Bosch in Feuerbach KI-Agent von Bosch soll Stillstand in der Montage verhindern und so Geld sparen

Philipp Glaser, Elisabeth Schwarz und Larissa Bauer zeigen bei einem Rundgang durch einen Teil der Fertigung bei Bosch in Feuerbach, wie das Zusammenspiel zwischen Mensch und KI-Agent funktioniert. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Am Standort Feuerbach testet der Technologiekonzern sein neues KI-System. Dieses soll Fehler früher erkennen und Lösungen vorschlagen – zusammen mit den Mitarbeitern.

Auto-Team: Rouven Spindler (rsp)

Wenn in der Produktion Probleme auftreten, zählt jede Minute. Bei Bosch in Feuerbach soll künftig Künstliche Intelligenz (KI) helfen, Fehler schneller zu finden und Stillstände zu vermeiden. An einer Montagelinie für Abgassensoren wird das bereits vorbereitet.

 

„Unser Ziel ist es, dass die Mitarbeitenden weiterhin gemeinsam Probleme lösen und den Agenten miteinbeziehen“, sagt Larissa Bauer, Abteilungsleiterin Instandhaltung. Zusammen mit ihren Kollegen Elisabeth Schwarz und Philipp Glaser führt sie durch Teile der Fertigung am Bosch-Standort Feuerbach. Was sie mit dem Agenten meint? „Smart Maintenance“ – also intelligente Instandhaltung.

Bosch stellt Gesamtkonzept auf Hannover Messe vor

Dabei handelt es sich um ein neues Modul auf Basis fortschrittlicher KI. Es gehört zum KI-Agentensystem „Manufacturing Co-Intelligence“, das der Konzern in dieser Woche auf der Hannover Messe präsentiert. Ziel ist eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Mensch, Maschine und digitalen Systemen.

Doch was genau ist agentische KI? Gemeint sind KI-Systeme, die eigenständig Ziele verfolgen, planen und handeln können. Im Unterschied zur generativen KI – etwa ChatGPT –, die Inhalte auf Basis von Eingaben erzeugt, agiert agentische KI autonom und zielgerichtet auf Grundlage vorhandener Systemdaten. So kann sie komplexe Aufgaben lösen und konkrete Handlungsvorschläge machen. Neben den Mitarbeitern liefert so auch die KI Vorschläge, „um effizienter zu arbeiten“, sagt Larissa Bauer.

In Feuerbach befindet sich die Anwendung derzeit im Aufbau. Innerhalb der nächsten drei Monate soll im Montagebereich für Abgassensoren eine Pilotphase starten. Der Standort setzt bewusst auf ein schrittweises Vorgehen. „Wir starten mit einer Linie und drei, vier Leuten. Die sprechen mit dem KI-Agenten, wir holen uns von ihnen Feedback ab“, sagt Bauer. „Dann weiten wir das Ganze auf weitere Schichten und Wertströme aus.“

Smart Maintanance: Bosch ist Anbieter und Anwender

Bosch hat Smart Maintanance im Vorjahr auf den Markt gebracht. Inzwischen wird es laut Unternehmensangaben weltweit genutzt. Nun soll es erstmals in Feuerbach ausgerollt und getestet werden.

Der Technologie- und Diensteistungskonzern lege den Fokus auf die Vermittlung an externe Unternehmen, darunter der Technologiehersteller Sick aus Waldkirch. Gleichzeitig nutzt Bosch die Lösung in eigenen Werken – künftig auch in Feuerbach, dem größten und ältesten Standort des Konzerns mit rund 15.000 Beschäftigten, davon etwa 2400 im Werk.

Beispielsweise dann, wenn der Ausschuss zu groß ist – also die Anzahl an fehlerhaften Teilen in der Montage –, wird die Produktion gestoppt. „In jeder Minute, in der die Maschine steht, verliert man in der Fertigung schnell hohe fünfstellige Beträge im Monat“, weiß Philipp Glaser, Produktmanager agentische KI bei Bosch Connected Industry.

Instandhaltung mit KI-Unterstützung: Der Agent kann Lösungsvorschläge unterbreiten. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das heißt: die Reparatur muss schnell voranschreiten, damit die Linie zeitnah wieder große Stückzahlen in gleichbleibender Qualität fertigen kann. Für den Produktmanager ist klar: „KI ist ein massiver Hebel, um wettbewerbsfähiger zu sein.“ Laut Bosch ermöglicht agentische KI in der Fertigung Kostensenkungen von 10 bis 30 Prozent in spezifischen Bereichen.

Im Modul von Bosch macht der KI-Agent das in der Montage. Er kann dem Unternehmen zufolge frühzeitig Fehler erkennen. „Und falls die gleiche Maschine in anderen Werken irgendwo auf der Welt steht, werden Vorfall und Lösung zukünftig auch dorthin gemeldet“, ging Tanja Rückert, Mitglied der Geschäftsführung, im Vorjahr beim Bosch Tech Day auf das KI-Agentensystem Manufacturing Co-Intelligence ein. Für Rückert ist KI „der entscheidende Hebel, um die deutsche und europäische Industrie im globalen Wettbewerb zuk

Wie das Bosch-Modul arbeitet

Die Mitarbeiter können per Tablet, Chat oder Sprachnachricht mit dem System interagieren. In der Fertigung müssten Antworten eines solchen Agenten „immer auf Fakten basieren und dem Benutzer wirklich helfen“, so Glaser. Denn „wenn der Agent etwas erfindet, führt das schnell zu Fehlentscheidungen“. Sichergestellt werde das mit klaren Vorgaben dazu, was der Agent darf – und was nicht. Zudem müsse er seine Antworten belegen, also die Quellen angeben, auf die er sich bezieht. Er hat beispielsweise Zugriff auf das Schichtbuch.

Meldungen könnte er selbst übernehmen. „Das Dokumentieren in der Fertigung ist oft ein Stressfaktor“, gibt Glaser Einblicke. Er erklärt aber auch: „Human in the Loop – also Mensch in der Schleife: Wenn der Agent eine Mail senden oder einen Eintrag machen will, muss er um Erlaubnis bitten.“ Alles in allem müsse es „eine gute Zusammenarbeit zwischen Menschen und dem agentischen System sein“, sagt der Produktmanager, der das Modul in verschiedenen Werken vorstellt – und weiß, dass es mit Blick auf den demografischen Wandel Vorteile mit sich bringt. „Das wertvolle Wissen von erfahrenen Experten, die in den Ruhestand gehen, kann durch KI-Systeme erfasst, systematisiert und an die nächste Generation von Mitarbeitern weitergegeben“, schreibt Bosch dazu.

Wie lässt sich bestenfalls hohe KI-Akzeptanz erzielen?

In den Werken bringt KI für die Beschäftigten neue Abläufe in der täglichen Tätigkeit mit sich. „Wie nimmt man den Menschen mit?“, ist aus Sicht von Larissa Bauer die Frage, die zentral ist, wenn es darum geht, wie sehr die Beschäftigten eine derartige Neuerung annehmen. Das heißt etwa: aufzeigen, welche Chancen in der Agentischen KI stecken. „Wenn durch das digitale Tool die Arbeit erleichtert wird, dann haben wir im besten Fall eine hohe Akzeptanz“, blickt Bauer voraus. „Grundsätzlich würde ich sagen, dass die Bereitschaft für diesen Einsatz von KI sehr hoch ist“, ergänzt ihre Standort-Kollegin Elisabeth Schwarz, Gruppenleiterin Industrie 4.0 und technische IT.

KI soll 2026 am Bosch-Standort Feuerbach Einzug halten

Im Zusammenhang mit einer derartigen Neuerung verweist Bosch auch auf sein „LernWerk“ – eine Initiative, die im Unternehmen entstanden ist, um Mitarbeiter „für den digitalen Wandel zu schulen“. Der soll in Feuerbach bald auch im Werk weiter voranschreiten.

„Wir werden in diesem Jahr in der Instandhaltung erste KI-Anwendungen umsetzen“, sagt Schwarz. Ob der Einsatz bis Jahresende flächendeckend erfolgt, sei noch offen. Klar ist jedoch: Dort, wo KI sinnvoll eingesetzt wird, soll sie die Arbeit langfristig effizienter machen.

Bosch-Standort und Hannover Messe

Bosch in Feuerbach
In dem Stuttgarter Stadtteil befindet sich der weltweit größte und älteste Standort des Konzerns. Zu ihm gehören laut Bosch der Kernstandort, das Bosch-Zentrum am Feuerbach samt IT-Campus, der Service & Supply Chain Campus und Mietobjekte im Großraum Stuttgart. Am Kernstandort ist unter anderem der Geschäftsbereich Power Solutions ansässig, der „Lösungen für eine klimafreundlichere Mobilität und Gesellschaft“ entwickelt. Im Werkteil fertigen die Mitarbeiter Komponenten für die Abgasnachbehandlung, Hochdruckpumpen und mehr.

Messe
Die am Montag, 20. April, gestartete Hannover Messe dauert noch bis Freitag, 24. April, an. Bosch ist einer der Aussteller und präsentiert „Lösungen für eine intelligente und wettbewerbsfähige Industrie“.

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