Bauen für die Zukunft Holzbau in Zeiten von Klimaerwärmung

Studierende der Uni Stuttgart bei einem Ideen-Hackaton zum Holzbau. Foto: Pauline Strempel

Auf einem Ideen-Hackaton – einem Wettbewerb zum Generieren von Ideen – der Universität Stuttgart überlegen Studierende, wie das Bauen mit Holz klimafreundlich weiterentwickelt werden kann.

Die Bau- und Gebäudewirtschaft, das heißt das Errichten und Nutzen von Gebäuden, ist laut dem UN Status Report on Buildings and Construction 2022 für circa 37 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich. Der weitaus größte Teil davon entsteht bei der Verarbeitung von Zement, Stahl und Aluminium. Forschende und Institutionen, wie die Holzbau Offensive Baden-Württemberg, die von der Landesregierung Baden-Württemberg gefördert wird, erforschen, wie klimafreundliches Bauen mit Holz weiterentwickelt werden kann.

 

Bisher wurde hauptsächlich Nadelholz für die Gebäudewirtschaft verwendet, doch das wird künftig wegen der Klimaerwärmung weniger zur Verfügung stehen. Nadelbäume, wie die Fichte, werden bei höheren Temperaturen absterben. Laubholz ist jedoch schwerer, kürzer und verästelter. Sein Harzanteil ist geringer und die Einschlagsperiode ist kürzer. „Viele Parameter sind laubholzspezifisch. In der Wertschöpfungskette müssen die Parameter zur Optimierung der Verwendung von Laubholz herausgearbeitet werden“, sagt Siegfried Nägele, der Fachbereichsleiter IT bei Forst BW.

Holz kann stofflich als Baumaterial und energetisch als Heizmaterial verwendet werden. In Gebäuden verbautes Holz bindet und speichert CO2 für 50 Jahre. Das trägt zur Kohlenstoffsenke bei, indem es der Atmosphäre entzogen wird. „Wir werben dafür, Holz erst stofflich und dann energetisch zu verwenden. So soll die Holznutzung optimiert werden“, sagt Nico Stanger von der Holzbau-Offensive BW. Der Gedankenansatz müsse sein, was mache ich mit dem Holz, das ich heute verbaue, ein halbes Jahrhundert später.

Um Studierende auf die Umstellung der Gebäudewirtschaft aufmerksam zu machen, hat nun ein Ideen-Hackathon zu den Themen Laubholz und Wertschöpfungsketten im Holzbau an der Universität Stuttgart stattgefunden. Der dreitägige Hackaton wurde von der Wissenstransfer-Plattform Digitize Wood und dem Institut für Entrepreneurship und Innovationsforschung (ENI) der Universität Stuttgart organisiert. Unter dem Motto #hackinghardwood entwickelten 53 Studierende aus den Fächern BWL, Architektur, technische Kybernetik, Informatik und weiteren Ingenieurswissenschaften Ideen und Konzepte zu aktuellen Themen der Holzbaubranche wie Upcycling, Rohstoffverwertung und Datenaustausch. Die Studierenden besichtigten den Pfaffenwald neben dem Campus Vaihingen, das Sägewerk Keck, das HolzBauWerk Schwarzwald und die Zimmerei Schaible.

Danach entwickelten sie in Workshops und Mentorings in Teams ihre Ideen und präsentierten diese in einem fünfminütigen Kurzreferat. „Wir haben ziemlich viel Wissen generiert. Jetzt ist das Wichtigste, dass wir das Wissen uploaden. Das ist gar nicht so einfach, wenn unterschiedliche fachwissenschaftliche Perspektiven zusammenkommen“, sagte der Berufscoach und Moderator der Veranstaltung, Matthias Mildt.

Die drei besten Konzepte wurden von einer Fachjury gekürt. Den ersten Platz belegte die Studierendengruppe Kata Wood, die sich mit der Verarbeitung von Laubholz auseinandergesetzt hat. Denn etwa 75 Prozent eines Laubbaumes werden derzeit nicht hochwertig verarbeitet. Statt Verschnitte und Restholz zu verbrennen, schlagen die Studierenden vor, das Holz mittels 3D-Scan zu erfassen und für das holzverarbeitende Gewerbe auf einer Plattform im Internet anzubieten. So könnten auch kleine Holzstücke geschnitten und getrocknet werden.

Außerdem überlegen die Studierenden, ob die Verwendung der Holzstücke durch Künstliche Intelligenz berechnet werden kann. Die Lagerung des Holzes solle in den Sägereien erfolgen. „Ich habe das Gefühl, dass es die Studis total interessiert, obwohl es drei intensive Tage mit viel Input waren“, bilanziert Julia Mederus, die Organisatorin des Hackatons.

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