Außergewöhnliche Reise Mit dem Rollstuhl nach Kroatien – Kirchheimer erfüllt sich großen Traum

Jürgen Baur hat elf Etappen für seinen Roadtrip eingeplant. Foto: Ines Rudel

Der nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmte Jürgen Baur aus Kirchheim will sich im Sommer auf ein großes Abenteuer begeben – und damit einen lang gehegten Traum erfüllen.

Entscheider/Institutionen : Kai Holoch (hol)

Am 25. Juli soll es losgehen. Elf, maximal zwölf Tage will Jürgen Baur unterwegs sein und dann sein Ziel, den Ort Betina auf der kroatischen Halbinsel Murter zwischen Zadar und Sibenek erreichen. Was auf den ersten Blick nach einem gemütlichen Roadtrip aussieht, könnte für Baur zu einem ganz großen Abenteuer werden. Denn der dann 64-jährige Heizungsunternehmer aus dem Kirchheimer Stadtteil Jesingen ist seit einem Schlaganfall 2012 halbseitig gelähmt und sitzt seither im Rollstuhl.

 

Und genau damit will sich Baur seinen schon seit Jahren gehegten Traum erfüllen: Er will vor der eigenen Haustür starten und dann mit seinem E-Rolli die mehr als 1000 Kilometer lange Strecke durch Deutschland, Österreich, Italien, Slowenien bis nach Kroatien bewältigen. Den ersten Anlauf zu diesem Großprojekt musste er vor fünf Jahren absagen – Corona zerstörte die Hoffnungen, das früher so geliebte Urlaubsziel anzusteuern, in dem die Baurs viele einheimische Freunde haben. „Dort haben sie immer gesagt, jetzt kommt der Solar-Doktor“ erinnert sich Baur gerne an vergangenen Tage, in denen er als Freundschaftsdienst so manche Heizung repariert hat.

Der alte Brennerstraße wird die größte Herausforderung

„Jetzt muss es einfach klappen“, davon ist Jürgen Baur fest überzeugt. Er räumt aber auch ein, dass sein Plan ziemlich ambitioniert ist. Denn die täglichen Etappen betragen zwischen 86 und nahezu 100 Kilometern. Und es liegen nicht nur der Albaufstieg gleich zu Beginn seiner Reise, sondern auch andere Pässe auf dem Weg. „Die größte Herausforderung dürfte die alte Brennerstraße werden“, sagt Baur und lächelt.

Realistisch ist, dass er jeden Tag 11 bis 13 Stunden mit seinem E-Rolli der Marke Permomobil unterwegs sein wird. Denn die Höchstgeschwindigkeit für sein absolut straßentaugliches und auch in allen zu durchquerenden Ländern zugelassenes Gefährt beträgt gerade einmal zwölf Kilometer pro Stunde. Baur: „Hinzu kommen dann auch ein paar Pausen, und nicht überall werde ich die Höchstgeschwindigkeit schaffen.“

„Ich bin es gewohnt, im Rollstuhl zu sitzen“

Allzu große körperliche Probleme erwartet er dennoch nicht: „Auch jetzt sitze ich jeden Tag von 7 bis 21 Uhr im Rollstuhl. Das bin ich gewohnt. Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich nur im E-Rolli sitze oder auch damit fahre.“ Allerdings will er, sobald es wärmer ist, mit dem Training beginnen und seine Grenzen austesten. Wo vorhanden, will er auf Radwegen fahren. Ansonsten sind es Land- und Kreisstraßen, die er nutzen wird. „Auf die Küstenstraße in Kroatien freue ich mich besonders“, sagt Baur.

Natürlich gibt es bei diesem Abenteuer jede Menge logistische Herausforderungen: Beispielsweise ist es nicht einfach, überall in den geplanten Etappenorten barrierefreie Unterkünfte zu finden. Zudem müssen Baur und seine Unterstützer auch eventuelle technische Pannen einkalkulieren. In einem Begleitfahrzeug stehen neben Werkzeug und Material ein Ersatzrollstuhl und Ersatzbatterien bereit. Ein kleines Team aus Familienangehörigen, Nachbarn und Freunden werden immer in der Nähe von Jürgen Baur sein, um ihn so gut es geht zu unterstützen.

Baur sucht noch Sponsoren

Das Ganze hat seinen Preis. Knapp 20 000 Euro kostet das Projekt, die Baur und seine Familie aus eigener Kraft nicht aufbringen können. Schon jetzt ist die Hilfsbereitschaft im Kirchheimer Stadtteil aber groß: Der Jesinger Metzgermeister Martin Ebensperger etwa plant eine große Abschiedsparty für Baur, bei der auch der örtliche Musikverein, in dem die Familie Baur immer eine wichtige Rolle gespielt hat, eingebunden werden soll. Sponsoren bietet Baur Werbeflächen auf dem Begleitfahrzeug. Sollte zu viel Geld zusammenkommen, weiß er auch schon genau, was er damit macht: „Das Geld spende ich dann der Schlaganfallhilfe.“

So soll es klappen

Strecke
Insgesamt liegen rund 1080 Kilometer vor Jürgen Baur. Diese will er in elf, maximal zwölf Tagen bewältigen. Am 25. Juli soll es losgehen.

Etappen
Die meisten Etappen haben eine länge von mehr als 90 Kilometern. Das letzte Teilstück von Gracac in Kroatien bis zur Halbinsel Murten beträgt fast 100 Kilometer.

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