Börsenturbulenzen Ruhe bewahren statt Panik-Verkäufe: Wie Anleger jetzt ihr Depot schützen

Wie reagiert man als Anleger in turbulenten Zeiten richtig? Foto: KI/Midjourney/Maria Pichlmaier

Die Marktexpertin der Börse Stuttgart erklärt, wie Anleger trotz Börsenturbulenzen einen kühlen Kopf bewahren – und warum der beliebte MSCI World nicht hält, was sein Name verspricht.

Wirtschaft: Imelda Flaig (imf)

Wertpapiere rücken als Baustein für die Altersvorsorge immer mehr in den Fokus. Gleichzeitig sorgen der Iran-Krieg, widersprüchliche Aussagen von US-Präsident Donald Trump, steigende Rohstoffpreise und Inflationsängste für Börsenturbulenzen. Was bedeutet das für Anleger, und wie können sie ihr Erspartes in Zeiten geopolitischer Verwerfungen schützen?

 

Aktienkurse reagieren in Krisenzeiten teils mit heftigen Einbrüchen. „Die Börse mag keine Unsicherheiten“, sagt Cornelia Frey, Marktexpertin der Börse Stuttgart. Der Blick ins Depot mache keinen Spaß, denn da tue es teils „richtige Schläge“. Sie rät aber zur Besonnenheit. „Panik ist kein guter Ratgeber“, sagt Frey. Wer in Panik verkaufe, laufe Gefahr, die anschließende Erholung zu verpassen – ganz nach dem Motto: Man verkauft zum falschen Zeitpunkt und kauft zum falschen Zeitpunkt. „Diejenigen verlieren richtig viel Geld“, sagt Frey.

Sparpläne profitieren von niedrigen Kursen

„Schauen Sie nicht auf Tages-, Wochen oder Monatscharts, sondern auf den Jahrescharts“, sagt Frey. Man sei immer noch auf einem hohen Niveau, vor einem Jahr bzw. vor zwei, drei Jahren waren die Kurse noch deutlich niedriger. Kurzfristige Turbulenzen gebe es immer wieder, aber die Historie zeige, dass die Börse diese relativ schnell wieder aufhole. Anleger, die investiert bleiben, könnten mitunter oft schon nach wenigen Monaten Verluste wettmachen und profitieren. „Nicht permanent ins Depot schauen“, rät sie Privatanlegern, denn ein Börsenengagement sei mittel- und langfristig zu sehen.

Wer mit Sparplänen in Wertpapiere investiert, sollte diese auf keinen Fall stoppen, denn als Sparplan-Inhaber profitiere man auch von niedrigen Kursen – bei gleichbleibender Sparrate kauft man automatisch mehr Anteile, wenn die Preise niedriger sind und weniger, wenn sie hoch sind. Steigen die Kurse, profitiere man doppelt.

Cornelia Frey, Marktexpertin der Börse Stuttgart, warnt vor Panikverkäufen. Foto: March Fippel Fotografie

Und wie steht es damit, bei niedrigen Kursen gezielt nachzukaufen, wie es viele Trader machen? Das hänge von der Risikobereitschaft des Einzelnen ab, sagt Frey. Inwieweit man richtigen Zeitpunkt erwische und profitiere, zeige sich erst später. „Man kauft in der Regel nie zum tiefsten Kurs“, sagt Frey, aber in solchen Phasen bei Werten nachzukaufen, die einen langfristig überzeugten, könne sich anbieten.

Die Marktexpertin plädiert für breit gestreute Anlagen wie etwa ETFs, die viele verschiedenen Aktien bündeln und damit weniger riskant sind als Einzelaktien. „Wenn ein Unternehmen wackelt, dann wird es andere Bereiche geben, die wieder profitieren“, sagt sie. Zudem seien ETFs relativ kostengünstig und flexibel handelbar.

MSCI World – Name ist „Mogelpackung“

Bei vielen Anlegern in Deutschland sind vor allem ETFs beliebt, die große Aktienindizes wie den MSCI World nachbilden „Der Name ist irreführend, der Index deckt nicht die ganze Welt ab“, sagt Frey. Insofern sei der Name eine „Mogelpackung“. Der ETF, der etwa 1300 Aktien abbilde, enthalte zu rund 70 Prozent US-Aktien, wobei die großen US-Tech-Firmen viel Gewicht hätten. Zudem sei er aufgrund des hohen Dollar-Anteils wechselkursabhängig. Ein starker Euro schmälert also die Rendite – beim schwachen Euro ist es umgekehrt.

Frey gibt keine Empfehlungen zu konkreten ETFs und will den MSCI World nicht schlecht reden, findet aber, dass man sich das als Anleger bewusst machen müsse. Zudem fließen nur Aktien aus Industrieländern ein, Schwellenländer bleiben außen vor – und damit auch aufstrebende Volkswirtschaften wie beispielsweise China oder Indien. Anders sieht es dagegen beispielsweise beim MSCI ACWI (All-Country World Index), der Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern abbildet.

Indizes an der Anzeigetafel der Frankfurter Börse Foto: Arne Dedert/dpa

Die Börsenexpertin rät, nur Produkte zu kaufen, die man verstehe, und Investments breit streuen. Diversifizierung über Märkte, Branchen und Anlageklassen bringe Stabilität ins Portfolio. Wer auf einzelne Branchen wie beispielsweise Rüstung setzen wolle, könne das als Beimischung machen. Man sollte aber kein einseitiges Portfolio mit Klumpenrisiko aufbauen, sagt Frey.

„Die Börse handelt die Zukunft“, sagt sie. Wenn sich im Iran-Krieg eine Lösung anbahne, dann könne der Markt ganz schnell wieder nach oben gehen – umgekehrt freilich auch. Wer eine klare Anlagestrategie habe, dieser treu bleibe und langfristig anlege, könne auch in turbulenten Börsenzeiten entspannt bleiben. „Wer jetzt aber verkaufen muss, weil er Geld braucht, kann schon ein Problem haben“, sagt sie.

Daher ihr Tipp: Bevor man sich bei der Geldanlage für ein Produkt entscheide, müsse klar sein, welches Ziel man damit verfolge und wie mittel- und langfristig man plane. „Spare ich auf ein neues Auto, eine Reise, einen Umbau, die eigene Altersvorsorge oder für die Ausbildung der Kinder“, nennt sie Beispiele. Entsprechend fällt der Mix aus – aus Tagesgeld (für den Notgroschen), Festgeld, Aktien, eventuell Gold oder Anleihen.

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