Die Baden-Württemberger haben ein ambivalentes Verhältnis dazu, wie viel Geld der Staat für die Kulturförderung ausgeben sollte. Zwar hält gut die Hälfte der Befragten im aktuellen BaWü-Check staatliche Kulturförderung für richtig. Auf der anderen Seite findet ein großer Teil der Befragten, dass das Land ruhig weniger für große Kultureinrichtungen ausgeben könnte. Darin spiegelt sich auch wieder, dass ein Großteil der Menschen im Land große Kulturangebote wie Oper und Ballett überhaupt nicht wahrnimmt.
Für den aktuellen BaWü-Check, die repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach im Auftrag der baden-württembergischen Tageszeitungen, wurden im November 1011 Menschen ab 18 Jahren befragt.
Dabei ist das Bild recht eindeutig. Die meisten Kulturangebote spielen im Leben der meisten Menschen überhaupt keine Rolle. Wenig überraschend also, dass rund zwei Drittel (63 Prozent) der Befragten befanden, der Staat sollte bei großen Kultureinrichtungen wie Theater oder Museen im Vergleich zu anderen Bereichen eher sparen. Nur in einem anderen Punkt sprachen sich noch mehr Befragte (75 Prozent) dafür aus, dass Baden-Württemberg weniger Geld ausgeben solle: wenn es um große Bauprojekte geht. Dabei dürfte mancher Stuttgarter nicht nur an die ewige Bahnhofsbaustelle, sondern auch an die geplante Opernsanierung inklusive Interimsquartier in der Landeshauptstadt denken.
Bei anderen Themen wie Sportförderung, Umweltschutz und öffentlichen Einrichtungen wie Schwimmbädern und Ausbau von Straßen und Bahnstrecken spricht sich die Mehrheit hingegen für eine Steigerung der Staatsausgaben aus.
Mehr Geld soll für Polizei, Schulen und Gesundheit ausgegeben werden
Die meisten Befragten finden, dass das Land mehr Geld in die Ausstattung von Polizei (79 Prozent) und Schulen (91 Prozent) sowie in Gesundheitseinrichtungen (93 Prozent) stecken soll – Bereiche, die sich tatsächlich auch in der jüngsten Finanzplanung des Landes wiederfinden.
Denn für diese Themen kratze die grün-schwarze Landesregierung zuletzt nicht nur Geld aus dem laufenden Haushalt zusammen, sondern will bei Sicherheit und Bildung auch Schwerpunkte in ihrem aktuellen Doppelhaushalt für die Jahre 2025 und 2026 setzen. Dabei geht es um mehrstellige Millionen-Euro-Beträge.
Im Kulturbereich gibt es solche großen Sprünge nicht. Harte Einschnitte wie in anderen Bundesländern hat die Kultur aber hierzulande auch nicht zu befürchten, im Gegenteil. Zwar wird in manchen Bereichen gespart, die Haushalte im Land stellen an anderer Stelle aber auch mehr Geld zur Verfügung. So sollen Amateur- und Freilufttheater zusätzliche Mittel erhalten, wie unsere Zeitung erfuhr.
Dabei findet nur die Hälfte der Baden-Württemberger, dass Kulturförderung Aufgabe des Staates sein sollte. Ein Viertel ist dagegen. Der Rest ist unentschieden. Nur jeder Vierte wünscht sich, dass das Land mehr Geld für Kulturförderung ausgeben sollte. Etwa ein Drittel halten die Kulturförderung für ausreichend und jeder Fünfte findet sogar, dass das Land weniger Geld ausgeben sollte.
Uneinigkeit darüber, wer überhaupt Geld bekommen sollte
Sehr unterschiedlich fällt das Urteil aus, wer überhaupt Geld bekommen sollte. 32 Prozent der Befragten finden, dass Einrichtungen gefördert werden sollen, die vom Publikum gut angenommen werden. 28 Prozent finden, dass möglichst viele Einrichtungen Fördermittel erhalten sollten. 22 Prozent meinen, dass Einrichtungen gefördert werden, die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind.
Besonders viel Geld soll aktuell in Großprojekte wie die Sanierung des Stuttgarter Opernhauses fließen. Zuletzt wurde bekannt, dass sich der Baubeginn des Interimsquartiers verzögern würde und die Gesamtkosten dadurch unkalkulierbar in die Höhe schießen dürften. Trotz solcher Hiobsbotschaften finden es immer noch 45 Prozent richtig, dass das Land hohe Summen in solche „Aushängeschilder“ steckt. 34 Prozent halten das in Zeiten knapper Kassen dagegen für falsch. Jeder fünfte traut sich keine Meinung zu.
Ähnlich ist das Bild bei der Frage, ob Nischen- oder Avantgarde-Projekte gefördert werden soll. 37 Prozent halten es für richtig, dass das Land auch solche Angebote fördert. 31 Prozent wären dafür, dass der Staat sich hier komplett zurückzieht. Die Befragten, die sich ausgeprägt für Kultur interessieren, sind mit 63 Prozent weit überdurchschnittlich der Meinung, dass der Staat auch Kulturangebote ohne Massenpublikum fördern sollte.
Natur und Gesundheitsversorgung sind wichtiger als Kulturangebote
Das deckt sich mit der Bedeutung, die die Menschen kulturellen Angeboten insgesamt beimessen: Bei der Frage, was ihren Ort besonders lebenswert macht, landen Kulturangebote nicht unter den ersten zehn genannten. Natur, Gesundheitsversorgung, Einkaufsmöglichkeiten, ÖPNV und gute Schulen rangieren auf den vorderen Plätzen und werden als besonders wichtig für die Lebensqualität bewertet. Gefolgt von einem guten Angebot an Arbeitsplätzen, Kinderbetreuung, Restaurants und Bars, Schwimmbädern oder einem lebendigen Vereinsleben.
Ein gutes Angebot von Museen und Theatern spielt hingegen nur für 30 Prozent, Büchereien und Bibliotheken nur für 28 Prozent der Befragten eine Rolle. Damit rangiert die Kultur ganz unten, nur Zoos werden als unwichtiger erachtet. Vier von fünf Baden-Württembergern haben einen guten Eindruck vom Kulturangebote im Land. Auf ihre konkrete Situation angesprochen sind immer noch 60 Prozent der Befragten zufrieden. Wenig überraschend zeigen die Antworten auf diese Frage ein starkes Stadt-Land-Gefälle.
Dabei interessieren sich 65 Prozent zumindest etwas oder auch „sehr“ für Kunst und Kultur. Ein Drittel der Befragten berühren die Angebote kaum oder gar nicht. Das spiegelt sich auch in der Nutzung der Kulturangebote wieder: Am häufigsten besuchen die Baden-Württemberg Büchereien und Kinos. Am seltensten gehen sie ins Ballett oder in die Oper. Fast zwei Drittel geben an, dass sie Ballett oder Oper nie besuchen.
Bei den Tickets darf der Staat gern Geld zuschießen
Wenn es um den eigenen Geldbeutel geht, haben die Baden-Württemberger aber eine andere Haltung. 58 Prozent der Befragten halten staatliche Ticketzuschüsse für richtig. Nur 23 Prozent finden das nicht gut, der Rest ist unentschieden. Obwohl sich die Mehrheit bewusst ist, dass die Eintrittspreise ohne staatliche Zuschüsse noch höher wären, halten 39 Prozent der Befragten die Eintrittspreise für Museen und Theater immer noch für zu hoch. 45 Prozent finden sie angemessen. Unter den Menschen mit geringen Einkommen ist der Anteil derer, die die Eintrittspreise zu hoch findet, selbstverständlich noch größer.
Insgesamt ist die Stimmung im Land nach wie vor eher negativ. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) der Menschen im Land blickt mit Skepsis oder ausgeprägten Befürchtungen in die Zukunft. Der Anteil derer, die sorgenvoll ins kommende Jahr gehen, hat sich seit August sogar von 26 auf 30 Prozent erhöht. So pessimistisch war die Bevölkerung zuletzt im Herbst 2022.
BaWÜ-Check
Basis
Der BaWü-Check ist eine Umfrage von Zeitungen im Südwesten, die das Institut für Demoskopie Allensbach durchführt. Insgesamt beteiligen sich 55 Tageszeitungen.
Zeitraum
Von 4. bis 18. November 2024 wurden in Baden-Württemberg 1011 Menschen in einem repräsentativen Querschnitt der baden-württembergischen Bevölkerung ab 18 Jahren befragt. Die Befragten sind Mitglieder eines Online-Panels, die Stichprobe wurde durch eine nach Geschlecht, Alter, Schulabschluss und Regierungsbezirk geschichtete Zufallsauswahl gezogen. Die Stichprobe wurde gewichtet, dabei orientierte man sich am Mikrozensus 2021.
Fragebogen
Die für die Befragung ausgewählten Personen bekamen per E-Mail eine Einladung zur Teilnahme und füllten einen Online-Fragebogen mit 15 Fragen aus.