Benko-Immobilien in Stuttgart Stuttgarter Benko-Träume und das böse Erwachen – Wie es weitergeht

, aktualisiert am 26.01.2025 - 18:20 Uhr
Das Areal hinter dem Bauzaun an der Königstraße entwickelt nach der Signa-Insolvenz die Immobiliengesellschaft Dibag Foto: Jan Sellner

Mit René Benko und seiner Signa Group wollte man auch in Stuttgart hoch hinaus. Was ist aus den Hoffnungen geworden?

Unbeschwert waren die Verbindungen zwischen der Stadt Stuttgart und dem österreichischen Immobilieninvestor René Benko im Grunde noch nie. Den großen Hoffnungen, Benko und seine Signa Holding könnten helfen, zukunftsweisende städtebauliche Akzente zu setzen, stand früh die Sorge gegenüber, in einen unübersichtlichen Strudel aus zu großen baulichen Höhen, zu einseitiger Nutzung und zu wenig transparenter Finanzierung zu geraten. Ungeachtet der Debatten aber um die Benko-Immobilien Kaufhof hinter dem Rathaus und des daneben stehenden Parkhauses hegte die Stadt auch Hoffnungen – vor allem für die Neuentwicklung des zum Benko-Besitz zählenden vormaligen Sportarena-Areals an der Königstraße 25.

 

Eben dieses Projekt aber sorgt im Oktober 2023 für Aufregung und Sorgenfalten. Kurz und knapp spricht Signa Real Estate gegenüber dem ausführenden Büro Steidle Architekten eine „Planungsunterbrechung“ aus. Dabei hatte Signa erst Anfang 2023 von einem beachtlichen Vermietungserfolg berichtet. Edeka Südwest, hieß es, werde nach der geplanten Projektfertigstellung 2025 auf 1500 Quadratmetern in bester Innenstadtlage im Untergeschoss ein Vollsortiment anbieten.

Die Signa Group hatte den Neubau auf dem Sportarena-Areal unter dem Namen „Zwei hoch fünf“ vermarktet. Es sollten insgesamt 2300 Quadratmeter für den Handel und 5000 Quadratmeter Bürofläche entstehen. Und im Rathaus zudem gerne gehört: Das Gebäude sollte das erste innerstädtische Geschäftshaus in Holz-Hybrid-Bauweise in Stuttgart werden.

Debatten um die Benko-Immobilien Kaufhof hinter dem Rathaus und des daneben stehenden Parkhauses. Foto: STZN/Leif Piechowski/Leif Piechowski

Kaufhof-Verkauf an die Stadt

Zum Zeitpunkt des Projekt-Stopps an der Königstraße/Ecke Schulstraße hatte Signa die Immobilien Kaufhof und angrenzendes Parkhaus bereits nicht mehr in ihren Büchern. Die Stadt Stuttgart hatte nach gescheiterten Verhandlungen der Signa Real Estate unter anderem mit der Deutschen Bank als Generalmieter von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht. „Das Vorkaufsrecht für die Eberhardstraße 28 (Galeria) und Steinstraße 4 (Parkhaus)“ sei „bestandskräftig geworden“ hatte das Unternehmen im März 2023 mitgeteilt. Und: „Der Kaufvertrag wird somit vollzogen. Daher wird die Immobilie zeitnah an die Stadt eigentumsmäßig übergehen.“ 58,5 Millionen Euro waren bereits 2020 als Kaufpreis festgelegt worden. Und Stuttgarts Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) wertete die Übernahme durchaus als zukunftsträchtig. „Wir sind jetzt so weit, wie wir 2020 sein wollten“, sagte Fuhrmann seinerzeit unserer Zeitung. Die 58,5 Millionen waren im Haushalt zurückgelegt.

Immer wieder seit den ersten Signalen einer Schieflage des Gesamtkonzerns war für die Benko-Immobilien in Stuttgart über eine Übernahme durch die deutschlandweit tätige Immobiliengesellschaft Dibag AG gemunkelt worden. Die Dibag dementierte anhaltend. Mit der Insolvenz der Signa drohte damit eine Brache für viele Jahre an zentraler Stelle der Innenstadt. Im Dezember 2024 aber meldete die Dibag selbst, das Unternehmen habe „am 20. Dezember 2024 die bisher unter dem Namen ,Zwei Hoch Fünf’ bekannte Projektentwicklung der insolventen Signa erworben“.

Der neue Hoffnungsträger heißt „Patio“

Unter dem neuen Projektnamen „Patio“ soll es nun weitergehen und ein „elegantes Büro- und Geschäftsgebäude entstehen“. 7000 Quadratmeter Mietfläche sind vorgesehen – und der neue Entwurf trägt einen bereits aus der Zusammenarbeit mit René Benkos Signa bekannten Namen: Steidle Architekten aus München.

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