Bauplätze als Ladenhüter? Auf sieben Hektar stehen in einem Neubaugebiet erst zehn fertige Häuser

Nur punktuell sind in Kleinbottwar schon Gebäude hochgezogen worden. Foto: Werner Kuhnle

Die Vermarktung der Grundstücke im Areal Scheibenäcker in Steinheim-Kleinbottwar (Kreis Ludwigsburg) kommt nicht recht vom Fleck. Im benachbarten Marbach fürchtet man Ähnliches.

Wer am Ortsausgang von Steinheim-Kleinbottwar in Richtung Großbottwar den Hang hinaufblickt, sieht dort Straßen, Treppen, Spielflächen und frisch gepflanzte Bäumchen. Also ganz so, wie es in einem Neubaugebiet sein sollte. Was das Bild aber befremdlich wirken lässt, ist der Umstand, dass ein entscheidendes Element nur sporadisch vorkommt: Häuser. Dabei ist die Erschließung des für rund 700 Einwohner konzipierten Areals schon eine ganze Weile abgeschlossen.

 

Anfangs lief die Vermarktung der Grundstücke in den Scheibenäckern noch ordentlich. In einer ersten Bieterrunde konnte die Kommune immerhin sechs ihrer mehr als 20 eigenen Bauplätze an den Mann oder die Frau bringen. Doch schon im zweiten Durchgang blieb die Stadt auf allen weiteren Flächen sitzen. Schnell verabschiedete man sich von der Vorstellung, über ein Bieterverfahren die Erlöse zu maximieren. Stattdessen platzierte man acht Grundstücke zum Festpreis von 690 Euro pro Quadratmeter auf dem Markt – die sich aber zunächst ebenfalls als Ladenhüter erwiesen.

Inzwischen scheint es ein wenig aufwärts zu gehen. Bei vier Grundstücken sei der Vertrag in trockenen Tüchern, berichtet der Steinheimer Bürgermeister Thomas Winterhalter. „Mit den Grundstücken, die im ersten Anlauf verkauft wurden, sind in Summe aktuell zehn Grundstücke veräußert“, bilanziert er. Der Rathauschef macht keinen Hehl daraus, dass man damit unter den Erwartungen liegt. „Haushalterisch sind wir damit natürlich nicht zufrieden, da wir die Einnahmen eingeplant hatten“, sagt er. Zudem scheint man weit von den Zeiten entfernt, als Bauplätze weggingen wie warme Semmeln. „Es besteht weiter eine gewisse Zurückhaltung hinsichtlich der Nachfrage“, konstatiert Winterhalter.

Es ist auch nicht so, dass von privater Seite Häuser en masse in den Scheibenäckern realisiert würden. Platz wäre genug. Alleine für Einzelhäuser sind auf den sieben Hektar mehr als 50 Grundstücke reserviert. 20 Bauvorhaben seien Stand Ende Juli insgesamt beantragt, die Hälfte davon abgeschlossen worden, berichtet der Bürgermeister. Der Rest befände sich im Bau oder stecke im Genehmigungsverfahren.

Finanzierung als Hürde

Diese ernüchternden Zahlen dürften nicht zuletzt daran liegen, dass die Finanzierung einer Immobilie derzeit für den Otto Normalverbraucher schwer zu schultern ist. Für einen 346 Quadratmeter großen Bauplatz, den man mit einer Doppelhaushälfte bestücken kann, müsste man beispielsweise fast 240.000 Euro an die Stadt überweisen. Und dann wäre noch kein einziger Stein auf den anderen gesetzt worden.

Solche Rechnungen haben offensichtlich auch die Stadträte im benachbarten Marbach im Kopf durchgespielt, bevor sie vor Kurzem über die Erschließung des Neubaugebiets Keltergrund im Ortsteil Rielingshausen beraten haben. Denn ein Teil des Gremiums war letztlich zu dem Schluss gekommen, dass sich Durchschnittsverdiener aktuell den Traum von den eigenen vier Wänden kaum leisten können, die Zeit für die Umsetzung folglich nicht reif ist. Es wird befürchtet, dass sich die Stadt für den Bau von Straßen, Beleuchtungen und Co. in dem Gebiet in einer prekären Haushaltslage weiter verschuldet und sich dann wie in Steinheim die Nachfrage in Grenzen hält – und man die Ausgaben nicht sofort refinanzieren kann, sich im Gegenteil vielleicht sogar an der Zinslast verschluckt. Nur hauchdünn bei einer Stimme Vorsprung gab es schließlich grünes Licht dafür, die Erschließung tatsächlich in Angriff zu nehmen.

Das Gebiet im Keltergrund in Rielingshausen kann nun erschlossen werden. Es bleibt aber umstritten. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Rund drei Hektar groß ist das Areal am Rande der Siedlung. Der Quadratmeterpreis für einen Bauplatz dürfte sich nach Berechnungen der Verwaltung in einem Korridor zwischen 520 und 550 Euro bewegen. Eine Summe, die deutlich unter den in Steinheim aufgerufenen Beträgen liegen würde. Dennoch seien nur Vielverdiener in der Lage, die Bagger anrücken zu lassen, sagte Swantje Hammer (CDU). Und selbst namhafte Unternehmen in der Region Stuttgart reduzierten die Zahl der Arbeitsplätze. „Ich kann mir deshalb nicht vorstellen, dass die Nachfrage für so hochpreisige Grundstücke überhaupt stattfindet“, sagte sie.

Für ein Einfamilienhaus müsse man in dem Gebiet einen Kredit von 500.000 bis 600.000 Euro aufnehmen, gab Barbara Eßlinger von den Grünen zu bedenken. „Wer soll das finanzieren?“, fragte sie. Metin Üven (Puls) schmeckt überdies die Flächenversiegelung nicht. Er fürchtet zudem Folgekosten für die örtliche Infrastruktur durch eine steigende Einwohnerzahl.

Der Rielingshäuser Ortsvorsteher Jens Knittel brach eine Lanze für das geplante Neubaugebiet. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Jens Knittel (Freie Wähler) betonte dagegen, dass die ersten Häuser erst 2027 stehen würden. Bis dahin werde die Wirtschaft wieder Fahrt aufnehmen. Im Moment sänken die Baupreise. „Jetzt ist also der richtige Zeitpunkt einzusteigen“, findet der Rielingshäuser Ortsvorsteher. „Der Mangel an Wohnraum und vor allem an günstigem Wohnraum hat sich nicht geändert“, erklärte zudem Ernst Morlock (SPD). Außerdem habe man schon mehr als drei Millionen Euro in die Entwicklung des Projekts gesteckt, die sich ausschließlich über eine Aufsiedlung refinanzieren ließen.

Mehrfamilienhäuser noch Fehlanzeige

Hinterhand
Im Neubaugebiet Scheibenäcker in Steinheim-Kleinbottwar sind unterschiedliche Häusertypen möglich. Mehrere Grundstücke sind dabei auch für den Geschosswohnungsbau reserviert, die Stadt hat dafür eigene Flächen in der Hinterhand. Die SPD im Gemeinderat hat unlängst gefordert, die Planungen für mindestens ein Mehrfamilienhaus voranzutreiben.

Keine Umsetzung
Grundsätzlich stehe man bei Interesse an den entsprechenden Grundstücken für Gespräche zur Verfügung, betont Bürgermeister Thomas Winterhalter. Aufgrund der allgemein zurückhaltenden Situation im Bereich Geschosswohnungsbau seien aber „leider noch keine kommunalen wie auch privaten Vorhaben im Geschosswohnungsbau in der Umsetzung“.

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