Nach der Enttäuschung der Olympischen Spiele 2021 in Tokio, als sie mit Julia Sude sieglos in der Vorrunde ausschied, überlegte Karla Borger kurz, ob sie aufhören oder ihre Karriere fortsetzen soll. Sie entschied sich dafür, bis Paris 2024 weiterzumachen. Drei Jahre hat sich die Beachvolleyballerin aus Stuttgart nun auf die Sommerspiele vorbereitet und um das Ticket nach Frankreich gekämpft. Am Ende dieser langen Zeit kam alles auf ein Spiel an – und dieses endete am Mittwoch mit einer weiteren großen Enttäuschung.
In der Weltrangliste stehen Karla Borger und ihre Partnerin Sandra Ittlinger, die in den vergangenen Monaten fleißig Punkte gesammelt haben, auf Rang 17. In vielen Sportarten wäre die Olympia-Teilnahme damit gesichert. Das Problem: In Svenja Müller und Cinja Tillmann (10.) sowie Olympiasiegerin Laura Ludwig und Louisa Lippmann (16.) sind zwei deutsche Duos besser platziert, und in Paris dürfen aus jeder Nation höchstens zwei Teams starten. Am Ende der Qualifikationsphase hatten Borger und Ittlinger noch eine Chance, an Ludwig und Lippmann vorbeizuziehen – beim Elite-16-Turnier in Tschechien.
Rang fünf hätte gereicht
In Ostrava sind bis Sonntag so viele Weltklasse-Beachvolleyballerinnen am Start, dass weder Borger/Ittlinger noch Ludwig/Lippmann fürs Hauptfeld gesetzt waren. Die Auslosung ergab, wie hätte es anders sein können, eine Kuriosität: Die beiden deutschen Teams trafen schon in der ersten Runde der Qualifikation aufeinander. Für Karla Borger und Sandra Ittlinger war der Weg nach Paris damit klar abgesteckt. Erst musste ein Sieg gegen die Konkurrentinnen aus Hamburg her, dann zumindest der Einzug ins Viertelfinale. Rang fünf hätte, weil Ludwig/Lippmann punktlos geblieben wären, für eine Verbesserung in der Weltrangliste und den Sprung zu den Olympischen Spielen gereicht. Doch es kam anders.
Im ersten Satz unterlagen Borger/Ittlinger nach einer schwachen Leistung klar mit 14:21, fanden dann aber besser in die Partie. In Durchgang zwei lag das Team lange in Führung und hatte vier Satzbälle, obwohl vor allem Sandra Ittlinger weiterhin anzumerken war, wie viel auf dem Spiel stand. Am Ende gelang es nicht, die Entscheidung in den Tie-Break zu verlagern. Borger/Ittlinger verloren noch mit 22:24, weshalb nun klar ist, dass die beiden Beachvolleyballerinnen in Paris nicht dabei sein werden. Es wären nach Rio 2016 (Aus im Achtelfinale an der Seite von Britta Büthe) und Tokio 2021 die dritten Sommerspiele von Karla Borger gewesen. In Paris wird sie nun Zuschauerin sein, womit dem Team Deutschland eine seiner wichtigsten Protagonistinnen fehlt.
Denn Borger (35) ist nicht nur eine hervorragende Beachvolleyballerin, sondern zugleich auch Präsidentin des Vereins Athleten Deutschland – eine Aufgabe, die sie zeitlich sehr in Anspruch nimmt. Es wäre folglich keine Überraschung, wenn sie die Frage, wie es mit ihrer Karriere weitergeht, diesmal anders beantworten würde als noch vor drei Jahren. Und am Ende dieser Saison aufhört.