Banken und Sparkassen in der Kritik Banken wehren sich: Es gibt keine Kreditklemme

Matthias Neth, Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg: „Eine Kreditklemme nehme ich nicht wahr.“ Foto: LICHTGUT

Sparkassen und Banken weisen Vorwürfe aus der Wirtschaft zurück, bei der Finanzierung kleinerer und mittlerer Betriebe zu rigoros vorzugehen. Doch der Verband Südwestmetall legt nach.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Der Vorwurf wiegt schwer – er kommt von etlichen Wirtschaftsvertretern und von der Gewerkschaft: Demnach agieren die Banken unter dem Druck der Krise immer restriktiver im Kreditgeschäft und verschärfen so die Nöte von Unternehmen, die auf Dauer unzureichend finanziert sind.

 

Matthias Neth, Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, widerspricht: „Eine Kreditklemme nehme ich nicht wahr“, sagte er unserer Zeitung. Im Gegenteil: In den ersten drei Quartalen sei das Neufinanzierungsgeschäft der Sparkassen mit Unternehmen und Selbstständigen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund zehn Prozent gewachsen. „Das spricht nicht für eine Kreditklemme.“ Die Betriebe würden mit Augenmaß durch die Krise begleitet.

Die Verhandlungen über Kredite haben sich verändert

Die Finanzierungsgespräche mögen sich verändert haben, nicht jedoch die Unterstützung – so sieht es Oliver Spagen, Bereichsleiter Geschäftskunden bei der BW-Bank. „Unser Ziel ist es, Kunden optimal zu begleiten und Finanzierungen so auszurichten, dass sie die Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells stärken“, sagt er.

In nahezu jeder Branche gebe es Konsolidierung und technologischen Wandel, so Spagen. „Das im Dialog mit der Unternehmensführung zu beleuchten, um die passende Finanzierungsstruktur zu wählen, gehört zur Aufgabe eines verantwortungsvollen Fremdkapitalgebers.“ Frühzeitig werde über Ausrichtung, Geschäftsmodelle und Finanzierungsformen gesprochen. Ziel seien „passgenaue, robuste Finanzierungslösungen“. Persönlich könne er nachvollziehen, sagt Spagen, „wenn das dem einen oder anderen Kunden, der das in der Vergangenheit nicht gewohnt war, intensiv vorkommt, sein Geschäftsmodell immer wieder zu erklären“.

Die IG Metall wirft Banken sogar vor, für eine Anschlussfinanzierung von Belegschaften den Verzicht auf Millionenbeträge zu fordern. „Jedes Unternehmen hat eine individuelle Risikostruktur“, formuliert Spagen. „Unser Anspruch ist es, Risikosituation und Kreditbedingungen in Einklang zu bringen.“

Das heißt: Ging es vor Jahren lediglich darum, die Kreditkonditionen mit den Firmen auszuhandeln, so machen die Banken heute teils strenge Vorgaben, um Kreditausfälle zu begrenzen. Oliver Barta, Hauptgeschäftsführer von Südwestmetall, bestätigt die Finanznöte gerade kleinerer und mittlerer Unternehmen – das Thema sei allgegenwärtig. „Mein Team verhandelt in Baden-Württemberg tagtäglich Ergänzungstarifverträge mit dem Sozialpartner, in denen es darum geht, Beschäftigungsbedingungen zu limitieren – hier sehen wir ganz eindeutig, dass die Unternehmen unterfinanziert sind“. Bei diesen Gesprächen mit der Gewerkschaft würden Unternehmen zur Eile mahnen, „weil die Banken die Anpassung der flächentarifvertraglichen Regelungen zumindest temporär fordern“. Dies sei für die Kreditgeber die Voraussetzung, „damit die Finanzierung weiterhin bestätigt wird“.

„Ohne Kreditklemme hätten wir keine so hohen Insolvenzzahlen“

Barta kennt auch Fälle, in denen Langfristfinanzierungsanfragen von Banken abgelehnt worden seien. Darin stecken erhebliche Risiken: Wenn ein Zulieferer diese Langfristfinanzierung nicht bekomme, könnte ein Automobilhersteller den Auftrag anderweitig vergeben, „weil er über den Produktlebenszyklus hinweg die Sicherheit braucht, dass der Lieferant nicht aufgeben muss“.

Zudem verweist der Hauptgeschäftsführer auf die aktuelle Pleitewelle: „Wenn das keine Kreditklemme ist und wenn das Geld überall auf der Straße läge, würde ich meinen, dass wir keine historisch hohen Insolvenzzahlen hätten.“ Diese seien ein klares Zeichen, „dass den Unternehmen die Luft ausgeht“.

„Nachfolgen und Übernahmen begleiten wir gerne“

Dass der Finanzierungsbedarf wächst, kann Spagen bestätigen: „Auch wir verspüren einen erhöhten Gesprächsbedarf.“ Viele Unternehmen wünschten sich mehr Planungssicherheit und wägten größere Investitionen sorgfältig ab. Steigende Kosten, die sich nicht vollständig weitergeben lassen, könnten temporäre Liquiditätsbedarfe auslösen. „In der Phase unterstützen wir mit Szenarioanalysen und Strukturvorschlägen, damit zum passenden Zeitpunkt tragfähige Entscheidungen möglich sind.“

Den häufiger geäußerten Vorwurf, dass Firmenverkäufe an jüngere Übernahmekandidaten mit restriktiver Kreditpolitik erschwert würden, weist er für die BW-Bank zurück: „Nachfolgen und Übernahmen begleiten wir gerne – gemeinsam mit Partnern wie der L Bank und Bürgschaftsbank.“ Das geschehe „frühzeitig, strukturiert und nahe am Bedarf“. Bürgschaften könnten – trotz der Kosten – den Zugang zu frischem Geld erleichtern; alternativ stünden weitere Absicherungsinstrumente zur Verfügung. Ziel seien zukunftsfähige Finanzierungsstrukturen, damit Übergaben nachhaltig gelingen.

Südwestmetall-Chef Barta zeigt auch Verständnis für Banken und Sparkassen: „Wir sind in einem stark regulierten Umfeld unterwegs, wo die Spielregeln zu beachten sind – die können nicht völlig freihändig entscheiden, wie sie finanzieren.“ So lasse sich schwerlich verlangen, „einfach mal etwas großzügiger zu sein“. Gemeint ist die strenge europäische Bankenregulierung. Aus Sicht von BW-Bank-Bereichsleiter Spagen trägt sie zu Professionalität und Transparenz im Kreditgeschäft bei. Man wolle sich dahinter nicht verstecken. „Allerdings gibt es Situationen, in denen auch wir die Bankenregulierung teilweise als eher hinderlich denn hilfreich empfinden – so sind uns manchmal schlicht die Hände gebunden“, bekennt er.

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