Ein IC2 der Deutschen Bahn ist auf der Gäubahn Richtung Stuttgart unterwegs. Foto: Deutsche Bahn AG
Die neuen Intercity 2-Züge, die auf der Gäubahn unterwegs sind, führen zu Verspätungen und Ausfällen. Auch in der Schweizer Politik ist man hellhörig geworden.
Die Gäubahn, die Bahnstrecke zwischen Stuttgart und dem Schwarzwald, dem Bodensee und der Schweiz, bleibt ein Sorgenkind der Deutschen Bahn (DB). Seit dem sogenannten kleinen Fahrplanwechsel am 15. Juni sind neue Intercity-Züge vom Typ IC2 auf der Strecke unterwegs, die nach Beobachtung von Bahninteressierten deutliche Schwächen bei der Zuverlässigkeit zeigen. Die DB hält den Zeitraum seit dem Fahrplanwechsel für zu kurz, um belastbare Zahlen zu liefern.
Wechsel der Züge auf der Gäubahn
Bis Mitte Juni setzte die Bahn Doppelstockzüge der Marke Kiss des Schweizer Herstellers Stadler auf der Strecke ein. Von der verhältnismäßig kleinen Flotte trennte sich der Schienenkonzern und veräußerte die Züge an die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Seitdem fahren zwischen Stuttgart, Singen und Zürich Doppelstock-Intercity-Wagen, die von einer Lok gezogen werden. „Seit dem kleinen Fahrplanwechsel werden alle Intercity-Umläufe auf der Gäubahn mit Intercity 2 des Herstellers Alstom gefahren“, sagt ein Bahnsprecher.
In Fachforen im Internet beobachten Bahnenthusiasten den Neustart auf der Strecke mit Argusaugen. So notiert ein Nutzer für den dritten Dienstag im Juni, dass von den nordwärts fahrenden IC2 drei wegen eines Defekts ausfielen, zehn weitere kamen mit Verspätungen zwischen 9 und 41 Minuten in Stuttgart an. Auch in der Gegenrichtung sah es wenig besser aus, was dazu führte, dass die meisten Anschlüsse im sorgsam austarierten schweizerischen Fahrplankonstrukt in Zürich perdu waren. Auf rund 18 Minuten habe sich an diesem Tag die Verspätung im Durchschnitt an den jeweiligen Endpunkten der Linie summiert, fasst der Forennutzer seine Beobachtung zusammen.
Politische Reaktionen auf Verspätungen der Gäubahn-Züge
Die Unzuverlässigkeit der Fernverkehrszüge auf der Gäubahn stellt nicht nur Bahnreisende vor Herausforderungen. Längst ist das Thema auch in der Schweizer Politik angekommen. Bereits Anfang Mai – und damit noch vor dem Einsatz der neuen Züge – hatte sich der Nationalrat Thomas Hurter zu Wort gemeldet. Der SVP-Politiker kommt aus Schaffhausen, das auch Zwischenstopp der Gäubahnzüge ist. Mit Blick auf die Züge, stellt Hurter fest, „dass die Bahnverbindung aus Deutschland oft verspätet ist und damit die Anschlüsse in Zürich nicht garantiert werden können. Verschiedene Bemühungen haben wenig Erfolg gebracht“.
Die bisher eingesetzten Züge hat die DB nach Österreich verkauft. Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Hurter vergleicht die Situation mit der in Basel, wo aus Deutschland kommende Züge ebenfalls regelmäßig große Verspätung haben. Damit darunter auch nicht noch in der Schweiz fahrende Passagiere leiden, setzten dort die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) Ersatzzüge ein. „Diese Forderung habe ich auch für Schaffhausen gestellt und wurde dabei sogar von der Schaffhauser Regierung unterstützt. Leider scheint die SBB kein Gehör für unsere Region zu haben“, sagt Hurter. Er will wissen, warum die SBB nicht bereit sei, „für Schaffhausen eine ähnliche Lösung wie in Basel zu finden?“. Zudem fragt Hurter, ob die Schweizer Bahnen das Gespräch mit Deutschland und der DB suchen werden, „wie eine Verbesserung auf dieser Strecke erreicht werden kann.“
DB äußert sich zurückhaltend zu Verspätungen auf der Gäubahn
Losgelöst von diesem politischen Vorstoß mag die DB auf Anfrage die neue Situation auf der Gäubahn noch nicht bewerten. Ein DB-Sprecher bittet um Verständnis, „dass wir zur Entwicklung der Pünktlichkeit und Ausfallquote aufgrund des sehr kurzen Zeitraums seit dem kleinen Fahrplanwechsel noch keine konkreten Aussagen machen können“. Einzelfälle könnten „die Daten stark verzerren“. Zudem gebe es seit dem 20. Juni abermals Bauarbeiten an der Strecke, „die die Pünktlichkeit belasten“.
Dass mittlerweile Mitarbeiter des Herstellers Alstom in Stuttgart im Einsatz sind, will der Bahnsprecher nicht überbewertet wissen. „Es ist nicht unüblich, dass beim erstmaligen Einsatz von Zügen unter veränderten Voraussetzungen – etwa neue Technik an Bord oder anderes Streckennetz – auch Techniker des Herstellers unterstützend eingesetzt werden“, sagt er. So könne kurzfristig besser auf Störungen reagiert werden. „Das passiert aktuell auch in Stuttgart.“