Autoschilder im Kreis Böblingen Warum Sindelfingen und Herrenberg eigene Kennzeichen erhalten könnten

So könnten die neuen Kennzeichen im Kreis Böblingen aussehen: SFI für Sindelfingen, HBG für Herrenberg. Foto: Bochert/StZN

320 Städte könnten ihr eigenes Kfz-Kennzeichen bekommen. Zwei davon liegen im Kreis Böblingen: Sindelfingen und Herrenberg. Was die Oberbürgermeister, das Landratsamt und Autofahrer zu dem Projekt von Professor Ralf Bochert sagen.

Auto-Team: Rouven Spindler (rsp)

BB steht für Böblingen – und doch müssen auch Sindelfinger, Herrenberger und sonstige Kreisbewohner selbstverständlich mit dem BB-Schild umherfahren. Nicht allen gefällt das. Die Leonberger sind da einen Schritt weiter, wurde ihnen doch vor einigen Jahren das alte LEO-Kennzeichen – bei individuellem Wunsch und Antrag – wieder zugestanden.

 

Doch auch Sindelfinger und Herrenberger könnten bald ein eigenes Kfz-Kennzeichen vor sich herfahren – das es im Gegensatz zu LEO noch nie gegeben hat. Wer das doppelte B im Blechschild nicht mehr sehen will, kann das womöglich künftig in die Tonne treten. Wie das?

Das sagt der Professor

Ralf Bochert ist Professor an der Hochschule Heilbronn und hat ein Ziel: 320 Mittelstädte, die zwischen 20 000 und 100 000 Einwohner zählen, sollen eigene Schilder-Kennungen erhalten – und somit gestärkt werden. Denn: „Städte mit eigenem Kennzeichen sind bevorteilt, werden als relevanter wahrgenommen“, schreibt Bochert in seiner Projektskizze, die auch Abkürzungsvorschläge und die Rechtslage enthält.

Der Professor hat bereits 2010 die Rückkehr zu den Altkennzeichen, darunter LEO, angestoßen. Er ist auch nun der Initiator. „Es ist ein kleines, aber nettes Thema. Natürlich haben die Kommunen größere Sorgen“, weiß Ralf Bochert, „aber hier geht es ausnahmsweise mal ums Herz, um Identifikation und Heimat, ohne dass Kosten entstehen.“

Es gebe in der Bevölkerung einen großen Wunsch nach mehr lokaler Verortung über die Ortskennung auf den Nummernschildern. „Das hat die Wiedereinführung der Altkennzeichen eindrucksvoll gezeigt“, erläutert der 63-Jährige, „diesem Wunsch kann die Politik unbürokratisch und ohne jeden Mehraufwand entsprechen.“

Das sagen die Oberbürgermeister

Bernd Vöhringer, Sindelfingens Oberbürgermeister, befürwortet die Liberalisierung: „Ein eigenes Kfz-Kennzeichen wäre ein schönes Aushängeschild für unsere Stadt“, teilt der langjährige Amtsinhaber auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Bernd Vöhringer, seit 2001 Sindelfingens OB, freut sich über das Projekt „Kennzeichenliberalisierung Teil II“. (Archivfoto) Foto: Stefanie Schlecht

Neben der stärkeren Wahrnehmung und der Symbolik sieht Bernd Vöhringer die Möglichkeit, dass sich die Bürger noch stärker mit der Stadt identifizieren – auch wenn das natürlich anderweitig, etwa durch Veranstaltungen, bereits entscheidend gefördert werde. „Aber sicherlich wäre ein eigenes Kennzeichen eine nette Ergänzung“, meint Bernd Vöhringer.

Herrenbergs OB Nico Reith posiert sogar schon mit dem potenziellen Kennzeichen, das extra angefertigt wurde. Auch er begrüßt den Vorschlag von Ralf Bochert – und ist sich sicher: „Dies trägt zur Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Heimatstadt oder ihrem Wohnort bei und ist auch eine gute Möglichkeit im Sinne des Stadtmarketings.“

Er kann sich HBG gut vorstellen: Herrenbergs Oberbürgermeister Nico Reith, seit diesem Jahr im Amt, steht hinter dem Projekt. Foto: Stadtverwaltung Herrenberg

Mit der gängigen HBG-Abkürzung könnte sich die Gäustadt anfreunden. Sindelfingens Oberbürgermeister Bernd Vöhringer nennt das Kürzel SFI „eine Option, es sind aber noch Alternativen zu prüfen”. SIF wird wohl kaum eine davon sein.

Das sagt die Behörde

Würde womöglich ein Haufen Arbeit auf die Zulassungsstellen zukommen, wenn sich zahlreiche Lokalpatrioten ein neues Blechschild abholen könnten? Das Landratsamt sieht die Situation eher gelassen. Dann würde „voraussichtlich kurzfristig ein höherer Aufwand durch Kennzeichenwechsel zu erwarten“ sein, doch „mittelfristig würde sich der Aufwand nicht erhöhen“, schreibt die Pressestelle auf Anfrage. Daher blicke die Zulassungsstelle im Landratsamt neutral auf das Projekt.

Das sagen Autofahrer

Hört man sich unter Autofahrerinnen und Autofahrern um, eint mehrere Befragte eines: Sie haben Ralf Bocherts Vorstoß bislang nicht gekannt. Die Meinungen gehen auseinander. Claus Hofbaur aus Nebringen würde zu HBG wechseln, denn: „Wenn das Herrenberg-Kennzeichen noch neu ist, gibt es natürlich auch neue Kombinationen, die gerade nicht möglich sind.“

Güven Kilickaya stimmt zu. Für den Autohändler ist vor allem wichtig, dass jeder selbst entscheiden kann. „Ich würde BB behalten. Ich glaube, mein Kennzeichen habe ich seit mehr als 20 Jahren. Emotional hängt da etwas dran“, sagt der Sindelfinger.

Ein Böblinger meint etwas verdutzt: „Mir ist es vollkommen egal. Das macht ja keinen Unterschied. Man braucht meiner Meinung nach kein extra Kennzeichen, um sich zu identifizieren.“ Seine Frau Sarah ist „dagegen, weil es mir immer wichtig ist, dass ich etwa einordnen kann, wo jemand herkommt. Wenn jede Kleinstadt ein eigenes Kennzeichen hat, dann verliert man den Überblick.“ Jonas Robert würde sich für SFI entscheiden, „wenn es das geben würde. Aber es ist mir nicht wichtig“, sagt der Sindelfinger, der kritisch auf den bürokratischen Mehraufwand blickt. Dieser würde sich laut Ralf Bochert jedoch in Grenzen halten.

Die Rechtslage zur „Kennzeichenliberalisierung Teil II“

Variante 1
Laut Initiator Ralf Bochert gibt es zwei Möglichkeiten, wie die neuen Kennzeichen Wirklichkeit werden könnten. Die unwahrscheinlichere Variante trete ein, wenn das Bundesverkehrsministerium dafür ist, dass es weitere Kennungen geben sollte – etwa, weil viele Wunschkombinationen mit den derzeitigen Kennzeichen nicht mehr möglich sind. Den Antrag eines Landes müsste der Bund genehmigen.

Variante 2
Wahrscheinlicher sei eine Änderung – und wohl eine Beschränkung – in der Fahrzeugzulassungs-Verordnung (FZV). Der Antrag müsste von einem der Länder kommen, danach müsste der Bundesrat diesem zustimmen.

Interesse
Die Landkreise können einen Antrag beim Land stellen. Um kommunal überhaupt das Interesse daran zu verdeutlichen, seien zuvor – im Falle einer nötigen FZV-Änderung – Gemeinde- oder Stadtratsbeschlüsse hilfreich.

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