Am Donnerstag, 11. September, findet der vierte bundesweite Warntag statt. Wie gut ist der Kreis Esslingen in Fällen einer Katastrophe oder gar eines militärischen Angriffs gerüstet?

Chefredakteur: Johannes M. Fischer (jmf)

Um 11 Uhr wird es am Donnerstag bundesweit laut: Dann werden in zahlreichen Orten Probewarnungen ausgelöst. 45 Minuten später ist es dann auch schon wieder vorbei: Dann soll es die Entwarnung geben.

 

Das ist nun schon das fünfte Mal, dass bundesweit ein sogenannter Alarmtag stattfindet, der einerseits testet, ob die Städte und Gemeinden bereit sind, Alarm zu geben etwa bei drohendem Hochwasser oder Unwetter. Andererseits geht es auch darum, die Bevölkerung zu sensibilisieren: Gefahren kommen häufig plötzlich; und dann gilt es, sich schnellstmöglich zu schützen. Aber gibt es überhaupt ausreichend Schutzmöglichkeiten? Im Falle eines Krieges wohl eher nicht: In ganz Deutschland gibt es kaum noch Schutzräume, beklagt der Städte- und Gemeindetag. Und auch im Kreis Esslingen sieht es düster aus, wie eine Stichprobe unserer Zeitung ergab.

Keine Schutzbunker in Esslingen und nur drei im gesamten Kreis Esslingen

„Es gibt keine Schutzbunker mehr in Plochingen“, lautet die einfache Antwort von Plochingens Bürgermeister Frank Buß. Notfalltreffpunkte und Notfallunterkünfte wurden und werden auch weiterhin geplant, so Buß. Ebenso ernüchternd klingt die Antwort aus der Nachbarstadt in puncto Bunker: „In Wernau gibt es keine Schutzbunker“, so die Hauptamtsleiterin Leonie König.

Nicht anders in der größten Stadt des Landkreises: „Im Esslinger Stadtgebiet stehen für die Bevölkerung keine Bunker zur Verfügung“, berichtet Sprecher Marcel Meier. Überhaupt gibt es im gesamten Kreis nur drei öffentliche Schutzräume, so die Auskunft auf dem Landratsamt.

Was es aber in Esslingen gibt, sind die bereits genannten Notfalltreffpunkte. Über das gesamte Stadtgebiet verteilt, sind es Anlaufpunkt für die Bevölkerung im Krisenfall.

Notfalltreffpunkte wurden im Kreis Esslingen bereits viele eingerichtet

Notfalltreffpunkte gibt es ebenfalls in Ostfildern. Aber auch hier keine Bunker. Die Stadt arbeite jedoch an einer „Übersicht aller Tiefgaragen und tiefer gelegenen Räume, die im Ernstfall als Schutzräume genutzt werden können“, sagt Sprecherin Tanja Eisbrenner. 

Neben den Bunkern für den schlimmsten aller Notfälle und den Notfalltreffpunkten, gibt es ein weiteres wichtiges Instrument, die Bevölkerung zu schützen: die Erstinformation über Lautsprecherdurchsagen oder Warnsignale, die über das Smartphone eingespielt werden. Und dann wäre da auch noch die klassische Sirene.

Die Sirene war in Deutschland schon ausgemustert – jetzt kommt sie zurück

Die Sirene wurde in Deutschland eigentlich schon ausgemustert, erfährt aber seit einigen Jahren eine Wiederbelebung, weil der Bund 2021 ein Sirenenförderprogramm auflegte.

So gibt es im Landkreis Esslingen 39 funktionsfähige Sirenen, die sich auf 17 Städte und Gemeinden verteilen. Fünf weitere Sirenen befinden sich nach Auskunft des Landratsamtes im Aufbau. Im Wernauer Stadtgebiet sind beispielsweise vier Sirenen aufgestellt, allerdings allesamt „noch nicht vollständig angeschlossen, sodass diese bisher nicht in Betrieb genommen werden konnten“. Hier wird es also keinen plötzlichen Alarm geben und sich niemand erschrecken. Doch schon im kommenden Jahr könnte das am Warntag anders aussehen. „Die zuständige Fachfirma wurde bereits beauftragt“, heißt es im Wernauer Rathaus, „allerdings verzögert sich die Fertigstellung aufgrund hoher Auftragslage.“

Nicht ganz so weit ist Ostfildern. „Sirenen sind in Ostfildern aktuell noch nicht vorhanden“, räumt das dortige Rathaus ein. Und versichert, es gebe ein Konzept „zur flächendeckenden Ausstattung mit Sirenen“, das „in den kommenden Jahren umgesetzt werden soll“. Keine Sirenen gibt es auch in Esslingen, und es soll wohl auch in Zukunft keine geben. „Nein“, räumt Sprecher Meier ein, „in Esslingen gibt es keine klassischen fest installierten Sirenen“. Diese seien in der klassischen Form, was die Informationsvermittlung im Krisenfall anginge, „auch nur sehr eingeschränkt sinnvoll“. Die Stadt Esslingen beschäftigt sich stattdessen mit Alternativen zu den klassischen Systemen.

Es muss keine Sirene sein: In Esslingen und Kirchheim gibt es Lautsprecherdurchsagen

Ein Fahrzeug des Gemeindevollzugsdienstes der Stadtverwaltung Kirchheim vor dem Ötlinger Rathaus. Es wird am Warntag durch die Straßen fahren und warnen – aber zugleich auch entwarnen mit den Worten: „Dies ist ein Übungsalarm.“ Foto: Stadt Kirchheim

Zu diesen Alternativen gehören beispielsweise in Esslingen und in Kirchheim Lautsprecherdurchsagen. Das klingt im Kirchheimer Ortsteil Ötlingen dann so: „Achtung, Achtung, dies ist ein Übungsalarm im Rahmen des bundesweiten Warntags. Es sind keine weiteren Maßnahmen erforderlich.“ In Esslingen wird es im Bereich des Marktplatzes und der Fußgängerzonen sowie in Oberesslingen Lautsprecherdurchsagen geben.

Letztlich liegt es in der Verantwortung der Stadt oder der Gemeinde, wie sie mit dem Warntag umgeht. Eine Pflicht, die Sirenen anzuschalten, gibt es nicht. „Die Kommunen können selbst entscheiden, ob sie mit ihren Sirenen am Warntag teilnehmen“, heißt es dazu im Landratsamt.