Bevölkerungszahlen für 2025 Stuttgart verliert erneut Einwohner – Bald unter 600.000 Menschen?

Auch im Jahr 2025 haben mehr Menschen Stuttgart verlassen als zugezogen sind. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

2019 zählte Stuttgart 614.599 Einwohner. Ende 2025 waren es nur noch 605.663. Neben Zu- und Wegzügen bestimmt ein weiterer wichtiger Faktor die Entwicklung.

Die Landeshauptstadt hat im vergangenen Jahr deutlich Einwohner verloren. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 lebten 605.663 Menschen mit Hauptwohnsitz in Stuttgart, das waren 3671 weniger als Ende 2024. Laut Statistikamt setzt sich der Rückgang aus dem deutlich negativen Wanderungssaldo von 3252 Personen und dem Geburtendefizit (mehr Sterbefälle als Geburten) von 419 Personen zusammen.

 

Ende 2023 hatte Stuttgart noch 610.069 Einwohner gezählt, 2019 waren es 614.599 gewesen. Während bei den deutschen Staatsangehörigen 2025 ein negativer Wanderungssaldo von 3659 Personen verzeichnet wurde, wurden 407 Personen ohne deutschen Pass mehr gezählt. Der Wanderungssaldo der Ukrainer und Ukrainerinnen lag im dritten Jahr seit Beginn des Krieges bei plus 529, Ende 2023 lebten bereits 10.550 hier. Weitere merkliche Wanderungsgewinne gab es bei Menschen mit kosovarischer (plus 202) und vietnamesischer (plus 158) Staatsangehörigkeit. Deutlich zurückgegangen sind sie bei Personen mit türkischer, syrischer, afghanischer und iranischer Nationalität, so Matthias Fatke, der Leiter des Statistikamtes.

Zuwachs aus Land auch wegen Geflüchteter

Direkt aus dem Ausland zogen im vergangenen Jahr 92 Personen weniger nach Stuttgart, als ins Ausland fortzogen. Auch gegenüber anderen Bundesländern verlor die Stadt an Attraktivität, der Wanderungsverlust erreichte hier 762 Personen. Seit 2019 ist dieser Saldo negativ. Bevölkerung hinzugewinnen konnte Stuttgart dagegen wie seit mehr als 20 Jahren aus anderen Teilen Baden-Württembergs, der Zuwachs betrug 1079 Personen. Darunter sind auch Geflüchtete, die der Stadt zugewiesen wurden. Betrachtet man nur die umliegenden Landkreise der Region Stuttgart, so war Stuttgart auch hier Verlierer: Per Saldo verließen 3300 Menschen mehr die Stadt in Richtung Umland als in Gegenrichtung.

Mehr Einbürgerungen

Ende 2025 lebten 170.289 Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit in Stuttgart. Damit lag ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung bei 28,1 Prozent. Die Zahl der ausländischen Einwohnerinnen und Einwohner sank gegenüber dem Vorjahr mit minus 3092 Personen deutlich. Das liegt an der Zunahme der Einbürgerungen. 2025 wechselten 3719 Personen (2024: 2683) per Saldo von einer ausländischen zur deutschen Staatsangehörigkeit. Das wirkte sich auf den Rückgang aus.

Wieder mehr Sterbefälle als Geburten

Durchschnittlich bekommt eine Frau in Stuttgart 1,12 Kinder. Foto: picture alliance/dpa

Auch 2025 gab es in Stuttgart mehr Sterbefälle als Geburten: 5327 Kinder wurden geboren, 5746 Menschen zu Grabe getragen. Damit setzte sich die Entwicklung der vergangenen Jahre fort. Die Fertilitätsrate hat sich laut Statistikamt nach ihrem Rückgang in den Jahren 2022 und 2023 bei 1,12 Kindern pro Frau wieder stabilisiert.

Vier Bezirke im Plus

Die Bevölkerung wuchs 2025 nur in vier von 23 Stadtbezirken, ansonsten ging sie überall zurück. Gewinner sind Birkach (plus 0,5 Prozent), Feuerbach (plus 0,4 Prozent) und Wangen (plus 0,3 Prozent). Deutliche relative Verluste zeigten sich insbesondere in Möhringen (minus 3,2 Prozent), Mitte (minus 2,2) und Münster (minus 1,2).

Haus und Grund kritisiert Stadt

In absoluten Zahlen gingen die Einwohnerzahlen vor allem in Möhringen (minus 1105) und im Stadtbezirk Mitte (minus 525) zurück. Bei dieser kleinräumigen Betrachtung spielen die städtischen Flüchtlingsunterkünfte eine Rolle. Ohne diesen Effekt wäre die Einwohnerzahl von Möhringen nur um 0,2 Prozent zurückgegangen, Birkach und Wangen hätten Bevölkerung verloren statt gewonnen. Den stärksten prozentualen Bevölkerungszuwachs hätte Plieningen (plus 1,1 Prozent), die stärksten Verluste Münster (minus 1,2 Prozent).

Zur Jahrtausendwende lag die Einwohnerzahl von Stuttgart bei 551.747, im Oktober 2015 war die Marke von 600.000 Einwohnern überschritten worden. Die negative Einwohnerentwicklung nimmt der Eigentümerverband Haus und Grund zum Anlass, erneut die Abschaffung der Mietpreisbremse zu fordern. „Die aktuelle Wirtschaftslage und der Bevölkerungsrückgang sind zwingende Argumente dafür, die Mietpreisbremse in Stuttgart nicht nochmals zu verlängern“, sagt Geschäftsführer Ulrich Wecker. Am Wohnungsmarkt sei Entspannung zu beobachten. Der Stadt wirft Wecker vor, beim sozialen Wohnungsbau versagt zu haben, denn die Zahl der Sozialwohnungen sei von 2016 bis 2024 um rund 750 zurückgegangen. Wecker: „Statt der Mietpreisbremse braucht es mehr Neubau und individuelle Förderung durch Wohngeld.“

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