Bei drei Stellen schauen wir nun nochmals genauer hin – weil die Eltern zur Rückmeldung des Ordnungsamts noch einiges anzumerken hatten. Die drei Gefahrenstellen in Heumaden, Weilimdorf und Botnang zeigen auch exemplarisch, wie schwierig es im Detail ist, Gefahrenstellen an Schulwegen zu entschärfen.
Beispiel 1: Zebrastreifen
„Am Zebrastreifen gegenüber Pfennigäcker 18 werden wir mehrmals wöchentlich übersehen“, meldete ein Vater vom Schulweg zur Grundschule Heumaden. Der Hinweis des Ordnungsamts, eine „Aufrüstung des Zebrastreifens“ werde bereits geprüft, reicht ihm nicht – weil erste E-Mails zu dem Thema bereits sechs Jahre zurückliegen.
In der Straße Pfennigäcker gab es Ärger um eine Buslinie, die seit August 2022 hier durchfährt. Dem Vater gehe es aber um die Sicherheit am Zebrastreifen. Er habe „konkrete, nicht sonderlich teure Maßnahmen vorgeschlagen“, erklärt der Vater und zählt Gummipoller, Parkverbotsschilder oder eine bessere Kennzeichnung auf.
Warum geht es in einem vermeintlich klaren und leicht zu lösenden Fall so langsam voran? Dazu sagt der Stadtsprecher Oliver Hillinger nichts. Aber: „Das Amt für öffentliche Ordnung hat beauftragt, die Schilder am Zebrastreifen und dessen Beleuchtung zu verbessern. Der Auftrag an die ausführenden Ämter dazu ist erfolgt.“ Möglicherweise ist der Überweg an dieser Stelle also tatsächlich bald sicherer.
Beispiel 2: Blitzer
An der Solitudestraße zwischen Weilimdorf und Korntal „finden teilweise Autorennen und riskante Überholmanöver statt“, schrieb ein Vater, der von seinem Arbeitszimmer diesen Straßenabschnitt bestens im Blick hat. Eine große Gefahr für die Kinder, die auf dem Weg zur Reisachschule an dieser Straße entlanggehen.
Die Stadtverwaltung antwortete, der „Außerortscharakter“ sei problematisch und an der Stelle werde regelmäßig mit mobilen Kontrollen die Geschwindigkeit überwacht. Das reiche nicht, argumentiert der Vater. „Hier würden stationäre Blitzer oder eine Fußgängerampel helfen, so wie vor ein paar Jahren an der Theodor-Heuss-Straße.“
Ein Blitzer wird aller Voraussicht nach an der Solitudestraße nicht installiert. Das gehe nur, wenn es sich „um eine in besonderem Maße schutzwürdige Zone handelt“, schreibt Oliver Hillinger. Schulen oder Seniorenheime zählten zwar dazu, es müsse aber auch tatsächlich infolge von zu hoher Geschwindigkeit zu Unfällen kommen. „Einen solchen Unfallschwerpunkt gibt es nach Erkenntnissen des Amtes für öffentliche Ordnung in der Solitudestraße nicht“, heißt es aus dem Rathaus. Zudem befinde sich die Reisachschule nicht direkt an der Solitudestraße, sondern etwas davon entfernt in einem Wohngebiet.
Auch neue Zebrastreifen oder Ampeln sind an bestimmte Voraussetzungen gebunden. Sie sind erforderlich, „wo Fußgänger nach angemessener Wartezeit keine ausreichenden Lücken im Verkehr finden, um die Straße zu queren“, schreibt das Ordnungsamt. Verlangt sind zudem bestimmte Verkehrsmengen. Die Frage, ob ein Zebrastreifen oder eine Ampel an dieser Stelle möglich wären, hat die Verwaltung nicht beantwortet.
Beispiel 3: Schul- und Schleichwege
Sehr emotional ist die Diskussion über den Weg zur Kirchhaldenschule in Botnang, und das seit Jahren. Eine Mutter beklagt, der mittlere Bauernwaldweg werde von Autofahrern trotz Durchfahrtsverbot als Schleichweg genutzt und sei mangels Gehweg unsicher für die Kinder.
Im Schulwegplan für die Kirchhaldenschule finde sich für die Gegend keine Empfehlung. Auf die Antwort der Stadt, eine Kontrolle des Durchfahrtsverbots habe kaum Auffälligkeiten ergeben, antwortet die Mutter: „Die Durchfahrtskontrollen fanden während des Corona-Lockdowns statt.“
Was sagt die Stadt zu den Vorwürfen? Der Schulwegplan sei nicht lückenhaft: „Tatsächlich kennzeichnet er Gehwege und Fußgängerüberwege, welche für einen Schulweg besonders empfohlen werden“, schreibt das Ordnungsamt. „Das bedeutet jedoch nicht, dass per se Wege, die nicht dazu zählen, unsicher sind. Eltern haben zudem die Möglichkeit, Ihr Kind ein Stück zu begleiten, wenn sie ihre Wohnstraße als zu unsicher empfinden.“
Die angesprochenen Überwachungen hätten zu Schuljahresbeginn stattgefunden, die erste im Herbst 2021 „auf Drängen der Beschwerdeführerin“. Dass sie sich nun über den Termin beschwere, „erschließt sich dem Amt für öffentliche Ordnung daher nicht“. Die Verwaltung bleibt bei der Einschätzung, im mittleren Bauernwaldweg seien „hauptsächlich Anwohner unterwegs, die die Situation kennen“.
Zur Aktion „Achtung, Schulweg!“
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Die Redaktion von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten möchte in Kooperation mit dem Recherchenetzwerk Correctiv wissen, wie sicher die Schulwege in Stuttgart sind. Dazu brauchen wir Ihre Hilfe! Über ein einfaches Online-Tool können Sie Gefahrenstellen auf Schulwegen melden. Wir prüfen jede Eingabe und veröffentlichen sie anschließend. Das Ziel ist es, Gefährdungen von Schülerinnen und Schülern zu reduzieren. Unsere bisher erschienenen Beiträge finden Sie auf dieser Themenseite.
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Zum Abschluss des Projekts am 13. Oktober diskutieren wir im Kulturzentrum Merlin die Ergebnisse mit der Stadtverwaltung sowie Vertretern der Schulen und der Initiative „Kidical Mass“. Für die Diskussion im Merlin am 13. Oktober (Beginn 11.30 Uhr) können Sie sich kostenlos unter diesem Link anmelden.