Marc Winter kam nach seinen Lehr-und Wanderjahren zurück in seine Heimat. Jetzt steht der Koch im Gestütsgasthof Offenhausen am Herd. Foto: Gestütsgasthof
Wenn der Gestütsgasthof aus dem Dornröschenschlaf geweckt wird und Wildschwein Cordon bleu auf gutes Gastgebertum trifft. Eine neue Ausgabe unserer Reihe „Besser Essen“.
In unserer Serie „Besser Essen“ stellen wir die besten Restaurants in Baden-Württemberg vor. Wir besuchen außergewöhnliche Gaststätten, bodenständige Landgasthöfe und renommierte Sternerestaurants. Heute im Test: der Gestütsgasthof Offenhausen.
Das Haus
Der Gestütsgasthof Offenhausen empfängt seine Gäste mit einladender Atmosphäre. Wer hier vorbeifährt, verspürt unweigerlich den Wunsch, einzukehren und zu erleben, ob das Innere hält, was die Fassade verspricht. Marc Winter hat den Gasthof aus einem zwölfjährigen Dornröschenschlaf erweckt. Das denkmalgeschützte Gebäude, vermutlich um 1628 erbaut, wurde vor zwei Jahren nach einer vierjährigen Kernsanierung wiedereröffnet. Diese hat sich gelohnt: Das Ambiente ist modern, ohne das historische Flair zu verbergen. Bequeme dunkelgraue Polstermöbel, Industrielampen und Schwarz-Weiß-Fotografien zieren die petrolblauen Wände. Die Nähe zum Gestüt Marbach ist unverkennbar. Gomadingen ist ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge auf der Alb: Lautertal und Lauterquelle, Schloss Lichtenstein oder die Wimsener Höhle sind schnell erreicht.
Das Gasthaus von innen. Foto: Gestütsgasthof
Die Familie
Für Marc Winter war der Gestütsgasthof ein Anlass, in seine schwäbische Heimat zurückzukehren. Nur 200 Meter entfernt betreiben seine Eltern und seine Schwester Anja das Landhotel Winter, das ebenfalls eine ambitionierte schwäbische Küche pflegt. Zuvor absolvierte der heute 37-Jährige seine Lehr- und Wanderjahre, die ihn unter anderem zu Alfons Schuhbeck nach München führten, wo er zuletzt als Küchenchef im Orlando tätig war. Nach einer Station im Victor’s Residenz Hotel in Leipzig kehrte Winter schließlich in seine Heimat zurück.
Marc Winter und seine Schwester Anja Foto: Gestütsgasthof
Das Essen
Marc Winters Verbundenheit zur Region und sein Blick über den Tellerrand hinaus spiegeln sich in seinen Gerichten wider. Der klassische Wirtshaussalat wird behutsam modernisiert, wobei Karotten-, Gurken-, Kartoffel- und Rettichsalat nicht fehlen dürfen. Winter legt Wert auf hochwertige Produkte aus der Region: Albchampignons, Alblinsen sowie Kartoffeln vom Bauern nebenan, Brot von der Albkorn-Bäckerei Glocker und Wild aus eigener Jagd. Vater Klaus und Sohn sind passionierte Jäger.
Kutteln als Vorspeise, Wildschwein Cordon bleu mit hervorragenden Gnocchi und Bärlauchkässpätzle (im Uhrzeigersinn) Foto: nja
Das Herzstück der Karte bilden Kutteln als Vorspeisenvariante (9 Euro). Vegetarier wählen den Ziegenkäse mit Radieschen, Feigen, Tomaten, Kressen und Kräutern. Das Cordon bleu vom Wildschweinrücken (38 Euro) in Haselnusspanade mit Bergkäse und Schwarzwaldschinken wird mit Pastinaken, wildem Brokkoli, einer exzellenten Sauce und hausgemachten Gnocchi serviert, die ihresgleichen nördlich der Alpen suchen. Diese Kreationen sind weit entfernt von Hausmannskost, aber kein Fine Dining. Winter möchte der schwäbischen Küche ein junges Image verleihen, was an diesem Abend gelingt. Die Bärlauch-Kässpätzle (16 Euro) überzeugen, die Kaspressknödel (26 Euro) erhalten durch Tomatensugo, Rucola und Parmesan einen mediterranen Touch. Ein weiterer Besuch ist allein schon wegen des Wurstsalats nach Art von Oma Clara, des Zwiebelrostbratens und des Offenhäuser Tellers lohnenswert. Der Ofenschlupfer (12 Euro) mit Topfen-Nougatknödel, Erdbeeren und Vanilleeis sowie das Dreierlei-Dessert (10,50 Euro) mit Joghurteis, Erdbeeren und Schokoerde sind der perfekte Abschluss für die Rückfahrt gen Stuttgart.