Die Gemeinde Grafenau und Vertreter des Landkreises eröffnen den neuen Bau- und Wertstoffhof. Damit findet eine Odyssee ihr Ende.

„Was lange währt, wird endlich wahr.“ Martin Thüringer fiel am Donnerstag der sprichwörtliche Stein vom Herzen. Was den Bürgermeister Grafenaus so freute: Nach mehr als 50 Jahren herrschen nun „endlich ordentliche Verhältnisse“ in Sachen Bauhof, sagte er bei dessen offizieller Eröffnung. So lang hatte das derzeit siebenköpfige Bauhofteam in einem Provisorium ausgeharrt.

 

Gleichzeitig wurde am Donnerstag auch der angrenzende Wertstoffhof, der dem Landkreis gehört, eingeweiht. 5,9 Millionen Euro, davon sind fast 800 000 Euro Zuschüsse von Land und Bund, hat Grafenau in seinen neuen Bauhof investiert, der Landkreis gab rund 700 000 Euro für den Wertstoffhof samt Zufahrt aus. „Es ist geglückt, gelungen und notwendig“, gratulierte Landrat Roland Bernhard zum Gesamtensemble „im schönsten Wiesengrunde“, nur einen guten Steinwurf entfernt von der gleichnamigen Halle.

Baustart im Frühjahr 2024

Die Geschichte des Grafenauer Bauhofs ist verzwickt. Den endgültigen Ausschlag für den Neubau des Gebäudes an gleicher Stelle hatte schließlich die marode, schon lange nicht mehr den Anforderungen und der Arbeitssicherheit genügende Halle gegeben. Gleichzeitig sollte der bisher auf der anderen Straßenseite befindliche Wertstoff des Abfallwirtschaftsbetriebes Böblingen (AWB) aufs Bauhofgelände verlegt werden, um Platz für das geplante, neue Feuerwehrgerätehaus zu schaffen.

Bei Kosten von rund 2,7 Millionen Euro starteten die ursprünglichen Planungen. Schon damals war aber klar, dass der schlechte Baugrund am Hang sowie das anstehende Grundwasser zusammen mit dem Hochwasserschutz angesichts der nahen Würm Planer und Architekten vor besondere Herausforderungen stellen würde. Dann kamen Corona und Ukrainekrieg und die damit verbundenen Preissteigerungen.

Bürgermeister Thüringer (3.v.r.) und Landrat Roland Bernhard (2.v.r.) eröffnen Bauhof und Wertstoffhof. Foto: Eibner-Pressefoto/Edward Cheung

Im Frühjahr 2024 erfolgte schließlich der Baustart, bereits im Juli konnte Richtfest gefeiert werden. Bis zum Herbst dieses Jahres soll der endgültige Umzug vom Interimsquartier Ulrichstein zurück an den alten, neuen Standort über die Bühne gehen. Architekt Andreas Zweifel betonte neben dem gegenüber früher deutlich verbesserten Hochwasserschutz die Nachhaltigkeit bei Baumaterialien und zukünftigem Betrieb. Für die notwendige Wärme in Warmhalle, Büro- und Sanitärräumen an kälteren Tagen sorgt eine Pelletheizung, der Strom wird zumindest teilweise mit einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach selbst erzeugt.

Getrennte Ein- und Ausfahrten sorgen für mehr Sicherheit

Zweiter Teil der Gesamtkonzeption ist der direkt hinter dem Bauhof gelegene Wertstoffhof, sozusagen der „siamesische Zwilling“ des Bauhofes, wie Landrat Roland Bernhard ausführte – und dazu ein „schwäbisches Kulturgut ersten Ranges“. 760 Quadratmeter umfasste er früher, jetzt sind es mit 1650 Quadratmetern fast doppelt so viele.

Und auch die getrennten Ein- und Ausfahrten sind für Sicherheit und Personal eine deutliche Verbesserung. „Ein wichtiger Baustein unserer Gemeindeentwicklung“, sagte der Grafenauer Schultes und hob vor allem den zentral in der Mitte zwischen den Ortsteilen Dätzingen und Döffingen gelegenen Standort hervor. Hinzu komme die gemeinsame Infrastruktur als Zeichen der engen Verbindung zwischen Landkreis und Grafenau. Und wenn Roland Bernhard dann noch von einem „Premium-Wertstoffhof in einer Premium-Gemeinde“ sprach, sorgte er dabei für ein Strahlen nicht nur im Gesicht vom Bürgermeister.