschäft in Nürtingen führte, auf der Suche nach Dingen, die auch größere Kinder und Erwachsene interessieren. Derzeit sind es etwa magische Holzpuzzle, bei denen jedes Einzelteil für sich eine Figur darstellt. Ein Trend seien auch Miniaturläden oder Gewächshäuser, die an historische Puppenstuben erinnern. Der Spaß besteht daran, das filigrane Mobiliar aufzubauen und zu arrangieren, um sie dann als Dekostück ins Regal zu stellen.

Bekannt ist Spielhansl zudem für den Jonglierbedarf, seine Auswahl an Drachen und vor allem für die Handpuppen. Barbies oder Lego sucht man dagegen vergeblich. Immer wieder kämen junge Mütter in den Laden und erzählten freudestrahlend, dass sie selbst schon als Kinder hier eingekauft hätten. „Das macht einen natürlich stolz“, sagt Kipp. Der sechsfache Großvater erinnert sich an viele schöne Begegnungen im Laden. Da war zum Beispiel die ältere Kundin, die immer Postkarten kaufte und dann Gedichte aus dem Gedächtnis rezitiere. Oder die vielen Kinder, die ihr Taschengeld auf den Tresen legten. Manche konnten sich von den aufgetürmten Münzen dann doch nicht trennen und vertagten den Kauf, erinnert sich Kipp. Ohne seine langjährigen Mitarbeiterinnen, die flexibel einspringen, hätte der Betrieb nicht funktioniert. „Ihnen habe viel zu verdanken“, sagt der 71-Jährige.

Die Postkartenständer von Spielhansl prägten das Bild der Bahnhofstraße. Foto: Bulgrin

Weitere Themen