Aus für Stuttgarter Vereinsbäder? Ärger in Botnang: „Dann sollte man lieber diesen Stuttgart-Schriftzug einsparen“

Noch ist das MTV-Bad geschlossen. In diesem Jahr öffnet es am 9. Mai. Und im nächsten? Foto: Michael Bosch

Zwei von vier Vereinsbädern in Stuttgart müssen wohl schließen. In Stuttgart-Botnang gibt es gleich zwei. Was sagen die Leute vor Ort?

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Keine zwei Minuten geht man in Stuttgart-Botnang von einem Freibad zum anderen. Auf der einen Straßenseite betreibt der Männerturnverein (MTV) Stuttgart sein Freibad, auf der anderen der Athletiksportverein (ASV). Derzeit laufen die Vorbereitungen auf die neue Saison, die bald startet. Dass im nächsten Jahr zur selben Zeit auf beiden Straßenseiten die Bäder herausgeputzt werden, ist ungewiss. Eins könnte schließen, möglicherweise auch beide.

 

In dieser Woche wurde bekannt, wie viel die Verwaltung bei den Vereinsbädern einsparen muss. Das Geld reicht künftig nur noch für zwei der vier Bäder – neben denen in Botnang noch das s’Bädle in Zuffenhausen sowie das Hallenbad in Cannstatt.

„Wir wollen natürlich, dass das MTV-Bad bleibt“

Schade, traurig, schrecklich: Das oder ähnliches hört man, wenn man Menschen, die an der Furtwänglerstraße unterwegs sind, wo die beiden Bäder liegen, nach dem möglichen Aus fragt.

„Wir wollen natürlich, dass das MTV-Bad bleibt“, sagt Barbara Below-Kundt, die gerade mit einer Gruppe vom Yoga kommt. Das Fitnessstudio grenzt direkt ans Freibad an. Die Enkelin komme im Sommer her, überhaupt sei es für Schulen und das Schwimmenlernen eine Katastrophe, sollte das Bad schließen müssen. Da ist sich die Gruppe einig. „Aber vermutlich macht der Verein mit dem Bad zu wenig Geld“, sagt Below-Kundt. Im Sommer habe sie morgens das Bad teilweise schon für sich gehabt – „und viele Leute kommen ja auch umsonst rein“.

Die MTV-Mitglieder wollen, dass die Botnanger Bäder bleiben – das MTV-Bad auf jeden Fall, das vom ASV gegenüber eigentlich auch. Foto: Michael Bosch

Dass die Stadt sparen müsse, weil viel Gewerbesteuer weggebrochen sei, dafür könne sie ja nichts, sagt Dieter Steimle. „Aber dann sollte man vielleicht lieber diesen Stuttgart-Schriftzug und die 470.000 Euro dafür einsparen.“ Er meint das sogenannte Stuttgart-Sign, ein beleuchteter Schriftzug, der auf dem Marktplatz stehen und als Fotomotiv für die Stadt touristisch werben soll.

Die Stadt hat bislang etwa 80 Prozent der Betriebskosten für die vereinseigenen Bäder bezuschusst. In diesem Jahr belaufen sie sich auf rund 1,44 Millionen Euro. Im kommenden Jahr sind die Zuschüsse auf 730 000 Euro gedeckelt. Die Stadt kann faktisch das Aus der Bäder zwar nicht beschließen, in welche Form die Vereine sie ohne die Finanzspritze weiter betreiben wollen und können, muss sich zeigen.

„Natürlich ist es ein Luxus, dass man hier zwei Bäder hat“, sagt Norbert Förderer. Er kommt mit seiner Frau aus Feuerbach zum Sportmachen zum MTV nach Botnang. Aber eigentlich müsse auch das ASV-Bad bleiben, unter anderem, weil es für Kleinkinder so gut geeignet sei. Sie sagt, nach Feuerbach ins Bad zu gehen, komme nicht in Frage: die Anbindung sei viel zu schlecht. In Botnang gebe es viel mehr Parkplätze, außerdem halte der Bus direkt vor der Tür und die Anreise mit der Stadtbahn sei auch viel angenehmer.

So sieht es auch Tanja Dinkelaker. Ihr zehn Jahre alter Sohn könne alleine herlaufen, außerdem hätten die Botnanger Bäder ein „riesiges Einzugsgebiet. Eigentlich kommt der ganze Stuttgarter Westen her“, sagt Dinkelaker. „Außerdem wurde ja auch einiges investiert ins Bad.“

Auch viel Sympathie für das ASV-Bad

Selbst diejenigen, die es gar nicht nutzen, wollen das es bleibt. „Das wäre schade“, sagt eine Frau mit Sporttasche, die nicht namentlich in der Zeitung erwähnt werden will. „Ich gehe zwar selbst nicht schwimmen, aber sehe ja immer, was im Sommer los ist.“ Auch das Bad auf der anderen Seite brauche es weiterhin, findet sie. Die beiden Bäder in Botnang seien „hochpolitisch“, sagen Menschen, die sich im Ort auskennen.

Die Freibäder in Botnang haben ihre eigenen Bushaltestelle. Das Becken des MTV ist sogar schon gefüllt. Foto: Michael Bosch

Auf der anderen Seite im ASV-Quellbad sind zwei Männer damit beschäftigt dem Bad den Winter auszutreiben, einer von ihnen ist der Hausmeister des ASV. Start ist in diesem Jahr am 14. Mai. Und eigentlich sollte es nicht die letzte Saison sein, finden die Männer. „Das Bad muss erhalten bleiben“, sagen sie, „es wäre wirklich sehr schade, wenn man es zumachen müsste.“ Auch wenn sie das natürlich nicht entscheiden könnten. Das Bad ist wesentlich kleiner als das des MTV, auch das Becken. Als „familär“ beschreiben es die, die gerne hingehen. Es speist sich aus einer eigenen Quelle, die Vereinsmitglieder stecken viel ehrenamtliche Arbeit hinein. Besonders für Familien mit kleinen Kindern ist es ein Anlaufpunkt.

Dass die Stadt sparen muss, weiß auch die Botnanger Ortsvorsteherin Mina Smakaj. Die Kosten für die Bäder seien zuletzt „ins Unermessliche“ gestiegen, unter anderem wegen der immer teureren Energie. Dass eins der Bäder, vielleicht sogar beide, im kommenden Jahr schließen, will sie sich nicht ausmalen. „Das wäre für den Stadtbezirk sehr zu bedauern“, sagt Smakaj. „Es wird halt immer dort gespart, wo das Geld am einfachsten zu holen ist“, sagt ein Mann, der an der Bushaltestelle steht, die „Botnang Freibad“ heißt. Aber ob das sinnvoll sei? „Ich weiß auch net.“ Bis Juli will die Stuttgarter Verwaltung entscheiden, wie es weitergeht.

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