Badeparadies Schwarzwald „Eher frustrierend als erholsam“ – Stuttgarter Familienvater kritisiert Spaßbad

Im Schwarzwald kann man unter Palmen baden: Das Badeparadies zählt mehrere hunderttausend Besucher jährlich. Foto: ©Badeparadies Schwarzwald

Ärger im Bade-Paradies: Ein Stuttgarter Familienvater kritisiert das Badeparadies Schwarzwald wegen intransparenter Preise. Wie gängig sind „dynamische“ Preismodelle?

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Das Badeparadies Schwarzwald in Titisee-Neustadt gehört zu den größeren und beliebteren Erlebnisbädern im Land. Das Bad vereint Wellness, Entspannung und Spaß, 23 Rutschen gehören zum „Galaxy“. Unter einer riesigen Glaskuppel kann man nebenan unter Palmen entspannen – Cocktails trinken kann man in einer ins Becken eingelassenen Bar. Das große Angebot für Kinder lockt Familien, die von weiter weg anreisen. Auch Familie Heinle hatte sich Anfang Februar mit den zwei Kindern von Stuttgart in den Schwarzwald aufgemacht.

 

„Leider war der Tag für uns am Ende eher frustrierend als erholsam“, sagt Vater Markus Heinle. Die schlechten Erfahrungen, mit denen er das Bad anschließend auch konfrontierte, haben zwei Gründe: zum einen seien die Eintrittspreise undurchsichtig. Die Heinles schauten vorab auf der Internetseite, was der Spaß wohl kosten wird. An der Kasse im Bad zahlten sie dann 24 Euro mehr als gedacht.

Ärger über Infos zur Altersbegrenzung

Das zweite Ärgernis: das Badeerlebnis fiel für die beiden Kinder höchst unterschiedlich aus. Während der siebenjährige Sohn rutschte was das Zeug hielt und voll auf seine Kosten kam, durfte die zwei Jahre jüngere Schwester meist nur zuschauen. „Auf der Homepage steht groß ‚Altersbegrenzung: Keine’. Das hat uns gelockt“, sagt der Vater. Bei der Tochter sei die Enttäuschung entsprechend groß gewesen, zumal man für beide Kinder denselben Eintrittspreis gezahlt habe.

Das Badeparadies Schwarzwald verweist auf Nachfrage darauf, dass die Ticketpreise „je nach Besuchstag, Nachfrage und Buchungszeitpunkt“ variieren. Das Bad arbeitet mit einem sogenannten dynamischen Preissystem, online können Besucher „zum Bestpreis“ buchen. Das soll dem Kunden zugute kommen: „Unser Ziel ist es, allen Gästen die Möglichkeit zu geben, den passenden Tarif zu finden. So bleiben auch beliebte Besuchszeiten ausgewogen für einen entspannten Aufenthalt.“

Gegenüber dem Familienvater aus Stuttgart hatte das Bad unter anderem auf die Preisgestaltung von Fluggesellschaften verwiesen, die bei höherer Nachfrage höhere Preise verlangen. Heinle nennt das „absurd“. „Bei einer Airline zahle ich am Gate nicht plötzlich 20 Prozent mehr als den Preis, der mir während der Buchung online als Endpreis angezeigt wurde“, sagt er. Bei einer Anfahrt von rund 160 Kilometern Karten für einen bestimmten Zeitslot zu kaufen, ist aus seiner Sicht schwierig.

„Dynamische Preise“ gibt es auch in anderen Erlebnisbädern

Was die Rutschennutzung angeht, verweist das Bad auf „alters- oder größenspezifische Vorgaben, die in Zusammenarbeit mit dem TÜV festgelegt wurden“. Auf der Internetseite gebe es einen Altersrechner, mit dem sich Gäste vorab informieren können, welche Attraktionen ab welchem Alter freigegeben sind. Heinle ist der Meinung, die Infos seien kaum zu finden. „Man hat als Gast das Gefühl, dass die Webseite darauf optimiert ist, den Kaufabschluss zu erzielen, während die einschränkenden Informationen zu den Preisen an der Tageskasse und der Rutschennutzung tief in Untermenüs versteckt werden“, sagt er.

23 Rutschen gibt es im „Galaxy“: Dem spaßigen Teil des Badeparadies Schwarzwald Foto: ©Badeparadies Schwarzwald

Dass Preise variieren, abhängig davon, ob man die Tickets online oder an der Tageskasse kauft, ist in anderen großen Bädern im Südwesten eher die Ausnahme. Die Badewelt Sinsheim gehört zur selben Unternehmensgruppe wie das Bad in Titisee-Neustadt – und beantwortet die Frage, danach, warum man zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich viel für den Eintritt zahlt mit exakt demselben Wortlaut wie das Schwesternbad im Schwarzwald.

Auch in Rulantica, dem Spaßbad, das zum Europapark gehört, gibt es entsprechende Abstufungen. Dort zahlt man beispielsweise zu Ferienzeiten etwas mehr. Man versuche so „den Besucherandrang über das Jahr hinweg besser zu verteilen“, sagt ein Europapark-Sprecher auf Nachfrage. An der Tageskasse sind in Rulantica die Preisaufschläge genauso hoch wie in Badeparadies Schwarzwald (6 Euro pro Person). So könne das Bad auch Kapazitäten und Personaleinsatz besser planen, heißt es. Der Aufschlag im Bad in Rust kommt auch nicht überall gut an. „Das ist vielleicht legal, aber trotzdem unverschämt“, sagt ein Familienvater aus der Region Stuttgart, der nicht namentlich genannt werden möchte.

„Setzen bewusst auf transparente und nachvollziehbare Tarifstrukturen“

In anderen Bädern, die teils etwas kleiner sind als Rulantica oder das Badeparadies Schwarzwald, gibt es zwar unterschiedliche Preise für unterschiedliche Tage, aber keine Vergünstigung beim Online-Kauf. Etwa im F3 in Fellbach oder im badkap in Albstadt, im Europabad in Karlsruhe oder im Fildorado in Filderstadt. „Wir setzen bewusst auf transparente und für alle Gäste nachvollziehbare Tarifstrukturen. Ein einfaches, klar kommuniziertes Preismodell sorgt für Planungssicherheit und Fairness“, sagt Luisa Schnepf von der Karlsruher Bädergesellschaft.

Auch Felix Schneider, Geschäftsführer des Fildorado, argumentiert so. Sich ändernde Preise „können bei Gästen zu Verunsicherung und dem Eindruck mangelnder Preistransparenz führen“, sagt er. „Gleichzeitig erkennen wir an, dass dynamische Preismodelle in anderen Branchen zur Steuerung von Besucherströmen beitragen können.“ Das an stark nachgefragten Tagen im Bad etwas mehr verlangt wird, hält Schneider übrigens für gerechtfertigt. Nicht unbedingt wegen einer „kurzfristigen Auslastungssteuerung“, sondern wegen des „erhöhten Resssourcenbedarfs“. Dazu zählten neben Personal- auch Betriebs- und Energiekosten.

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