Besser essen: Zum Hirschen Ein Tipp, den man am liebsten für sich behalten möchte
Wahnsinn! In Fellbach überzeugt das feine Essen, aber auch eine Weinkarte, die vielversprechend ist. Eine neue Folge unserer Serie „Besser essen“.
Wahnsinn! In Fellbach überzeugt das feine Essen, aber auch eine Weinkarte, die vielversprechend ist. Eine neue Folge unserer Serie „Besser essen“.
Wir testen die besten Restaurants in Baden-Württemberg – Wir essen in außergewöhnlichen Kneipen, bodenständigen Landgasthöfen und ausgezeichneten Sternerestaurants. Heute im Test: Zum Hirschen in Fellbach.
In unserer Serie „Besser essen“ stellen wir die besten Restaurants in Baden-Württemberg vor. Wir essen in außergewöhnlichen Kneipen, bodenständigen Landgasthöfen und ausgezeichneten Sternerestaurants. Heute im Test: Zum Hirschen in Fellbach.
Man erinnert sich noch an die goldenen Zeiten von Fellbach, als hier viele Sterne leuchteten. Zuletzt zwei im Goldberg in Fellbach, das nun seit 2022 geschlossen hat. Zuvor wurde auch im Zum Hirschen Kulinarikgeschichte geschrieben. Günther „Obi“ Oberkamm, seit vielen Jahren nun passionierter Wirt mit Weinverstand im Augustenstüble im Stuttgarter Westen, holte vor vielen Jahren den ersten Stern in das Lokal. Spitzenkoch Armin Karrer experimentierte später dann mit der Molekularküche an selber Stelle und wurde ebenfalls ausgezeichnet.
Alles hat seine Zeit, nun werden die schönen Räumlichkeiten von der Familie Favorat bewirtschaftet, die auf wunderbare schwäbische Klassiker setzt. Die hohen Räume im Erdgeschoss sind einladend, natürlich ziert ein Geweih die Wand. In der Vorweihnachtszeit ist hier eine Menge los, was einen freut, wenn es der Gastronomie doch auch mal gut geht. Die eher kleine übersichtliche Speisekarte wird durch tagesaktuelle und saisonale Speisen ergänzt. Vielversprechend ist außerdem die umfangreiche Weinkarte, die selbstverständlich die Nachbarn vor Ort (Aldinger, Schnaitmann), aber auch Flaschen von Winzern aus Südtirol (Alois Lageder), dem Piemont und Burgund enthält. Mit Recht hat ein Kollege schon die Weinkarte als eine der besten der Region bezeichnet. Und das zu Flaschenpreisen, die einen staunen lassen. Das ist so eine Passion der Favorats, die die Weine direkt von den Winzern beziehen. Auch so etwas, was man eigentlich nicht verraten dürfte. Denn man tut gut daran, lange im Voraus einen Tisch zu reservieren. Im Dezember ist es eher schwierig.
Seit 2022 hat Tobias Favorat die Küche im Zum Hirschen übernommen. Angefangen hat er im Vereinsheim in Oeffingen, betrieb die Weinstube Mack, war zuletzt in der Schmidener Eintracht in Fellbach. Er ist einer, der sein Handwerk versteht. Und einer, der nicht nach den Sternen greifen will, sondern mit wahrhaft guter Küche und Tellergerichten überzeugt. In der Küche sind sie zu zweit, seine Frau Kathrin Favorat schmeißt mit Herz, Verve und Unterstützung den Service. Wenn das Ehepaar nicht da ist, dann ist nicht geöffnet.
Nicht von der Karte wegzudenken sind Klassiker wie Maultasche mit Kartoffelsalat und geschmorten Zwiebeln (9,50 Euro als Vorspeise) und der Zwiebelrostbraten (34,50 Euro) natürlich, der muss sein. Bestseller sind auch Ochsenbäckle und Schnitzel.
Backen ist nicht kochen, sagen einige Küchenchefs. Hier können sie beides. Und wie. Allein das Brot mit Butter (6 Euro) vorneweg überzeugt. Darvon werden am Testabend vier verschiedene Sorten serviert. Schnell haben sich das Vinschgauer mit Kümmelnote und das Zwiebelbrot als unsere Favoriten herauskristallisiert. Genussvoll geht es mit den Vorspeisen weiter: das Tatar vom Weiderind (kleine Portion für 14 Euro) ist würzig mariniert, der wirklich leicht geflämmte Lachs (19 Euro) ist wunderbar zart und sanft, gebettet auf einem Avocadomuss, fein und dezent ist der Korianderdip. Schmackhaft ist auch das vegetarische Hauptgericht von der Tagestafel: die hausgemachten Ravioli (24 Euro) mit Feigen, Walnuss und Ziegenkäse, schlichtweg eine unschlagbare gute Kombination.
Absoluter Höhepunkt ist jedoch der rosa gebratene Rehrücken (39 Euro), das Fleisch wunderbar zart. Doch allein diese Beilagen, die in extra Schälchen auf einem extra Tablett arrangiert werden, sind preisverdächtig. Die feinen dünnen tollen Schupfnudeln, das noch leicht knackige Wirsinggemüse, das cremige Pastinakenpüree und die Rehmedaillons, die aufgespießt sind. Danach kann man eigentlich wohlig satt diesen besonderen Ort der Gastlichkeit verlassen. Glücklich macht aber dieser tolle winterliche Nachtisch: ein toller süßsäuerlicher Zwetschgenröster mit hervorragendem Vanilleeis (8 Euro).
Unsere Beiträge in der Reihe „Besser essen“ finden Sie auch hier im Überblick.
Das Restaurant
Zum Hirschen, Hirschstraße 1, 70734 Fellbach, Telefon 07 11 / 99 32 74 47. Öffnungszeiten: Donnerstag bis Montag von 12 bis 14 Uhr und von 18 bis 23 Uhr, samstags nur von 18 bis 23 Uhr. Dienstag und Mittwoch sind Ruhetag. www.zum-hirschen-fellbach.com