Kreis Esslingen Seit 2014 gesperrt: Beliebter Rad- und Wanderweg soll wieder öffnen

, aktualisiert am 18.07.2025 - 10:26 Uhr
Der Reußenstein ist ein beliebtes Ausflugsziel – doch einige Wege unterhalb der Burgruine sind gesperrt. Foto: Horst Rudel

Ein beliebter Weg unterhalb der Burgruine bei Neidlingen (Kreis Esslingen) ist seit 2014 wegen Steinschlaggefahr gesperrt. Unter anderem laufen dort zwei Radfernwege zusammen. Nun ist Abhilfe in Sicht – nur wann?

Reporter: Elke Hauptmann (eh)

Der Reußenstein bei Neidlingen ist ein beliebtes Ausflugsziel: Hier thront eine der markantesten Burgruinen der Schwäbischen Alb auf einem hoch aufragenden Felsenriff. Die Touristenattraktion selbst ist frei zugänglich. Doch weil das Felsgestein brüchig ist, ist das darunter liegende Waldgebiet mit seinen Zugangswegen schon seit Dezember 2014 gesperrt. Das soll sich aber bald ändern, kündigt Esslingens Landrat Marcel Musolf an.

 

An den Besucherparkplätzen stehen Schilder mit dem Hinweis „Wald- und Wanderwege gesperrt“ samt dem warnenden Zusatz „Lebensgefahr durch Steinschlag und Felsabgänge“. Gitterabsperrungen sollen Uneinsichtige insbesondere von der Pfannensteige – ein sich sanft durch den Wald schlängelnder Schotterweg, über den zwei überregionale Fernradwege verlaufen – fernhalten. Soweit die Theorie. Die gängige Praxis sieht anders aus: Vor allem ortskundige Biker und Wanderer nutzen den Weg trotz des Verbots. Und passiert ist bislang nichts.

Das Gestein unterhalb der Burgruine gilt als äußerst fragil

Wie das Esslinger Landratsamt einräumt, liegen keine Erkenntnisse darüber vor, dass sich in jüngerer Vergangenheit tatsächlich Steinbrocken vom Felsenrand unterhalb der Burgruine gelöst hätten. Dennoch gilt das Gestein in Teilen als äußerst fragil. Zwar wurden bereits im Jahr 2012 stark klaffende Risse mit Fugenmörtel gefüllt, doch das reicht nach Einschätzung von Fachleuten nicht aus. Weitere Sicherungsmaßnahmen sind zwingend erforderlich. Den Antrag dafür hatte das Landratsamt im Sommer 2022 auf den Weg gebracht.

Das Problem dabei ist: Das gesamte Gebiet ist als sogenannte Fauna-Flora-Habitat-Zone (FFH) ausgewiesen. Denn die Felsköpfe sind von streng geschütztem Kalk-Pionierrasen bewachsen, einem der letzten Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Für Eingriffe in dieses europäische Schutzgebiet Natura 2000 ist ein aufwendiges Genehmigungsverfahren erforderlich, bei dem nicht nur die Umweltministerien von Bund und Land, das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen sowie das Stuttgarter Regierungspräsidium ein Wörtchen mitreden, sondern auch die EU-Kommission.

Sicherung des Wanderweges ist notwendig für Erhalt der Burgruine

Nach dreijähriger Prüfzeit liegt nun endlich deren Stellungnahme vor – und Musolf freut sich über positive Signale aus Brüssel.

Auch die EU erkennt demnach an, dass es sich bei der Ruine Reußenstein um ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung aus wissenschaftlichen und heimatgeschichtlichen Gründen handelt. „Deswegen wird die Sicherung des Wanderwegs zur Erfüllung dieses Zwecks sowohl als alternativlos wie auch notwendig für den langfristigen Erhalt der Ruine eingestuft, welche ansonsten durch die Hangrutschung Schäden erleiden würde“, zitiert das Landratsamt aus dem EU-Bericht.

„Wir haben jetzt eine Perspektive“, betonte Musolf. Doch wann es losgehen könnte mit der Sicherung der fragilen Felsen, ist offen. „Einen genauen Zeitplan gibt es noch nicht. Wir sind dabei, die Umsetzung des Projektes zu planen“, so der Landrat. Im Herbst wolle man den Kreistag darüber informieren, wie die natürlichen Felsbereiche und ein Teil der Grundmauer der Burgruine gesichert werden können.

Weiterhin gilt für Wanderwege: Betreten verboten! Das von der unteren Forstbehörde des Landkreises Esslingen verhängte Betretungsverbot gilt zunächst noch bis Ende dieses Jahres.

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