Kinderbetreuung kostet je nach Wohnort unterschiedlich viel. Stellenweise lassen die immer höheren Gebühren Eltern verzweifeln. Foto: KI/Midjourney/Björn Locke
Die Gebühren für Kita und Kindergarten schwanken von Ort zu Ort. Ein Vergleich in der Region zeigt, dass die Betreuung in Stuttgart mit am günstigsten ist. Wie viel zahlt man anderswo?
Doch wie hoch sind die Unterschiede zwischen den Kommunen tatsächlich? Ein Vergleich unserer Redaktion zeigt: Mit seinen aktuell gültigen städtischen Betreuungsgebühren ist Stuttgart mit am günstigsten – bei Kitas sogar am günstigsten. Und nur zehn der angefragten 25 Städte und Kommunen sagen, dass sie Kinder anderer Kommunen aufnehmen. Die Stadt Stuttgart erlaubt das beispielsweise nur in begründeten Ausnahmefällen.
Kita-Kind kostet in Neuhausen am meisten, in Stuttgart am wenigsten
Um die Kitagebühren vergleichbar zu machen, haben wir sie auf die Stunde heruntergerechnet. Dafür haben wir aus den Gebührensatzungen von 25 Städten und Gemeinden in der Region berechnet, wie viel Eltern inklusive Mittagessen jährlich bezahlen.
Die ganztägige Betreuung von Unter-Dreijährigen ist in Neuhausen auf den Fildern am teuersten. Dort kostet die Kinderbetreuung mit 4,82 Euro fast drei Mal so viel wie in der Landeshauptstadt, wo die Betreuung zuletzt am günstigsten war. Aufs Jahr gerechnet bezahlen Eltern in Neuhausen rund 9200 Euro für die 40-stündige Betreuung ihres Kleinkindes – in Stuttgart sind es bislang mit 3500 Euro weniger als die Hälfte. Die folgende Grafik zeigt, wie viel die Stunde ganztägige Betreuung eines U3-Kindes in den einzelnen Kommunen kostet:
Unter den teuersten Kommunen folgen weitere Kommunen aus dem Kreis Esslingen – darunter Esslingen am Neckar und Wernau. Am günstigsten ist die Kita-Betreuung in Sindelfingen (Kreis Böblingen) und Stuttgart. In Sindelfingen und Stuttgart sind allerdings bereits Gebührenerhöhungen ab Herbst beschlossen. In Sindelfingen wurde dabei auch damit argumentiert, dass die Gebühren im Vergleich zu anderen Städten im Kreis am niedrigsten waren.
Stuttgart bleibt auch nach der Erhöhung die günstigste Kommune
In der Landeshauptstadt wird die Betreuung ab September teurer: Auf die Stunde herunter gerechnet kostet die Betreuung eines U3-Kindes inklusive Mittagessen dann 1,85 Euro. Damit ist die Kita-Gebühr in Stuttgart auch nach der Erhöhung unter den ausgewählten Kommunen nach wie vor am günstigsten.
In Sindelfingen hat der Gemeinderat beschlossen, insbesondere die Gebühren für die ganztägige Betreuung von Kindern unter drei Jahren anzuheben. Die Betreuung des U3-Kindes kostet damit inklusive Mittagessen ab September 2,56 Euro und überholt damit unter anderem die Nachbarstadt Böblingen. In Fellbach kostet die ganztägige Betreuung eines U3-Kindes inklusive Mittagessen pro Stunde ab dem neuen Kita-Jahr 4,55 Euro und überholt damit Wernau, das bisher nach Neuhausen und Esslingen am teuersten war.
Kindergarten ist in Esslingen am teuersten, in Sindelfingen am günstigsten
Für Kindergartenkinder über drei Jahren zahlen Eltern insgesamt weniger Gebühren. Aber auch hier sind die Unterschiede groß: In Esslingen kostet die Stunde Betreuung etwa 2,5-Mal so viel wie in Sindelfingen. Die folgende Grafik zeigt, wie viel die Stunde ganztägige Betreuung eines Ü3-Kindes in den einzelnen Kommunen kostet:
Auf Esslingen folgen Rutesheim, Wernau und Neuhausen – die allesamt auch schon bei den Kita-Gebühren unter den drei teuersten Kommunen lagen. Am günstigsten sind die Kindergarten-Gebühren wie auch die Kita-Gebühren in Stuttgart und in Sindelfingen.
Neben den Kita-Gebühren wurden auch die für den Kindergarten in Stuttgart, Sindelfingen und Fellbach erhöht. Die ganztägige Betreuung eines Ü3-Kindes kostet ab September in der Landeshauptstadt 1,37 Euro pro Stunde – und liegt damit nach wie vor hinter Böblingen.
Auch in Sindelfingen kostet der Kindergarten ab September mehr. Künftig werden 1,54 Euro pro Stunde fällig (statt bisher 1,14 Euro), erneut überholt man damit Böblingen. In Fellbach kostet die Betreuung eines Ü3-Kind ab September demnach 2,58 Euro pro Stunde – und landet damit neuerdings auch bei den Kindergarten-Gebühren unter den teuersten Städten.
Nicht alle Kommunen betreuen ortsfremde Kinder
Der Wohnort bestimmt also, wie viel die Eltern für die Betreuung ihrer Kinder bezahlen. Wir haben daher bei den betrachteten Kommunen nachgefragt, ob sie auch ortsfremde Kinder aufnehmen.
Nicht in allen Kitas werden Kinder aus anderen Kommunen aufgenommen – aber zum Beispiel in Sindelfingen. Foto: lordn - stock.adobe.com
Elf der 25 angefragten Kommunen betreuen explizit auch Kinder aus anderen Kommunen. Im Kreis Böblingen sind das Leonberg, Rutesheim und Sindelfingen, im Kreis Ludwigsburg Vaihingen an der Enz, Kornwestheim, Heimsheim und Gerlingen, im Kreis Esslingen Baltmannsweiler, Ostfildern und Kirchheim unter Teck sowie Backnang im Rems-Murr-Kreis. Allerdings haben ortsansässige Kinder stets Vorrang.
Mancherorts werden Ausnahmen gewährt: In Bietigheim-Bissingen müssen die Eltern vor Ort arbeiten. Herrenberg und Rutesheim akzeptieren ortsfremde Kinder dann, wenn die Großeltern dort wohnen und bei der Betreuung helfen. Remseck am Neckar und Neuhausen nehmen zudem Kinder auf, die zuvor dort gewohnt haben – letztere auch Kinder, die bald dorthin ziehen.
Aus mehreren Kommunen berichten die Sprecher jedoch, dass auswärtige Kinder bislang nur schwer oder kaum einen Platz bekamen. Stellenweise lassen es sich Kommunen wie Stuttgart oder Ostfildern bezahlen, wenn sie Kinder anderer Kommunen betreuen – sofern die abgebende Kommune die Kostendifferenz übernimmt.
Vergleich der Gebühren
Gebührenordnung Für die Höhe der Betreuungsgebühren in mehreren Kommunen des Landkreises haben wir uns an den aktuell geltenden Gebührensatzungen der Kommunen orientiert. Dabei wurde sich auf die aktuell geltenden Gebühren städtischer Einrichtungen beschränkt – auch sofern Kommunen bereits höhere Gebühren beschlossen haben, die ab Herbst gelten.
Berechnung Um die Gebühren vergleichbar zu machen, haben wir die jährlichen Kitagebühren auf die Stunde heruntergerechnet. Da in manchen Kommunen Gesamtbeträge inklusive Mittagessen berechnet werden, haben wir die Verpflegung dabei miteingerechnet. Dabei wurde beachtet, ob Einrichtungen elf oder zwölf Beiträge erheben. In Herrenberg, Waiblingen, Esslingen und Ostfildern wurde dabei zudem die Gehaltsstaffelung berücksichtigt. Wir gehen dabei davon aus, dass beide Eltern dem jeweiligen kreisweiten Brutto-Durchschnittsgehalt entsprechend verdienen. Das lag dem Statistischen Landesamt zufolge je nach Kreis zwischen 39.000 und 52.000 Euro pro Person.