Auto China 2026 Wie sich Mercedes und Porsche auf der wichtigsten Automesse präsentieren

Neue Modelle der Stuttgarter Autohersteller: der Mercedes GLC in der Langversion und der Porsche Cayenne Tuorbe Coupé Electric. Foto: Ng Han Guan/AP/dpa, red/rsp

Die Auto China 2026 ist die wichtigste Automesse der Welt. Mit neuen Modellen wollen die Stuttgarter Autohersteller beweisen, dass sie in diesem schwierigen Markt mithalten können.

Auto-Team: Rouven Spindler (rsp)

Bühne frei: Die Auto China 2026, die bedeutendste Automesse der Welt, läuft. Bis Anfang Mai präsentieren die Aussteller in Peking, der Hauptstadt des Landes mit dem größten und wichtigsten Automarkt überhaupt, ihre Neuheiten und Ideen für die zukünftige Mobilität. Auf dem 380.000 Quadratmeter großen Gelände finden sich auch die Stuttgarter Autohersteller Mercedes-Benz und Porsche ein.

 

Die so wichtige Messe fällt in eine Zeit, in der sich die deutsche Automobilindustrie in einer schwierigen Lage befindet – unter anderem wegen der großen Konkurrenz aus China. „Es geht wirklich darum, zu zeigen, dass man den Trend der letzten Jahre, in denen es für die Deutschen rückwärts ging, bricht“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer gegenüber unserer Zeitung. Das gelinge, „wenn man nicht nur neue Autos zeigt, sondern auch neue Technologie“. Zudem müsse man darstellen, „welche Bedeutung China für die deutschen Autobauer hat“, so der Gründer des Center Automotive Research (CAR) in Bochum weiter.

Für Mercedes und Porsche hängt viel von China ab

Das eingangs erwähnte Duo aus Stuttgart kriselt in dieser Zeit, streicht viele Stellen. Von China hängt für Mercedes und Porsche viel ab. Wie präsentieren sich die beiden in dem Land, in dem sie zuletzt große Rückgänge verkraften mussten?

„China ist für die Autoindustrie so etwas wie das härteste Rennen der Welt“, sagte Mercedes-Chef Ola Källenius kürzlich auf der Hauptversammlung und sprach damit den Konkurrenzkampf an, den die schnell wachsende chinesische Autoindustrie mit ihren mehr als 100 Herstellern befeuert.

Der Autobauer mit dem Stern erlitt im vergangenen Jahr einen erheblichen Ergebniseinbruch. Der Gewinn in der Autosparte sank im Vergleich zu 2024 um 45 Prozent. Die Rückgänge hingen beispielsweise mit den US-Zöllen zusammen – und dem so hart umkämpften Wettbewerb auf dem chinesischen Markt. Der erhoffte Erfolg etwa mit dem vollelektrischen CLA ist in China bislang noch nicht in Sicht. 2026 sieht Mercedes in China als ein „Übergangsjahr“ an. Jedoch glaubt Källenius: „unsere China-exklusiven Weltpremieren zeigen, wie wir technologische Exzellenz auf die Bedürfnisse unserer chinesischen Kunden zuschneiden.“

Dudenhöffer glaubt an Aufschwung für Mercedes

Im ersten Quartal zogen die Zahlen aus dem Reich der Mitte die Bilanz nach unten. Mercedes führt in diesem Kontext bevorstehende Modellwechsel, ein anspruchsvolles Marktumfeld und eine restriktive Vertriebssteuerung an. Dudenhöffer hält einen Mercedes-Aufschwung künftig für möglich. „Die Trendwende geht nicht über Nacht, sondern Stück für Stück wird es nach oben gehen“, sagt der Fachmann und meint: „Die Pläne, die man hat und die Modelle, die jetzt kommen, sind sehr, sehr vielversprechend.“ Er glaube, dass man wie Mercedes und VW richtig in China investieren müsse, damit die Trendwende gelingt.

Apropos vielversprechende Modelle: Konkret stellt Mercedes die Langversion des vollelektrischen GLC vor. Der wird auf dem chinesischen Markt in zwei Varianten verkauft. Einmal als Fünf-, einmal als Sechssitzer. So will sich Mercedes an die Bedürfnisse des Marktes anpassen. In Summe bietet der Autobauer im Rahmen seiner Produktoffensive, in der er von 2025 bis 2027 40 neue Fahrzeuge vorstellt, sieben Modelle exklusiv für diesen Markt an.

Die Front des Mercedes GLC ist übergroß auf der Messehalle in Peking illuminiert dargestellt. Foto: red/rsp

Neben dem Elektro-GLC stellt Mercedes die Langversion des CLA aus, die nun auf den Markt kommt. Nicht zuletzt spielen die neue S-Klasse samt der neuen Maybach-S-Klasse eine zentrale Rolle, beide begehen ihr Messedebüt. Unter anderem das Flaggschiff der Marke nimmt auf dem zweistöckigen Messestand der Stuttgarter viel Raum ein. Sie stellen zudem Modelle aus ihrer Historie aus, darunter auch ein Nachbau des Benz-Patent-Motorwagens. Schließlich feiert die Marke 2026 140 Jahre Automobil.

Porsche kämpft mit Jubiläen gegen die Krise in China

Den Bezug zur eigenen Geschichte gibt es auch bei Porsche – vor allem durch zwei Jubiläen: 75 Jahre Motorsport, 25 Jahre Porsche in China. Den Sportwagenhersteller trifft die andauernde Krise noch härter als Mercedes. Unter anderem die Rückgänge auf dem chinesischen Markt trugen 2025 zu einem Gewinneinbruch von 98 Prozent im Autogeschäft bei. Der Vorstandsvorsitzende Michael Leiters, seit Januar Nachfolger von Oliver Blume, soll den Sportwagenhersteller wieder stärken.

Porsche-Chef Michael Leiters präsentiert den hier noch verdeckten elektrischen Cayenne Coupé. Foto: red/rsp

Vor den Augen seines Vorgängers, der sich inzwischen auf die Leitung des Mutterkonzerns VW konzentriert, startet Leiters beim Messeauftakt die Pressekonferenz – und präsentiert dabei die Weltpremiere des vollelektrischen Cayenne Coupé. An seinem Stand zeigt Porsche auch die SUV-Variante des Cayenne Turbo Electric, die er erstmals auf dem chinesischen Markt präsentiert.

„Man gewinnt nicht, indem man für einen Moment schnell ist – insbesondere nicht bei Langstreckenrennen. Man gewinnt im Laufe der Zeit: mit der richtigen Strategie, dem besten Produkt und einem perfekten Team“, sagt Leiters bei seiner Rede und ergänzt wenig später: „Was auf der Rennstrecke gilt, gilt auch in anspruchsvollen Märkten.“

Sonderwunsch-Modell des Porsche 911 GT3 für China

Neben dem neuen Coupé, von dem das Spitzenmodell Turbo ausgestellt ist, enthüllt Porsche aufgrund seines 25-Jahr-Jubiläums in China bei der Präsentation auch einen 911 GT3. Bei diesem handelt es sich um ein exklusives Sonderwunsch-Modell für den dortigen Markt. Speziell für diesen hat Porsche auf die „Pure Edition“ des Panamera entwickelt, die ebenfalls am Stand zu entdecken ist.

Porsche macht mit Verbenner-, Hybrid- und Elektroantrieben weiter

Leiters: „China ist ein Markt, auf dem sich Erwartungen schnell entwickeln und auf dem Wettbewerb intensiv ist. Daher machen wir damit weiter, unsere Strategie zu verfeinern.“ Weil Porsche-Kunden laut Leiters Auswahl schätzen, verfolge der Sportwagenhersteller einen Ansatz mit drei Antriebssträngen: Verbrennungsmotoren, Plug-In-Hybride und vollelektrische Antriebe.

„Porsche wird sicherlich versuchen, mit Plug-In-Hybriden Dinge nach vorne zu treiben“, vermutet Dudenhöffer im Vorfeld des Messestarts. Doch wie kommt das Unternehmen aus seinem Tief? Mercedes sieht der Experte dabei deutlich weiter. Vom Sportwagenhersteller fordert er: „Porsche muss chinesischer werden. Weissach und Zuffenhausen allein reichen nicht aus.“

Auf von Deutschland aus exportierte Verbrenner mit großen Motoren gebe es hohe Sonderzölle, diese Autos seien immer unerreichbarer für Chinesen. „Deshalb ist es wichtig, dass Porsche einen neuen Ansatz macht – einen China-Ansatz, bei dem viel stärker China zu sehen ist im Vergleich zu heute, wo Weissach dominiert.“

Hinweis: Die Reise für diese Recherche wurde von Mercedes-Benz finanziert. Dies hat keinen Einfluss auf den Inhalt unserer Berichterstattung.

Auto China 2026

Messe
Die Auto China 2026 heißt offiziell Beijing International Automotive Exhibition 2026, da sie diesmal wieder in Peking stattfindet. Die Hauptstadt wechselt sich als Austragungsort jährlich mit Shanghai ab. Nun erreicht die Messe nach eigenen Angaben eine rekordverdächtige Gesamtausstellungsfläche von 380 000 Quadratmetern.

Ablauf
Zum Auftakt in 2026 folgen auf zwei Medien- (24./25. April) noch zwei Fachbesuchertage (26./27. April), danach haben Interessierte bis zum 3. Mai die Möglichkeit, die riesigen Hallen zu besuchen und in die Welt der Automobile einzutauchen. Die Ausstellung steht unter dem Motto „Zukunft der Intelligenz“.

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