Bis 50 Prozent günstiger als EU-Hersteller China drängt auf den europäischen Windkraft-Markt
In Europa nimmt die Zahl der Windparks stetig zu. Auch China drängt auf den Markt, doch deutsche Unternehmen befürchten einen unfairen Wettbewerb.
In Europa nimmt die Zahl der Windparks stetig zu. Auch China drängt auf den Markt, doch deutsche Unternehmen befürchten einen unfairen Wettbewerb.
Der Bau von Windkraftanlagen ist in Europa ein Milliardenmarkt. In der florierenden Zukunftsbranche wird deshalb mit harten Bandagen gekämpft. Die deutschen Hersteller sind gut im Geschäft, doch warnen sie, dass vor allem die Konkurrenz aus China versucht, sich auch mit unfairen Mitteln Zugang zu verschaffen.
„Die chinesischen Anlagenhersteller klopfen hart an die Tür und wollen den Eintritt in den europäischen Markt, wie sie es vor 15 Jahren mit Solar und Photovoltaik gemacht haben“, sagte Giles Dickson, Chef des europäischen Windkraftverbands Wind Europe, der Nachrichtenagentur dpa in Rostock. Chinesische Unternehmen unterböten die Preise europäischer Hersteller teils um 30 bis 50 Prozent und gewährten zudem Zahlungsaufschübe von mehreren Jahren. „Diese Finanzbedingungen können sie nur anbieten, weil der Cashflow von chinesischen staatlichen Finanzbanken unterstützt wird.“ Die Firmen seien auf allen Kontinenten aktiv und wollten nun auch im europäischen Markt Fuß fassen.
Attraktiv ist der EU-Markt für China auch deshalb, weil Ursula von der Leyen in ihrer Rede im Juni nach ihrer Wiederwahl zur EU-Kommissionschefin betont hat, dass sie auch in ihrer zweiten Amtszeit den Ausbau sauberer Energien weiter vorantreiben wolle. Dazu wurde bereits vor mehreren Monaten von Brüssel das sogenannte Windkraftpaket ins Leben gerufen. Doch wird auch darin mit Skepsis auf das Agieren asiatischer Anbieter geblickt. So soll der Schutz der heimischen Industrie gegenüber Billiganbietern stärker berücksichtigt werden.
Ein wichtiger Punkt ist, dass in Zukunft bei einer Auktion für einen Windpark nicht mehr automatisch der billigste Anbieter den Zuschlag erhalten soll. Geplant ist, dass die Mitgliedsstaaten auch andere Faktoren berücksichtigen – etwa Nachhaltigkeit, den Schutz von Umwelt und Meeresboden und auch die Sicherheit der Lieferketten.
Ziel des Windkraftpakets ist es, dass bis 2030 Erneuerbare Energien insgesamt 42,5 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in der EU ausmachen sollen. Dazu müssen nach Angaben der Brüsseler Behörde allerdings die Kapazitäten mindestens verdoppelt werden. Mehr als 500 Gigawatt installierte Leistung seien bis 2030 notwendig. Ende vergangenen Jahres waren den Angaben nach 204 Gigawatt installiert.
Die Hersteller hören das natürlich sehr gerne, doch beklagen sie immer wieder die hohen bürokratischen Hürden. Das beginne bereits bei den Genehmigungen für den Transport von Windkraftanlagen. Um beispielsweise ein Rotorblatt durch Deutschland zu transportieren, braucht es demnach verschiedene Genehmigungen der jeweils betroffenen Bundesländer. Auch die Begleitung der Sondertransporte durch die Polizei muss nach Übertritt der Grenze in ein anderes Bundesland gewechselt werden.
Diese nationalen Genehmigungsverfahren sollen nach dem Willen der EU-Kommission verkürzt und vereinfacht werden. Dabei soll etwa eine stärkere Digitalisierung beim Stellen der entsprechenden Anträge helfen. Geplant ist ein Online-Tool, das die Mitgliedsstaaten bei Genehmigungsverfahren unterstützt. Dort sollen etwa die Antworten auf häufig gestellte praktische Fragen gegeben werden, die im Zusammenhang mit der Umsetzung der überarbeiteten Genehmigungsvorschriften bestehen. Damit zusammen hängt die Vereinfachung der Ausschreibungsverfahren.
Gleichzeitig will die Kommission den Zugang zu EU-Finanzmitteln erleichtern und die Länder ermutigen, im Rahmen der Möglichkeiten die Windkraftindustrie mit staatlichen Beihilfen zu unterstützen.
Auch der Datenschutz spielt bei solchen Hightech-Anlagen inzwischen eine große Rolle. Nach Ansicht von Wind Europe-Chef Giles Dickson gebe es mit Blick auf China gerade in diesem Bereich einige Bedenken. Bei den neuen Windanlagen übermittelten bis zu 300 Sensoren jede Minute viele Daten zu den Kontrollzentren. Diese Daten sollten in Europa oder in sicheren Ländern bleiben, mahnte Dickson. „In der gegenwärtigen EU-Gesetzgebung gehört China nicht zur Liste der sicheren Länder.“
Zu beachten sei, dass die gesendeten Daten nicht nur Auskunft über Zustand und Funktion der jeweiligen Komponenten übermittelten. „Sie haben auch die Kapazität, diese Komponente zu steuern und zu beherrschen.“ Es stelle sich die Frage, ob man chinesischen Anbietern dies ermöglichen wolle, so Dickson. „Wir sind immer noch dabei, aus einer unklugen Abhängigkeit von russischem Gas auszusteigen. Wir sollten nicht in eine höhere Abhängigkeit von chinesischer Erneuerbarer Energie eintreten.“
In Deutschland hat der Bau von Windparks zuletzt deutlich an Fahrt aufgenommen. Grund dafür ist auch, dass die Bundesregierung umfangreiche Maßnahmen beschlossen hat, um den Ausbau der Erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne zu beschleunigen. Dies spielt eine Schlüsselrolle für das Erreichen von Klimaschutzzielen und die Entkopplung von fossilen Energien wie Kohle und Gas. Das Ziel: 80 Prozent des verbrauchten Stroms soll 2030 aus erneuerbaren Quellen kommen, derzeit ist es etwas mehr als die Hälfte.
Allerdings beklagt die Energiebranche im Bereich der Windenergie noch immer ein Nord-Süd-Gefälle. Während der Bau von Windrädern im Norden deutlich vorankommt, hinken vor allem die großen süddeutschen Flächenländer Bayern und Baden-Württemberg hinterher. Damit unmittelbar zusammen hängt auch der schleppende Ausbau der Stromnetze. „Es geht nicht schnell genug voran,“ beklagt Wind Europe-Chef Giles Dickson. Aber auch hier hat die EU die Herausforderung erkannt und im vergangenen November einen ehrgeizigen Aktionsplan für den Ausbau und die Weiterentwicklung der Strominfrastruktur aufgestellt.