Bad Cannstatt Buddenbrooks in Bad Cannstatt

Die Tafel für „Tonys“ einstiges Wohnhaus in der Kreuznacher Straße 2. Foto: Pro Alt-Cannstatt

Große Weltliteratur ist auch in Bad Cannstatt zu finden. So wohnte die Patentante von Thomas Mann hier. Sie diente als Vorbild für die Figur der Tony in den „Buddenbrooks“.

Lokales: Iris Frey (if)

In Bad Cannstatt hat nicht nur der Kepler-Gymnasiast Gerhard Ertl als Nobelpreisträger im Jahr 2007 Spuren hinterlassen. Auch der Lübecker Autor Thomas Mann, unweit des Gymnasiums, im Nobelviertel „Pensionopolis“. Er erhielt 1929 den Nobelpreis für sein Buch „Die Buddenbrooks“. Dessen berühmte Romanfigur Tony Buddenbrook wohnte als Original und Vorbild für die Figur in Form von Maria Elisabeth Amalia Haag (geborene Mann) von 1870 bis 1881 in der Kreuznacher Straße 2.

 

Herausgefunden hat dies der Lübecker Thomas-Mann-Kenner Karsten Blöcker und dies in Bad Cannstatt im Jahr 2002 auch mit einem Vortrag in der Stadtteilbibliothek und einer Veröffentlichung „Tony Buddenbrook, Spuren 58“ gewürdigt. Im Cannstatter Frauenbuch, das der Verein Pro Alt-Cannstatt 2021 herausbrachte, beleuchtete Helga Müller als Autorin das Schicksal der Tony. Als einstige Deutschlehrerin war sie fasziniert von Thomas Mann und hat sich mit dem Leben der Frau befasst. Ihr hat gefallen, dass Mann die Tony nach der Tante „fast haargenau“ gestaltet hat. Sie sei im Roman nicht besonders positiv dargestellt worden, etwas naiv, aus gutem Hause, eine, die an die falschen Männer geraten ist. Doch das Original habe es weg gesteckt, mit Humor und ohne seelischen Tiefgang. Sie war die Patentante von Thomas Mann, hat die Veröffentlichung der Buddenbrooks akzeptiert und sich auch als „Tante Tony“ bezeichnen lassen, obwohl sie nicht so positiv beschrieben worden sei.

Elisabeth Mann erlebte in Cannstatt ihre Scheidung von Gustav Haag. Hier kämpfte sie um ihren seelisch kranken Bruder, den sie schließlich zum „Modearzt“ Pfarrer Blumhardt nach Bad Boll schickte. Im Roman ist es der Münchner Hopfenhändler Alois Permaneder, der Tony mit der Köchin Babette betrügt. Nach der Scheidung zieht Elisabeth Mann von Bad Cannstatt nach Dresden. Auch hier finden noch weitere Schicksalsschläge Niederschlag im Roman, etwa der Freitod ihres Sohnes Henry und die Scheidung ihrer Tochter Alice, die einem Versicherungsbetrüger aufgesessen war. Der Verein Pro Alt-Cannstatt möchte plant nun, mit einer historischen Tafel in der Kreuznacher Straße 2 an „Tante Tony“ zu erinnern.

Thomas Manns Bruder Viktor soll die „Tante Tony“ so beschrieben haben: „Sie strahlte Würde, Fröhlichkeit und Güte aus, war in ihrem starren Seidenkleid immer Mittelpunkt einer lachenden Gruppe und sprach mit der Stimme, in der mir eine kleine Trompete mitzuklingen schien, besonders, wenn sich die Tante als eine ‚vom Leben gestählte Frau‘ bezeichnete.“

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