Autobauer im Vergleich Die Krise trifft Mercedes härter als BMW – das sind die Gründe

Mercedes-Chef Ola Källenius und BMW-Chef Oliver Zipse verfolgen unterschiedliche Strategien. Foto: imago/Mike Schmidt/Sven Simon

Auf den ersten Blick sind Mercedes und BMW vergleichbare Unternehmen. Ihre Strategien unterscheiden sich in wichtigen Punkten aber deutlich.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau : Klaus Köster (kö)

Der Münchner Autobauer BMW hat als letzter der großen deutschen Autohersteller seine Halbjahreszahlen vorgestellt. Im Vergleich mit dem direkten Wettbewerber Mercedes steht der Münchner Autohersteller gut da.

 

US-Zölle

Für beide Unternehmen sind die USA ein extrem wichtiger Absatzmarkt, beide bauen dort jedes Jahr Hunderttausende Autos. Dennoch sind sie in deutlich unterschiedlicher Weise von den US-Zöllen betroffen. Mercedes hatte bereits zu deren Einführung die Gewinnprognose für das ganze Jahr zurückgezogen, weil man die wirtschaftlichen Auswirkungen nicht mehr mit der notwendigen Sicherheit prognostizieren könne. BMW hatte dagegen erklärt, man halte die Prognose unverändert aufrecht.

Die Einigung zwischen Ursula von der Leyen und Donald Trump hat für die Autobranche weitreichende Auswirkungen. Foto: Jacquelyn Martin/AP/dpa

Nun, da die Entscheidung steht, hat Mercedes tatsächlich eine neue Prognose abgegeben, die mit einer Umsatzrendite des Pkw-Geschäfts zwischen vier und sechs Prozent deutlich ungünstiger ausfällt als die bisher genannten sechs bis acht Prozent.

BMW hatte dagegen von Anfang an erklärt, man werde an der Prognose zwischen fünf und sieben Prozent festhalten – zumal davon auszugehen sei, dass die US-Zölle auf Autos von 27,5 Prozent noch gesenkt würden. Bei der Präsentation der Halbjahreszahlen konnte BMW-Chef Oliver Zipse nun darauf verweisen, dass es genau so gekommen ist. Die Prognose bleibe unverändert.

Ähnlich wie Mercedes-Chef Ola Källenius hebt auch Zipse hervor, dass die Zoll-Einigung zwischen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Donald Trump nicht nur die Erhöhung der US-Einfuhrzölle von den langjährig gültigen 2,5 auf 15 Prozent vorsieht, sondern auch die völlige Abschaffung der EU-Zölle auf die Einfuhr amerikanischer Autos. Diese hatten bisher bei zehn Prozent gelegen.

Produktionsnetzwerk

BMW produziert in seinem Werk in Spartanburg (South Carolina) 420 000 Autos pro Jahr, Mercedes am Standard Tuscaloosa (Alabama) 260 000. Allerdings ist der Exportanteil des Mercedes-Werks mit rund zwei Dritteln höher als der der BMW-Fabrik, von der aus rund die Hälfte der Autos ins Ausland geht. In absoluten Zahlen exportiert BMW dennoch einige Zehntausend Fahrzeuge im Jahr mehr aus den USA als Mercedes. Die Münchner dürften somit stärker von der Abschaffung der EU-Zölle profitieren.

Zipse zeichnet von den neuen Regeln ein deutlich entspannteres Bild als Källenius und macht für BMW folgende Rechnung auf: Das Unternehmen exportiere aus den USA fast so viele Autos wie in der umgekehrten Richtung. Addiere man die bisherigen Zollsätze in beide Richtungen, komme man auf 12,5 Prozent. Nun, mit der Festsetzung der US-Zölle auf 15 und der Abschaffung der EU-Zölle komme man in Summe auf 15 Prozent – nur eine minimale Steigerung. „Ich glaube, diese Zolldebatte wird komplett überhöht“, sagt Zipse. Die Folgen für BMW würden „gar nicht so riesig sein“. Viel wichtiger seien attraktive Produkte.

Elektromobilität

Der BMW-Chef gehört zu den hartnäckigsten Kritikern der Pläne der EU, den Verkauf von Verbrennungsfahrzeugen ab 2035 zu verbieten. Zugleich verkauft sein Unternehmen im Wettbewerbsvergleich schon heute einen vergleichsweise hohen Anteil seiner Fahrzeuge mit vollelektrischem Antrieb. Im ersten Halbjahr ist dieser Anteil auf 18,3 Prozent gestiegen – er ist damit mehr als doppelt so hoch wie der von Mercedes-Benz, wo er bei 8,4 Prozent liegt. Dabei ist der Abstand seit dem vergangenen Jahr nochmals deutlich gewachsen, denn BMW verzeichnete bei den Stückzahlen ein Plus von 15,7 Prozent, während es bei Mercedes einen Rückgang um 14,1 Prozent gab.

Dies liegt aber nicht zuletzt daran, dass bei Mercedes die Plugin-Hybride eine vergleichsweise große Rolle spielen. Nimmt man E- und Hybridantriebe zusammen, ist der Abstand geringer – allerdings liegt BMW auch dann noch mit 26 zu 19 Prozent vorn.

Ertragskraft

Der Gewinn nach Steuern ist bei BMW um 29 Prozent gesunken, bei Mercedes um 56 Prozent. Auch beim Fahrzeugabsatz gibt es deutliche Unterschiede – BMW hielt ihn mit einem Minus von 0,5 Prozent fast stabil, bei Mercedes gab es einen Rückgang um 6,2 Prozent. Bei der Rendite dagegen liegen beide Unternehmen mit 6,2 Prozent gleichauf. BMW wurde möglicherweise durch seine hohe US-Produktion weniger von den Zöllen getroffen als Mercedes; andererseits hat das Unternehmen einen höheren Anteil von E-Autos und von Fahrzeugen unterhalb des Luxussegments, deren Gewinnspanne in der Regel geringer ist.

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