Bezirksliga Stuttgart/Böblingen Botnang oder Büsnau – welcher der beiden Aufsteiger dreht das ganz große Ding?

Mit dem ASV Botnang auf Aufstiegskurs: der Urlaubsrückkehrer und Torschütze Edison Qenaj (links). Foto: Günter Bergmann

Nur noch diese zwei Teams können Meister werden. Derweil verpflichtet die Spvgg Cannstatt einen Ex-Verbandsliga-Stürmer und erhält der SV Bonlanden eine Schockdiagnose.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Wer das vor Saisonbeginn getippt hätte, wäre wahlweise als völlig ahnungslos oder Scherzkeks eingestuft worden. Und manch einer hatte es wohl bis zuletzt immer noch nicht wirklich glauben wollen. Irrtum jedoch. Denn nun, seit diesem Sonntag, ist es fix: Der Stuttgarter Teil der Fußball-Bezirksliga erhält eine der größten Überraschungen seiner 48-jährigen Geschichte. ASV Botnang oder TSV Jahn Büsnau – einer der beiden Aufsteiger wird am nächsten Sonntag den Meistertitel und damit Durchmarsch in die Landesliga feiern. Das finale Fernduell zweier ursprünglich krasser Außenseiter um Platz eins. Nur diese beiden Kandidaten sind noch übrig, nachdem der bislang größte Rivale SV Deckenpfronn auf der Zielgeraden ins Straucheln geraten ist.

 

Derweil sind im Tabellenkeller die Entscheidungen schon am aktuellen vorletzten Spieltag gefallen. Nach dem abgeschlagenen Letzten VfL Oberjettingen stehen auch Croatia Stuttgart, der SV Nufringen und der TSV Dagersheim als Absteiger in die Kreisliga A fest. Der SV Rohrau muss als Fünftletzter in die Relegation. Bangendes Fragezeichen-Team bleibt trotz seines Derbysiegs der TV Echterdingen II. Dessen sportliches Schicksal hängt von der eigenen ersten Mannschaft ab. Steigt jene aus der Landesliga ab, hätte die „Zweite“ ihren Startplatz automatisch zu räumen.

ASV Botnang: nur noch ein Punkt fehlt

So mulmig also die Echterdinger Gemütslage ist, so aufgekratzt stellt sie sich beim ASV Botnang dar. Eh schon beglückt durch den eigenen 3:1-Arbeitssieg gegen den TSV Musberg und die damit erfolgreich verteidigte Tabellenführung, ereilte die Mannen von der Furtwängler Straße noch eine Zugabe. Beim Grill-Heimabschlussfest mit ihren Fans hockten sie bereits, als endlich das Ergebnis vom Spiel des Verfolgers Deckenpfronn eintrudelte. Wegen einer Gewitterunterbrechung war jenes erst eine Stunde später beendet. Und dann ging die Stimmung erst richtig durch die Decke.

Mit der unerwarteten zweiten Deckenpfronner Niederlage innerhalb von sechs Tagen (2:3 gegen Herrenberg, 1:2 in Darmsheim) ist klar, dass die Botnanger mit einem Drei-Punkte-Polster auf den neuen Zweiten Büsnau ins Saisonfinale gehen. Ein Unentschieden just in Deckenpfronn reicht nun, um den größten Erfolg der ASV-Abteilungsgeschichte einzutüten. Landesliga, wir kommen? „Ganz Botnang freut sich jetzt auf dieses letzte Rundenspiel“, sagt der Trainer Alexander Schweizer. Ja, mehr noch: „Ganz Botnang brennt.“ Und zwar mittlerweile natürlich auf den Titel und nicht auf eine etwaige Relegationsteilnahme als Vizemeister, welche die Mannschaft mindestens bereits sicher hat.

Verschmerzbar somit, dass der aktuelle Auftritt zur lange zähen Geschichte geriet. Gegen mit Fünferkette verteidigenden Gäste hatte der Spitzenreiter ein dickes Brett zu bohren. Dann betätigte sich ein Ersatzmann und etatmäßiger Abwehrspieler als Türöffner. Micha Huber traf mit einem 20-Meter-Flachschuss zur Führung (50.). Er war kurzfristig für den kranken Ilyasse Hibaoui in die Startelf gerutscht. Beruflich bedingt steht Huber in dieser Saison nur sporadisch zur Verfügung. Vollends gestellt waren die Weichen dann mit einem Foulelfmeter des Amerika-Urlaubrückkehrers Edison Qenaj.

Und eben Urlaubsrückkehr ist auch ein weiteres gutes Stichwort. Der Torjäger und Trainerbruder Daniel Schweizer fehlte an diesem Sonntag. In seinem Fall nun eigentlich zwei Wochen Griechenland. Eigentlich. Ob sich für den nahenden Spieltag aller Spieltage vielleicht doch noch eine Lösung finden lässt? Kleiner Zwischendurch-Trip Hellas – Stuttgart, und am Tag darauf wieder zurück? Ausschließen will es der Coach Schweizer nicht. Schließlich, wer wollte es verpassen, wenn hier, wie er es nennt, „eventuell Historisches passiert“?

Freude schon mal über die gefestigte Tabellenführung. Nun will der ASV Botnang am nächsten Sonntag noch einen draufsetzen. Foto: Günter Bergmann

TSV Jahn Büsnau: Relegation – oder sogar noch mehr?

Der Einzige, der den Botnangern den ganz großen Coup noch entreißen kann, ist wie gesagt der Mitaufsteiger TSV Jahn Büsnau. Der Klassenneuling vom Adolf-Engster-Weg könnte unter zwei Bedingungen noch vorbeiziehen. Erstens: Er gewinnt sein eigenes letztes Spiel beim bereits als Absteiger feststehenden Tabellenvorletzten Croatia Stuttgart – woran, gemessen an den Formkurven von zuletzt, keiner ernsthaft zweifeln kann. Zweitens aber: Der Rivale Botnang müsste gleichzeitig in Deckenpfronn als Verlierer vom Rasen gehen.

Freilich, das wäre für die Büsnauer nurmehr das irre Topping zu einer auch so schon „überragenden Saison“, wie der scheidende Trainer Dominik Lenhardt konstatiert. Allein die Tatsache, mit dem Sprung auf Platz zwei nun definitiv bis zum Schluss im Aufstiegsrennen zu sein, hat auch in Büsnau am Sonntag für innerliche Freudensprünge gesorgt. Relegation als Vizemeister? Sehr gerne doch. Auch wenn Lenhardt nach dem aktuellen 6:1-Schützenfest gegen den SV Nufringen mahnt, „dass die Euphorie nicht zu früh zu groß werden darf.“ Denn: „Noch haben wir es ja nicht geschafft.“

Ein vorsichtiger Blick auf den Terminplan sei allerdings schon einmal erlaubt: Erstrundengegner in der Zusatzschicht wäre Stand jetzt der TV Echterdingen, und zwar am 13. Juni (18 Uhr) auf dem Sportgelände der SV Böblingen. Und bis dahin könnte es auch personell wieder besser aussehen. Momentaner Stand: Zwei von drei Torjägern sind verletzt. Cedric Hornung (Knieprobleme) fehlt bereits seit Wochen, und nun hat es auch noch Marc Hetzel erwischt. Ein wackliger Zahn nach der versehentlichen Begegnung mit einem gegnerischen Ellbogen – für den Ex-Verbandsliga-Kicker war bereits nach wenigen Spielminuten Schluss.

Aber zum Büsnauer Glück gibt es im Aufgebot dann ja noch einen weiteren Mann mir Knipserpotenzial: auch bei den Jahn-Kickern familiäre Bande. Was den Botnangern ihre Schweizers sind, sind ihnen ihre Lenhardts. Sebastian, der Jüngste, wartete mit drei Torbeteiligungen auf und heimst ein Sonderlob von seinem coachenden Bruder Dominik ein: „Eine Topleistung von ihm.“ Genau so top wie das eine Tor, das dem Gegner gelang. Scheinbare Nufringer Devise: Wenn schon Abstieg, dann mit Glitzer und Girlanden. Der Gäste-Spielertrainer Dustin Kappus zog von kurz hinter der Mittellinie auf. Gut 50 Meter Entfernung, schwupp und im hohen Bogen drin. Dem Keeper Hannan Ullah, eigentlich nur Büsnaus Nummer drei, blieb nur der ohnmächtige Blick hinterher. Zwischen den Pfosten stand er anstelle von Simon Hochschein (Trainingsrückstand nach Urlaub) beziehungsweise Elias Aisenbrey (Hand gebrochen).

TSV Musberg: „ein Unding“ aus Sicht des Trainers

Dass man nicht unbedingt aktiv gewinnen muss, um happy zu sein, zeigt unterdessen das Beispiel dreier Stuttgart/Filder-Staffelkollegen. So eint den TSV Musberg, die Spvgg Cannstatt sowie den SV Bonlanden eines: keine Punkte auf dem Spielfeld, aber Erleichterung in der Tabelle. Das Zittern um den Klassenverbleib ist für sie alle dennoch vorbei – wobei sich der Musberger Trainer Christopher Eisenhardt nach dem erwähnten 1:3 der Seinen in Botnang einen verbalen Seitenhieb nicht verkneifen mag.

Die Tatsache, dass er und sein Team mit 42 Punkten auf dem Konto überhaupt noch rechnen mussten? Dass heuer ob der Entwicklung in den übergeordneten Spielklassen nach wie vor eine verschärfte Zahl von bis zu fünf Absteigern möglich ist? „Ein Unding“, findet Eisenhardt, „da ist vonseiten des Verbands ein Fehler im System“. Aus seiner Sicht „werden da Vereine, die ihren Job machen, für die Fehler von Vereinen bestraft, die ihre Aufgaben nicht erledigen“.

Die Musberger, hierzu von Eisenhardt kein Zweifel, haben ihren Job gemacht, gleichwohl sich ihr aktueller Gegner als letztlich zu stark erwies. Was sich nicht mehr klären lässt: Wie wäre es gelaufen, wenn Florian Müller die eigene große Führungschance nicht vergeben hätte? Und: Welchen Einfluss hätte es auf die Begegnung genommen, wenn der Schiedsrichter in einer umstrittenen Szene anders entschieden hätte? In der zweiten Hälfte erhitzte ein nicht erteilter Platzverweis die Gäste-Gemüter. Nach Eisenhardts Einschätzung hätte es den Botnanger Abwehrchef Marouan Abarriche mit Gelb-Rot erwischen müssen – was aber nicht geschah.

Spvgg Cannstatt: Verabschiedung der Aussteiger fällt aus

Gänzlich aufregungsfrei verlief hingegen der Spieltag der Spvgg Cannstatt. Denn zu einem Schlagabtausch auf dem Feld kam es erst gar nicht. Der Gegner VfL Oberjettingen sagte seinen Auftritt wegen Personalmangels ab. Drei kampflose Zähler also, Wertung 3:0. Hadern lässt bei den Neckarstädtern allein, dass somit auch die offizielle Verabschiedung der Aussteiger ins Wasser fiel. Hinzugekommen sind unter den Abgängen noch Marvin Haller (SG Weinstadt) und Devrim Azad Sefer (TV Echterdingen). Außerdem hören wie berichtet die Leistungsträger-Oldies Marco Schulz, Markus Lurz und Fabian Ipowitz auf. „In Notfällen stünden sie wohl noch als Back-up zur Verfügung“, hofft der Trainer Damian Nagler.

Demgegenüber ist eine höherklassig erprobte Angriffsverstärkung perfekt: Marlon Klaus (24, zuletzt SV Langensteinbach) zieht es aus der Landesliga Mittelbaden von Berufs wegen nach Stuttgart. Sogar Verbandsliga-Erfahrung sammelte er auf einer seiner vorherigen Stationen beim TV Reichenbach.

SV Bonlanden: Zugabe zu einer Pleiten-Pech-und-Pannen-Saison

Der SV Bonlanden wiederum lässt als ebenfalls Geretteter einen schnaufenden Trainer zurück. Ja, wenigstens das Schlimmste ist nun definitiv verhindert. Gar noch ein Taumeln in die Abstiegszone wäre für eine Mannschaft, die anfänglich als Titelanwärter gehandelt wurde, allerdings auch der Gipfel gewesen. In negativer Hinsicht freilich. Auch so haben die Filderstädter eine Pleiten-Pech-und-Pannen-Saison hinter sich, zu der die Derby-Vorstellung vom Sonntag passte. Endstand: eine 2:4-Schlappe beim TV Echterdingen II. Oder, um es mit besagtem Coach Carmine Napolitano zu sagen: „Unterste Schublade. Von uns derart schlecht, dass jeder weitere Satz dazu Zeitverschwendung wäre.“

Bezeichnend für den Gästetag das erste Gegentor, das nach nicht einmal 60 Sekunden fiel. Verunglückter Rückpass Julian Schock, verunglückter Befreiungsschlag Jonas Aisslinger, der den Echterdinger Angreifer Mischa Inthasane anschoss – und von dem, quasi als Bande, sprang die Kugel ins Tor. „Riesendank“ von Napolitano allein an seinen „Freund Bernd“. Bernd mit Nachname Gluiber – und seines Zeichens Amtskollege beim Staffelrivalen Holzgerlingen. Letzterer hat mit seinem 4:3 in Rohrau die benötigte Schützenhilfe geleistet, dass es nun nicht noch brenzlig wird.

Bitteres obendrein: Beim seit März in Folge einer Grippe fehlenden Stammkeeper Luca Wiedmann wurde mittlerweile eine Herzmuskelentzündung diagnostiziert. Für die nächste Saison kommt Antonios Tsiouralis (GFV Ermis Metanastis Stuttgart) als Ersatz an die Humboldtstraße. Ebenso unter Dach und Fach ist der Transfer von Marcel Fritz (32, FV Neuhausen, Abwehr).

Große Ungewissheit derweil beim Gegner TV Echterdingen II. Dessen Elf attestiert der Trainer Martin Kittelberger „eine tadellose Leistung“. „Wichtig fürs Team, dass wir unseren Teil beigesteuert haben“, sagt er. Von dieser Seite her wäre die Abstiegsgefahr gebannt – durch die eigene erste Mannschaft aber bleibt sie nach wie vor.

SV Vaihingen und Croatia Stuttgart: Spielabbruch

Für den SV Vaihingen und Croatia Stuttgart schließlich ging es schon jetzt um kaum noch etwas – ehe ihr Kick bei einer 8:1-Führung der Gastgeber ein abruptes Ende fand. Abbruch nach rund einer Stunde wegen eines Gewitters. „Berechtigt. Alles andere wäre verantwortungslos gewesen“, sagt der Vaihinger Trainer Tim Schumann. Eigentlich müsste die Partie nun neu angesetzt werden. Croatia hat jedoch bereits signalisiert, auf ein Nachsitzen zu verzichten. Die Punkte dürften somit auf das Konto des Tabellenfünften vom Schwarzbach wandern.

So oder so beendet ist die Aufholjagd des aktuell dreifachen Torschützen Tyron Ferrari im Kampf um Schützenkanone unserer Zeitung. Bis auf drei Treffer ist er mit seiner diesmaligen Ausbeute an den Führenden Simon Lindner (TV Darmsheim, 26 Tore) herangerückt. Nur: nun hat sich der Youngster in den Urlaub verabschiedet.

Eine knappe Woche noch, dann kann es ihm der Großteil der Liga nachtun. Dann wird die Punkterunde 2025/2026 Geschichte sein. Auch für Croatia, den künftigen A-Kreisligisten, bei dem der Interimstrainer Marko Matovina zum Dauertrainer aufsteigen wird. Beim Club vom Frauenkopf gilt; Sehnsucht Sommerpause. Nicht jeder findet’s gerade noch so toll wie die Kollegen aus Botnang und Büsnau.

Die Statistik zum 29. Spieltag

TSV Jahn Büsnau – SV Nufringen 6:1. Tore: 1:0 Sebastian Lenhardt (2., Foulelfmeter), 2:0 Manuschewski (15.), 2:1 Kappus (45.+2), 3:1 Breuninger (48.), 4:1 Sebastian Lenhardt (53.), 5:1 Specht (62.), 6:1 Specht (86.). Besonderes: –

SV Rohrau – Spvgg Holzgerlingen 3:4. Tore: 0:1 Hamm (5.), 1:1 Moser (16.), 1:2 Hamm (36.), 2:2 Kallab (43.), 2:3 Horn (57.), 2:4 Klein (70.), 3:4 Krägeloh (82.). Besonderes: –

TV Echterdingen II – SV Bonlanden 4:2. Tore: 1:0 Inthasane (1.), 2:0 Steyer (35.), 2:1 Tschentscher (46.), 3:1 Boll (51.), 4:1 Keskin (67.), 4:2 Adam (87.). Besonderes: 20-minütige Unterbrechung wegen eines Gewitters (60.)

Spvgg Cannstatt – VfL Oberjettingen ausgef. Tore: – . Besonderes: Oberjettingen wegen Spielermangels nicht angetreten. Spielwertung: 3:0.

VfL Herrenberg – TSV Dagersheim abgebr. Tore: 0:1 Yesilirmak (30.). Besonderes: Spielabbruch wegen eines Gewitters (55.). Neuansetzung der Begegnung für Mittwoch, 3. Juni.

TV Darmsheim – SV Deckenpfronn 2:1. Tore: 0:1 Wunsch (4.), 1:1 Hirth (13.), 2:1 Hirth (90.+7). Besonderes: einstündige Unterbrechung wegen eines Gewitters (mit Beginn der Halbzeitpause)

ASV Botnang – TSV Musberg 3:1. Tore: 1:0 Huber (50.), 2:0 Qenaj (66., Foulelfmeter), 3:0 Ceesay (69.), 3:1 Rath (90.+1). Besonderes: –

SV Vaihingen – Croatia Stuttgart abgebr. Tore: 1:0 Müller (10.), 1:1 Stevanovic (10.), 2:1 Ferrari (26.), 3:1 Müller (34.), 4:1 Eisentraut (35.), 5:1 Eisentraut (36.), 6:1 Ferrari (38.), 7:1 Müller (48.), 8:1 Ferrari (51.). Besonderes: Spielabbruch wegen eines Gewitters (60.)

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