Bosch in Stuttgart Mit dieser App erkennen Sie gefälschte Luxusartikel
Taschen, Pässe, sogar Dinosaurierknochen – Bosch schützt mit seiner Origify-App vor Fälschungen. Die Technologie analysiert die Oberfläche und liefert in Sekunden ein Ergebnis.
Taschen, Pässe, sogar Dinosaurierknochen – Bosch schützt mit seiner Origify-App vor Fälschungen. Die Technologie analysiert die Oberfläche und liefert in Sekunden ein Ergebnis.
Eine günstige Tasche von Louis Vuitton, eine Schnäppchen-Rolex fürs Handgelenk oder ein mehr als erschwinglicher Chanel-Duft für die Gattin: Was sich im ersten Moment gut anhört, heißt aber nicht, dass jedes rabattierte Luxusprodukt auch sein Geld wert ist. Denn: Nicht überall wo Prada, Gucci und Versace draufsteht, ist auch die Luxusmarke drin. Allein im Jahr 2024 wurden rund 112 Millionen gefälschte Produkte vor der Einreise in die Europäische Union sichergestellt. Der geschätzte Wert dieser Waren belief sich auf etwa 3,8 Milliarden Euro.
Das ist nicht nur ein wirtschaftlicher Schaden für die Markenhersteller, sondern auch ein Risiko für die Verbraucher. Wenn Spielzeug, Kosmetika, Lebensmittel oder sogar Medikamente wie Originalprodukte erscheinen, obwohl es sich um minderwertige Waren handelt, kann es zu Gesundheits-, Sicherheits- oder finanziellen Risiken kommen.
Doch wie kann man sich vor den Fälschungen schützen? Wie kann man sie erkennen, wo sich doch schon Experten teilweise schwer tun? Hier kommt die Software-Lösung Origify ins Spiel, die von der recht jungen Bosch Secure Authentication GmbH entwickelt wurde. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum ersten Geburtstag des Unternehmens in den Büros an der Königstraße 78 konnten geladene Gäste einen Einblick von den Möglichkeiten von Origify gewinnen.
„Fälscher können bestehende Sicherheitsmerkmale zunehmend schneller und präziser kopieren“, sagt Oliver Steinbis, Technischer Direktor bei der Bosch Secure Authentication GmbH. Klassische Sicherheitsmerkmale wie Seriennummern, Hologramme, Barcodes oder RFID-Chips seien nur Barrieren, die mit viel Aufwand überwunden werden können. Aber das geschehe immer wieder – auch bei Geldscheinen, die teilweise über 100 Merkmale aufweisen, um fälschungssicher zu sein. Das reicht aber oft nicht aus. „Wir haben 10.000 Merkmale auf fünf Quadratmillimeter“, sagt Steinbis.
Anhand von ungarischen Pässen zeigt er wie mit der Origify-App in wenigen Sekunden das Dokument auf seine Echtheit überprüft werden kann. Für den Zoll, die Polizeibehörden, Notare oder die Mitarbeitenden in Bürgerbüros und in Rathäusern kann diese Technologie eine große Hilfe sein.
Aber wie funktioniert diese Technik überhaupt? „Origify identifiziert Produkte anhand ihrer natürlichen Mikrostrukturen“, heißt es beim Hersteller. „Jede Oberfläche weist ein einzigartiges Muster auf, das wir aus einem einfachen Kamerabild extrahieren. Die Analyse erfolgt innerhalb von Sekunden und benötigt weder Etiketten noch Markierungen.“ Diese Technologie funktioniert bei einer Vielzahl von Materialien: Metallen, Kunststoffen, Keramik, Verbundwerkstoffen, Leder und beschichteten Oberflächen. „Dadurch eignet sich Origify für Branchen, in denen sichere Identifizierung unerlässlich ist: Luxusgüter, Hochsicherheit, Automobilindustrie, industrielle Fertigung, Medizintechnik, Konsumgüter, Logistik und Kreislaufwirtschaft. Ob für Komponenten oder Fertigprodukte – die Verifizierung ist robust, skalierbar und manipulationssicher.“
Wer sich dazu entscheidet, Origify nutzen zu wollen, der muss folgende Schritte beachten: Jedes Produkt wird einmalig mit einer Kamera oder direkt in der Produktionslinie erfasst. Die Materialoberfläche wird analysiert und die eindeutige ID sicher in der Cloud gespeichert. Dann ist das Produkt registriert. Ab diesem Zeitpunkt kann zur Überprüfung der Echtheit nun mit einer Smartphone-App erneut ein Foto vom Produkt gemacht werden. Dieses wird mit den in der Datenbank hinterlegten Referenzdaten abgeglichen. „Die Technik kann von Unternehmen eingesetzt werden, um Fälschungen intern zu erkennen – etwa damit gefälschte Retouren nicht wieder in den Warenkreislauf gelangen“, heißt es beim Hersteller. „Gleichzeitig lässt sie sich für Endverbraucher öffnen: Gibt ein Unternehmen die Prüfung frei, können Kunden per Smartphone-App selbst die Echtheit der Produkte verifizieren.“
Wer ist aktuell schon dabei? Die Bosch Secure Authentication GmbH hat schon einige Unternehmen mit im Boot. „Es sind Firmen aus dem Druck- und Luxussegment dabei, die aber aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden wollen“, sagt Oliver Steinbis. Anders verhält es sich beim Dinomuseum Altmühltal. Dort ist geplant, zwei Modelle nach China zu verleihen und man will sichergehen, dass auch die originalen Knochen wieder zurückkommen. Jeder der Millionen Jahre alten Teile wurde mit Merkmalen versehen und ist nun bei Origify registriert. Auch das Unternehmen Koenig & Bauer arbeitet mit der Bosch Secure Authentication GmbH zusammen. Die Firma produziert unter anderem Druckmaschinen für Banknoten.
Was die neue Technik für Unternehmen oder Privatpersonen kostet, das kann und möchte man bei Bosch Secure Authentication zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommunizieren. „Das kommt vor allem auf das Produkt drauf an. Wir haben ganz unterschiedliche Modelle, die auf den einzelnen Kunden zugeschnitten sind“, sagt Florian Hachenberger, Managing Director bei Bosch Secure Authentication.
Mehr Informationen gibt es auf der Internetseite www.bosch-origify.com. Dort kann man eine kostenlose Testversion bestellen und ausprobieren oder einen kurzen Beratungstermin ausmachen, um herauszufinden, ob sich Origify mit den eigenen Vorstellungen in Verbindung bringen lässt und welche Kosten auf einen zukommen.
Die Bosch Secure Authentication GmbH
ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Robert Bosch GmbH und wurde 2025 gegründet.
Origify
Seit 2017 beschäftigt sich Bosch intensiv mit Authentifizierung und Rückverfolgbarkeit und hat die Technologie bereits in eigenen Fertigungslinien erprobt. In bisherigen Projekten wurden vor allem Automotive-Teile während der Produktion mit Origify registriert und verfiziert – ein Verfahren, das sowohl gesetzlichen Vorgaben als auch internen Qualitätsstandards dient. Auf dieser Basis konzentriert sich das Unternehmen heute auf die Entwicklung und Vermarktung von Lösungen für die Druckbranche, den Luxusgütermarkt und die fertigende Industrie.