Berufliche Schulen in Stuttgart Auch ohne Abi erfolgreich in den Job starten – so geht das

Der Großteil der Jugendlichen entscheidet sich nach der allgemeinbildenden Schule für eine Berufsausbildung im dualen System. Foto: dpa/Jan Woitas

Die Berufliche Schulen bieten viele Möglichkeiten. Doch die Wahl des passenden Bildungswegs ist eine Herausforderung, denn das System ist unübersichtlich. Wir haben die wichtigsten Informationen zusammengestellt.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

In diesen Tagen müssen sich Viertklässler und ihre Eltern entscheiden, auf welcher Schule es weitergehen soll. Und nicht für alle ist das Gymnasium die richtige Wahl. Eine Stärke des Bildungssystems in Baden-Württemberg ist es, dass es für jeden Abschluss Anschlussmöglichkeiten gibt. Auch wer einen Hauptschulabschluss macht oder diesen gar verpasst, kann über das berufliche Schulwesen in eine erfolgreiche Zukunft starten oder den Weg weitergehen und zusätzliche Abschlüsse bis hin zur Hochschulreife machen.

 

Diese Schularten werden angeboten

In Stuttgart gibt es 20 berufliche Schulen. Sie gliedern sich in verschiedene Schularten:

  • Berufsschule – Ausbildung im dualen System (früher die klassische Lehre)
  • Berufskolleg – mit engem Theorie-Praxis-Bezug bis zur Fachhochschulreife
  • Berufsfachschule – berufliche Bildung bis zur Fachschulreife oder Berufsabschluss
  • Berufsoberschule – auf dem zweiten Bildungsweg bis zur allgemeinen Hochschulreife
  • Fachschule – Weiterbildung im Beruf bis hin zur allgemeinen Hochschulreife
  • Berufliche Gymnasien – das besondere Abitur

Das Kultusministerium informiert im Internet ausführlich über das berufliche Schulwesen. Wir stellen die wichtigsten Fakten im Überblick zusammen.

Berufsschule Der Großteil der Jugendlichen entscheidet sich nach der allgemeinbildenden Schule für eine Berufsausbildung im dualen System. Die früher als Lehre bekannte und hauptsächlich im Handwerk angesiedelte duale Ausbildung erstreckt sich heute auf rund 330 Ausbildungsberufe in nahezu allen Wirtschaftsbranchen – über den Dienstleistungssektor bis hin zum Hightechbereich. Die Ausbildung erfolgt an zwei Lernorten: im Betrieb und in der Berufsschule. Wobei der Unterricht an der Berufsschule nicht gleichzusetzen ist mit reiner Theorievermittlung, und die Zeit im Betrieb mehr umfasst als nur die Praxis.

Die Ausbildung an der Berufsschule endet mit einer Abschlussprüfung. In Verbindung mit dem erfolgreichen Abschluss der betrieblichen Ausbildung, die im Gesellen-, Gehilfen- oder Facharbeiterbrief dokumentiert wird, erwerben Jugendliche ohne Hauptschulabschluss damit einen dem Hauptschulabschluss gleichwertigen Bildungsstand. Sofern es die erzielten Noten zulassen, können sich Auszubildende mit Hauptschulabschluss nach Abschluss der Berufsausbildung auch einen dem mittleren Bildungsabschluss gleichwertigen Bildungsstand zuerkennen lassen.

Berufsfachschule Berufsfachschulen sind meist Vollzeitschulen und unterscheiden sich nach ihrer Dauer. Einjährige Berufsfachschulen vermitteln eine berufliche Grundbildung. Gegebenenfalls kann der Hauptschulabschluss erworben werden. Die zweijährige Berufsfachschule richtet sich vor allem an Jugendliche mit Hauptschulabschluss, welche die Fachschulreife, also einen mittleren Bildungsabschluss, erwerben möchten. Danach haben sie die Möglichkeit, eine Ausbildung zu beginnen, ein Berufskolleg oder ein berufliches Gymnasium zu besuchen. Die Schülerinnen und Schüler erhalten neben der Erweiterung und Vertiefung der Allgemeinbildung eine berufliche Grundbildung. Doch nicht alle mehrjährigen Berufsfachschulen führen zur Fachschulreife. Einige enden mit einem Berufsabschluss, in anderen werden Zusatzqualifikationen erworben.

Berufskolleg Durch ihren engen Theorie-Praxis-Bezug vermitteln die Berufskollegs eine berufliche Qualifikation und gleichzeitig eine erweiterte allgemeine Bildung. Wer ans Berufskolleg will, braucht mindestens einen mittleren Bildungsabschluss, teilweise ist auch ein Praktikumsplatz vorzuweisen. Das Berufskolleg endet mit einer Abschlussprüfung. Dabei kann man bei mindestens zweijährigen Bildungsgängen sowohl die Fachhochschulreife als auch einen Berufsabschluss wie zum Beispiel „Staatlich geprüfter Assistent“ erwerben.

Fachschule Die ein- und zweijährigen Fachschulen bieten nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung die Möglichkeit, sich auf eine Tätigkeit im mittleren Management vorzubereiten oder sich für die berufliche Selbstständigkeit zu qualifizieren. Die in Ausbildung und Beruf erworbenen Kompetenzen und Qualifikationen werden vertieft und erweitert. Der Besuch der Fachschule kann beispielsweise über BAföG gefördert werden. Seit 2006 können Absolventen unter bestimmten Voraussetzungen im Anschluss ein Hochschulstudium aufnehmen.

Seit dem Inkrafttreten des Berufsbildungsgesetz im Januar 2020 besteht bei einigen Fachschulen die Möglichkeit, auf dem Abschlusszeugnis neben der Berufsbezeichnung einen „Bachelor Professional“ in dem jeweiligen Fachbereich auszuweisen.

Berufsoberschule Die Berufsoberschule bietet die Chance, auf dem zweiten Bildungsweg bis zur fachgebundenen Hochschulreife sowie in Verbindung mit einer zweiten Fremdsprache bis zur allgemeinen Hochschulreife zu gelangen. Es sind Vollzeitschulen. Für die Aufnahme besteht keine Altersbegrenzung, die Abschlüsse sind bundesweit anerkannt. Die Berufsoberschule ist untergliedert in die Mittelstufe und die Oberstufe.

Die Mittelstufe, auch Berufsaufbauschule genannt, umfasst den einjährigem Besuch einer Vollzeitschule. Dort können Schüler mit einem Hauptschulabschluss und einer abgeschlossenen Berufsausbildung den mittleren Bildungsabschluss erwerben. In dieser Stufe wird eine insbesondere auf technischem und wirtschaftlichem Gebiet erweiterte Allgemeinbildung vermittelt, die Schülerschaft wird auf die Übernahme höher qualifizierter Tätigkeiten vorbereitet. Der Unterricht in der Oberstufe dauert dann noch einmal zwei Jahre. Man wählt zwischen den Richtungen Technik, Sozialwesen und Wirtschaft.

Berufliches Gymnasium Das Berufliche Gymnasium kann ab der achten oder ab der elften Klasse besucht werden. Es führt in sechs beziehungsweise drei Jahren zur allgemeinen Hochschulreife und bereitet gleichzeitig durch seine fachlichen Ausrichtungen in besonderer Weise auf das Berufsleben vor.

Berufliche Gymnasien haben eines dieser drei Profile:

  • Lebens- und humanwissenschaftliches Profil
  • Technisches Profil
  • Wirtschaftswissenschaftliches Profil

Chancen des beruflichen Bildungssystems

Berufsschulpflicht
Nach Vollendung der Regelschulzeit müssen Jugendliche unter 18 Jahren eine weiterführende Schule oder eine Berufsschule besuchen. So soll auch Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz eine berufliche Bildung ermöglicht werden.

Anmeldung
Informationen zu allen beruflichen Schulen in Stuttgart sind zu finden unter www.stuttgart.de/medien/ibs/beruflicheschulen_2025.pdf. Anmeldungen für berufliche Vollzeitschulen müssen bis 1. März vorliegen.

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