Bezirksvorsteherin zu Ladensterben Frau Weis, warum schließen in Möhringen so viele Geschäfte?

Die Filiale von Das Backparadies an der Kreuzung Filderbahnstraße/Vaihinger Straße in Möhringen ist seit vielen Wochen geschlossen. Foto: Daniel Gräfe

Innerhalb kurzer Zeit haben in Möhringens Mitte drei Traditionshändler zugemacht. Was ist da los?

Geld/Arbeit: Daniel Gräfe (dag)

Das Aus von Einrichtung Kern, der Buchhandlung Pegasus und dem Backparadies an der Möhringer Filderbahnstraße sorgt nicht nur unter den Händlerinnen und Händlern für Gesprächsstoff. Warum machen in einem der populärsten Stuttgarter Stadtbezirke so viele Traditionshändler zu? Und warum gibt es keine Nachfolger? Möhringens Bezirksvorsteherin Evelyn Weis über ihre Sicht der Dinge.

 

Frau Weis, warum schließen in Möhringens Mitte so viele Traditionshändler?

Das Haushaltswarengeschäft Kern, die Buchhandlung Pegasus und das Backparadies haben aus Altersgründen geschlossen – und weil es keine Nachfolge gab. Ebenso war es bei Gessler Mann & Mode zuvor. Es lag also nicht am fehlenden Umsatz. Warum sie keinen Nachfolger gefunden haben, kann ich nicht sagen.

Evelyn Weis, Bezirksvorsteherin von Möhringen Foto: Thomas Niedermueller/Stadt Stuttgart

Die Geschäfte stehen teils über ein Jahr leer. Was tun Sie dagegen?

Ich stehe mit dem Handelsverein vor Ort im Kontakt und treffe mich auch regelmäßig mit der Wirtschaftsförderung. Wenn wir hören, dass ein Geschäft aufhört, setzen wir uns ebenfalls in Verbindung, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Wie sieht das aus?

Wir versuchen die Eigentümer oder Vermieter anzuschreiben und bieten Unterstützung an. Wir können Kontakte herstellen und als Lotse fungieren – das sehen wir als eine unserer Aufgaben an. Aber am Ende müssen Nachfrage und Angebot stimmen. Leider passen die Flächen oft nicht mehr zu modernen Handelskonzepten.

Wie meinen Sie das?

Die Gebäude in der Filderbahnstraße waren für die damaligen Bedarfe konzipiert. Jetzt sind die Flächen oft entweder zu groß, zu klein oder zu verwinkelt. Der neue Ladeninhaber muss sich auch fragen, ob sich ein Geschäft hält. Er muss sich seine Stammkundschaft wieder erarbeiten und die heutigen Gegebenheiten, mit denen der Einzelhandel zu kämpfen hat, mitbedenken – wie etwa den Onlinehandel.

Stimmt der Handelsmix noch?

Ja, auch wenn der Leerstand ins Auge sticht. Wir haben noch immer viele Traditionsgeschäfte wie Optik Schweizer, Eisenwaren Waldbaur, die Metzgerei Bienzle, die Buchhandlung Ebert, das Schuh- und Modegeschäft Wolf, den Juwelier Schmuck Kauper oder die Bäckerei Schrade, wo die Nachfolge geregelt wurde. Wir haben ein Reformhaus, einen Geschenk- und einen Blumenladen. Auch in der näheren Umgebung gibt es Spezialitätenläden oder den Reyerhof

Gerade im Zentrum, an der Kreuzung von Filderbahnstraße und Vaihinger Straße, gibt es fast nichts.

Was fehlt, ist ein Publikumsmagnet wie eine Drogerie. Hier ist mit dem Drogeriemarkt Müller ein wichtiger Ankermieter weggezogen. An der Vaihinger Straße selbst gibt es vor allem Gastronomie. Damit kann aber Möhringen durchaus punkten, vor allem im hochwertigen Bereich, etwa mit dem „Hirsch“, dem „Hexle“ oder dem „Gasthaus zur Linde“.

Der zentrale Filderbahnplatz wirkt teils wie verwaist. Außer zwei kleine Kioske gibt es derzeit überhaupt keinen Händler.

Wenn ich vorbeischaue, sehe ich immer wieder Leute auf den Bänken sitzen. Aber der Platz ist vor allem eine Mobilitätsscheibe mit U-Bahn, Bus und Taxis. Als Einkaufsplatz war er meines Wissens nie geplant.

Populärer Stadtbezirk

Bezirksvorsteherin
Seit 2016 ist Evelyn Weis die Bezirksvorsteherin des Stuttgarter Stadtbezirks Möhringen. Sie wurde 1970 in Hamburg geboren und machte eine Ausbildung zur Diplom-Finanzwirtin und studierte Jura an der Uni Tübingen.

Stadtbezirk
Der Stadtbezirk umfasst insgesamt neun Stadtteile, neben Möhringen sind dies Fasanenhof (inklusive Fasanenhof-Ost), Sonnenberg, Sternhäule und Wallgraben-Ost. Im Alltag spricht man von den Stadtteilen Möhringen, Sonnenberg und Fasanenhof.

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