Die kabellose Ladestation ist aus einer Kooperation von Mahle mit der Uni Stuttgart entstanden. Foto: Mahle/CF
Das schleppende E-Auto-Geschäft setzt auch die Zulieferer permanent unter Druck. Die Stuttgarter Professorin Nejila Parspour bietet der Branche Unterstützung an und wirbt für die Zusammenarbeit von Unternehmen und Universität.
Bekannt und regelmäßig benannt sind die Hindernisse, die der deutschen Automobilindustrie im Weg stehen zu einem profitableren Geschäft mit Elektrofahrzeugen. Da wären die hohen Energiekosten oder das staatlich subventionierte und dadurch preisgünstigere Angebot der chinesischen Konkurrenz. Dazu eine immer noch lückenhafte Ladeinfrastruktur, die hierzulande bremsende Wirkung auf den Verkauf ausübt. Alles Wettbewerbsnachteile, auf die deutsche Hersteller wenig Einfluss haben – und die mit ihnen eng verbundenen Bauteilehersteller gar keinen. Trotzdem kam beim 26. Zulieferertag im Esslinger Neckarforum keine Untergangsstimmung auf.
Branchentreff im Zeichen der Transformation
Das hatte mit den Teilnehmern des ganz im Zeichen der Transformation stehenden Branchentreffs zu tun und den sich dort präsentierenden Betrieben. Alles Vertreter, die ihre Zukunftsfähigkeit mit der Elektromobilität verbinden, der eine mit mehr, der andere mit weniger Begeisterung, was in diesem Fall vielfach mit der fehlenden politischen Unterstützung zu tun hat. Und genau an diesem Punkt setzte der Vortrag der Stuttgarter Uniprofessorin Nejila Parspour an.
Die Direktorin des Instituts für Elektrische Energiewandlung, qua Amtes eine der E-Mobilität aufgeschlossen gegenüberstehende Expertin, stellte nicht nüchterne wissenschaftliche Erkenntnisse in den Mittelpunkt, sondern gab der Zulieferbranche Tipps mit auf den Weg. Einer davon lautet: „Man darf sich nicht hinter den besseren Rahmenbedingungen anderswo verstecken.“ Nejila Parspour betonte die hervorragenden Ingenieure, die es nach wie vor in Deutschland gebe. Und auch das Ansehen ihrer Produkte. Diese Erfahrung mache sie immer wieder, gerade in China. Zuletzt beim Besuch eines Planetariums, als der Führer bei der Vorführung eines Teleskops ehrfurchtsvoll dessen Leistungsfähigkeit mit dem Hinweis „Made in Germany“ herausstellen wollte.
Nejila Parspour Foto: Cf/Archiv
Die Betonung der leidenschaftlich vortragenden Nejila Parspour lag in diesem Zusammenhang auf der Innovationskraft deutscher Unternehmen, die aber nicht immer richtig eingesetzt werde. „Innovation bedeutet nicht nur die Entwicklung neuer Produkte, sondern auch die Verbesserung bestehender, gerade was ihre Wertigkeit und Haltbarkeit betrifft.“ Dies gerate zurzeit etwas in den Hintergrund, so die Wahrnehmung der Wissenschaftlerin mit iranischen und aserbaidschanischen Wurzeln, die bereits 2003 als Siegerin aus dem Innovationswettbewerb „Kabellose Energieübertragungssysteme in Robotern“ hervorgegangen war.
Dieses Thema griff der Zulieferer Mahle später auf und entwickelte in Zusammenarbeit mit der Universität Stuttgart ein induktives System, das den Stuttgarter Konzern zum Marktführer beim kabellosen Laden von E-Autos gemacht hat. Eine Kooperation, so die Überzeugung von Nejila Parspour, von der sowohl Wirtschaft als auch Wissenschaft profitierten und viel häufiger zustande kommen sollte. „Wir haben immer ein offenes Ohr für entsprechende Anfragen und nehmen uns neben unserer eigentlichen Arbeit auch die Zeit dafür“, lautet das Hilfsangebot an die Zulieferer.
Forschungsarbeit in Deutschland zu wenig beachtet
Eine weitere Erkenntnis, zu der Nejila Parspour gekommen ist: Gerade japanische und amerikanische Unternehmen schenkten der Forschungsarbeit an Universitäten mehr Beachtung, was sich entsprechend in der Produktentwicklung niederschlage. Dort gebe es eigens Mitarbeiter, die sich wissenschaftliche Veröffentlichungen aus Deutschland genau anschauten. So wäre das Patent für die unter ihrer Leitung entwickelte „Induktive elektrisch-erregte Synchronmaschine“ (iEESM) fast im Ausland gelandet, bis es sich in letzter Minute doch ein deutsches Unternehmen sicherte. Ganz im Sinne der Erfinderin.