Bahnfiasko im Kreis Böblingen Endlich kommen die Schönbuch-Züge

Bahn frei für die neuen Züge der Schönbuchbahn. Vier Jahre hat das Genehmigungsverfahren gedauert. Foto: Stefanie Schlecht

Die neuen Züge der Schönbuchbahn gehen Ende Juli in Dienst. Der Landkreis Böblingen und der spanische Hersteller CAF haben sich geeinigt. Das Einweihungsfest ist schon geplant.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Drei harte Verhandlungsrunden hat es noch gebraucht, bis sich der spanische Eisenbahnhersteller CAF und der Landkreis Böblingen einigten: Am 26. Juli voraussichtlich um 11 Uhr werden die neuen Züge der Schönbuchbahn eingeweiht.

 

Vorausgegangen war eine vierjährige Genehmigungsodyssee mit Schuldzuweisungen der Landes- und der Bundes-Eisenbahnbehörden und dem Hersteller CAF, sowie dem Landratsamt Böblingen dazwischen.

Die Verzögerung kostet den Kreis sieben Millionen Euro

Dieser letzte Verhandlungsmarathon, den der Landrat Roland Bernhard und der Schönbuchbahn-Geschäftsführer Walter Gerstner gemeinsam führten, war nicht ohne. Durch die vierjährige Verzögerung war dem Landkreis ein Schaden von rund sieben Millionen Euro entstanden.

Das Cockpit der neuen Triebwagen. Foto: Stefanie Schlecht

Weil die neuen Züge nicht kamen, mussten die alten repariert werden, mussten Züge gemietet werden und es gab es etliche Zugausfälle und Verspätungen. Die Leidtragenden, außer den Steuerzahlern, gab es ja auch noch: Die Passagiere, die sich an die Behörden wie an die Öffentlichkeit gleichermaßen wandten mit Reiseerlebnissen, die teils so absurd waren, dass man sie mit einem Satz zusammenfassen konnte: „Mit dem Fahrrad wären die Passagiere schneller gewesen.“

Diese sieben Millionen Euro Schaden forderte der Kreis nun von der CAF ein. Er stand auf dem Standpunkt: Wir haben die Fahrzeuge mitsamt der Betriebsgenehmigung gekauft. Die CAF stand auf dem Standpunkt: Wir können nichts dafür, wenn die deutschen Behörden die Fahrzeuge nicht genehmigen. In der Tat war das Verfahren eher kurios zu nennen: Die erste Genehmigung wurde gestoppt, weil die Bremsen zu gut waren, also wurde geändert. Dann waren den Ämtern die Bremsen plötzlich zu lasch und die CAF sollte wiederum nachbessern.

Kein Geld, keine Fahrzeuge

Zu diesem Zeitpunkt war das Verfahren nicklig geworden. Der Landkreis wollte die letzte Rate für die gekauften Züge nicht vollständig überweisen und von den 18 Millionen Euro den entstandenen Schaden von sieben Millionen abziehen. Der CAF konterte: Wenn wir das Geld nicht bekommen, dann liefern wir die Fahrzeuge nicht aus. Diese Fahrzeuge hätte der Kreis aber jetzt schon gebraucht, um die Lokführer auszubilden. Hätte diese Ausbildung nicht stattfinden können, hätte die Einweihung der neuen Schönbuchzüge bis zum St. Nimmerleinstag warten müssen.

Nach den Verhandlungen, die auf Deutsch, Englisch und Spanisch geführt wurden, einigte man sich auf folgende Punkte: Die Schadenssumme wird nicht auf sieben Millionen Euro sondern auf fünf Millionen Euro beziffert. Sie wird auch nicht in Geld überwiesen, sondern gewissermaßen in Dienstleistungen. Die CAF wird für 19 Jahre einen Wartungsvertrag erhalten und gewährt darauf einen Rabatt für fünf Millionen Euro.

Das Einweihungsfest soll zwei Tage dauern

Des Weiteren verzichten die beiden Vertragspartner auf rechtliche Schritte, und es gibt keine Nachforderungen. Der Zweckverband Schönbuchbahn, der sich für diesen Beschluss am Montagvormittag im Landratsamt getroffen hatte, votierte einstimmig und räumte damit das letzte Hindernis aus. Das Einweihungsfest wird nach den Plänen des Landkreises zwei Tage dauern, nach dem offiziellen Festakt am 26. Juli, gibt es Freifahrten für die Öffentlichkeit am 27. Juli.

Jetzt beginnt der Kampf um Zuschüsse

Weil die Schönbuchbahn von Böblingen nach Dettenhausen fährt, also bis in den Landkreis Tübingen hinein, war auch der Tübinger Landrat Joachim Walter in der Sitzung, auch um mit seinem Amtskollegen Roland Bernhard den Schulterschluss zu üben. Es sei in den Verhandlungen ein gutes Miteinander gewesen, vor allem, weil es ja noch eine zweite Bahn von Tübingen in den Kreis Böblingen gibt, die Ammertalbahn, bei der die beiden Kreise sich gegenseitig Tipps gegeben und Hilfen angeboten hätten.

Und hier wir dort sei das gleiche passiert: „Die Deutsche Bahn fährt die Verspätungen ein, und wir Landräte müssen dafür den Kopf hinhalten“, sagte Joachim Walter. Noch ein Zweites stellte er fest: „Wir spüren, dass Bahnprojekte den Landkreisen nicht gerade auf den Leib geschneidert seien.“

Nachdem nun die Verhandlungen Richtung Spanien ein gute Ende genommen haben, soll die nächste Verhandlungsrunde Richtung Stuttgart gehen. Darin werden die Landkreise vom Land Baden-Württemberg ausreichend Zuschüsse für ihre Bahnen fordern.

Holpriger Start für die CAF

CAF
Die Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles (CAF) ist ein spanischer Hersteller von Schienenfahrzeugen mit Sitz in Beasain im Baskenland. Die CAF ist international tätig und macht einen Umsatz von rund 4,2 Milliarden Euro.

Genehmigung
Nach vierjährigem Hickhack hatten die Triebwagen der CAF am 18. März von der Landeseisenbahnaufsicht (LEA) Baden-Württemberg beim Eisenbahn-Bundesamt Außenstelle Stuttgart/Karlsruhe die Betriebserlaubnis erhalten.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Einweihung Böblingen Landrat Landkreis