Wo bitte geht's nach Hedelfingen? Diese Frage stellen sich nicht nur die Anwohner, sondern auch Ortsfremde. Denn der Stadtbezirk ist inzwischen durch eine Häufung von Baustellen nur noch äußerst schwer zu erreichen, um nicht zu sagen fast schon isoliert. In allen vier Himmelsrichtungen sind die wichtigen Einfallstraßen gar nicht oder nur eingeschränkt befahrbar. Und eine Besserung ist bis zum Sommer nicht in Sicht.
Das Gefühl, dass es in Stuttgart an mangelnden Absprachen fehlt, haben viele Bürger seit langem. Kritiker können sich angesichts der aktuellen Baustellenlage rund um den Stadtbezirk in den Oberen Neckarvororten wieder einmal bestätigt fühlen. „Es ist eine enorme Belastung“, bestätigt Bezirksvorsteher Kai Freier. Gemeint ist die damit verbundene Verkehrssituation.
Abbiegespur nach Wangen gesperrt
Bereits seit Anfang April werden in der Amstetter Straße neue Gas- und Wasserleitungen verlegt, zudem wird der Platz vor der Volksbank umgestaltet und ein Brunnen aufgestellt. Die direkte Einfahrt in den Ortskern zwischen dem Hedelfinger Platz und dem Bezirksrathaus ist gesperrt. Doch damit nicht genug, musste nun ein Teil der Baustelleneinrichtung auch noch auf den Hedelfinger Platz verlegt werden. Die Folge: Von der Filderabfahrt kommend, können Verkehrsteilnehmer nicht mehr links nach Wangen abbiegen. Geradeaus nach Obertürkheim oder zur Auffahrt auf die B10 steht nur eine Fahrbahn zur Verfügung. Das sorgt fast täglich für Kilometer lange Staus auf der Filderabfahrt. „30 Minuten Zeitverlust sind derzeit völlig normal“, sagt ein Autofahrer. Besonders belastend „speziell für Pendler“, weiß Freier. Aber nicht nur für diese: Auch die Geschäftsleute „leiden unter den Baustellen“, weil auswärtige Kunden den Weg zu ihren Läden nicht mehr finden. Und das soll laut den Planungen der Netze BW auch bis zum 30. Oktober so sein.
30 Minuten beträgt der Zeitverlust für Autofahrer derzeit auf der Hedelfinger Filderabfahrt.
Nun kommt seit Anfang dieser Woche eine weitere Baustelle hinzu. Auf den Otto-Hirsch-Brücken, die Hedelfingen mit Obertürkheim über den Neckar und die B10 miteinander verbindet, verlegt die Netze BW GmbH neue Wasserleitungen. Die Maßnahme ist nach eigenen Angaben erforderlich für den Baus des sogenannten „Green Hydrogen Hub“ am Mittelkai 25. Die Stadtwerke Stuttgart investieren rund 50 Millionen Euro in die erste Wasserstoff-Raffinerie in der Region im Hafen.
Dafür muss die Einfahrt in die Straße Am Mittelkai gesperrt werden. Für den Verkehr aus Obertürkheim kommend steht nur noch eine Fahrspur in Richtung Hedelfingen zur Verfügung. Die Sperrung zwischen der Straße Am Mittelkai und der Straße Am Westkai „kann zu hohem Verkehrsaufkommen führen“, ist man sich bei der Netze BW bewusst. Eine großräumige Umleitung werde daher ausgeschildert, um unnötigen Verkehr bereits im Vorfeld zu vermeiden. Die Arbeiten sollen voraussichtlich bis Mitte Juli abgeschlossen werden.
Ab Juni steht auf der B10 nur eine Fahrspur zur Verfügung
Zudem läuft bereits seit Anfang Mai die Sanierung des Daimlerstegs zwischen dem Wangener Großmarkt und dem Mercedes-Hauptsitz in Untertürkheim. Bereits seit 2023 ist die Fußgängerbrücke aufgrund von großen Schäden gesperrt. Nun wird die Verbindung über den Neckar und die B10 für 1,7 Millionen Euro bis Ende des Jahres saniert. Das Problem: Aufgrund der Arbeiten steht von Anfang Juni bis voraussichtlich Ende Oktober jeweils nur eine Fahrspur der Bundesstraße in Richtung Esslingen und in die Innenstadt zur Verfügung.
Überraschend kam hingegen eine weitere Sperrung in und aus Richtung Hedelfingen. Aufgrund eines Hangrutsches ist der Speidelweg gesperrt. Mitte Mai war eine Trockenmauer auf einem privaten Grundstück eingestürzt und Geröll auf die Fahrbahn gefallen. Der beliebte Schleichweg zwischen Rohracker und Frauenkopf soll laut Angaben des beauftragten Bauunternehmens voraussichtlich bis Ende Juni andauern. Es wäre zumindest wieder eine erste Einfallstraße nach Hedelfingen, die wieder zur Verfügung steht – wenn es auch nur ein Schleichweg ist.