Bäche im Kreis Esslingen So wird der Familienausflug zur Forschungsexpedition
Libellenlarven, Bachflohkrebse, Wasserschnecken: Es gibt viel zu entdecken in den Bächen im Kreis Esslingen. Wo man am besten forscht – und was es dabei zu beachten gilt.
Libellenlarven, Bachflohkrebse, Wasserschnecken: Es gibt viel zu entdecken in den Bächen im Kreis Esslingen. Wo man am besten forscht – und was es dabei zu beachten gilt.
Die Wälder im Landkreis Esslingen haben weitaus mehr zu bieten als gemütliche Spaziergänge oder Wanderungen. Wer genau hinschaut, entdeckt dort eine faszinierende Welt voller Leben, insbesondere in den Bächen. Schnell wird der Ausflug zu einer kleinen Forschungsexpedition. Libellenlarven, Bachflohkrebse, Wasserschnecken und andere Bewohner zeigen, wie lebendig und vielfältig die heimischen Gewässer sind. Mit einfacher Ausrüstung und ein wenig Neugier können Kinder und ihre Eltern oder Großeltern zu Naturforschern werden. Nebenbei lernen sie, wie wichtig der Schutz dieser besonderen Lebensräume ist.
Ausgerüstet mit Becherlupen, Pinzetten, Eimern und Sieben machen sich die siebenjährige Lea und der gleichaltrige Noah auf den Weg zum Lützelbach am Rande von Reichenbach an der Fils. Hilfreich sind auch Bestimmungskarten oder -bücher, um die Tiere zu identifizieren. Gummistiefel oder Wasserschuhe sorgen dafür, dass man gefahrlos in den Bach gehen kann.
Tatkräftig unterstützt von der Biologin und Umweltpädagogin Brigitte Beier sind Lea und Noah auf der Suche nach Tieren im und am Bach. Zuerst füllen sie frisches Bachwasser in einen Eimer, in dem sie ihre tierischen Entdeckungen beobachten wollen, wie Beier es ihnen geraten hat. Gemeinsam drehen sie Steine um und halten ihre als Kescher verwendeten Küchensiebe ins fließende Nass. Gute Stellen sind auch Wurzeln oder Laubknäuel im Wasser. „Tiere in Fließgewässern müssen sich festhalten“ erklärt Beier. Bald werden sie fündig. Um nicht abzudriften, haben sich einige Köcherfliegenlarven unter einem flachen Stein gesichert. Ihre Körper sind zum Schutz und zur Tarnung vor Fressfeinden mit einem Köcher umhüllt, der aus Sandkörnern und manchmal auch Zweigstücken besteht.
Unter der Lupe sind auf einer Seite des Köchers die kleinen Köpfe und Füße zu erkennen. Optisch weniger spektakulär sind auf den ersten Blick die Bachflohkrebse, die hier häufig vorkommen. Vergrößert betrachtet, lassen sich ihre sieben Beinpaare besser studieren. Gruselig finden die Kinder dagegen die Larven der Eintagsfliegen oder der Libellen mit ihren langen Körpern und großen Augen. Außerdem entdecken sie winzige Schnecken, Planarien (Strudelwürmer), Steinfliegenlarven und Wasserläufer. Sogar ein Bodenfisch, eine Groppe, ist dabei. Sie stellt hohe Ansprüche an die Wasserqualität und ist daher ein Zeichen für sauberes Wasser mit viel Sauerstoff.
Im Landkreis Esslingen eignen sich laut Landratsamt neben dem Lützelbach in Reichenbach einige Bäche und Flüsse als Lernorte. Dazu zählen unter anderem Aich in Grötzingen, Sulzbach in Denkendorf, Hainbach in Esslingen, Sulzbach in Bernhausen und Sielmingen, Tobelbach in Hochdorf, Lauter und Lindach in Kirchheim unter Teck, Reichenbach in Musberg, Tiefenbach in Nürtingen, Körsch in Ostfildern, Zipfelbach in Hepsisau und viele weitere. Lernorte in Naturschutzgebieten oder Naturdenkmalen sind ausgeschlossen.
Wichtig für den Naturschutz ist es, die Tiere vorsichtig zu behandeln und bald zurückzusetzen, damit sie nicht unnötig gestresst werden. Keinesfalls darf man Tiere in andere Gewässer umsiedeln, da dies das Gleichgewicht stören kann. Nach der kleinen Bachexkursion sollte vor dem Wechsel in ein anderes Gewässer die Ausrüstung, vor allem Kescher und Stiefel, gründlich gereinigt und getrocknet werden. Auch wenn die Krebspest derzeit kein aktuelles Thema im Landkreis Esslingen ist, kann so die Gefahr einer Verbreitung unterschiedlicher Krankheiten verringert werden. In den letzten Jahren war die Krebspest an verschiedenen Orten im Kreis ausgebrochen, wie im Trinkbach in Jesingen oder im Seebach in Holzmaden. Auch im Hundefell können sich die Sporen der Krebspest festsetzen und so zur Gefahr für heimische Krebsarten werden.