Brand im Engelbergtunnel Leonberg Feuer im Tunnel – warum der Thermoscanner nicht eingreifen konnte

Der ausgebrannte Anhänger und das gesamte Ausmaß des Schadens: Die Weströhre des Engelbergtunnels wird lange gesperrt bleiben. Foto: Simon Granville

Beim Brand eines Sattelzug-Anhängers wird der Engelbergtunnel bei Leonberg schwer beschädigt. Der Thermoscanner kann ein solches Szenario nur bei bestimmten Lastern verhindern.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Dass im Engelbergtunnel bei Leonberg ein Lastwagen lichterloh brennt, ist für Pendler, Tunnelbetreiber und Rettungskräfte gleichermaßen ein Horrorszenario. Und genau zu diesem Szenario kam es am Dienstagnachmittag, als kurz nach der nördlichen Zufahrt in den Tunnel der A 81 in Richtung Stuttgart/Karlsruhe der Auflieger eines Sattelzugs in Flammen aufging.

 

Zwei Personen in der Fahrerkabine des Trucks zogen sich dabei schwere Rauchgasvergiftungen zu. Insgesamt musste sich der Rettungsdienst am Nachmittag um 35 Betroffene kümmern, von denen jedoch niemand sonst ins Krankenhaus gebracht wurde. Der Brand richtete außerdem in der Weströhre des Engelbergtunnels so schwere Schäden an, dass diese wohl wochenlang gesperrt bleiben wird.

Es gibt eine technische Anlage, die ein solches Inferno eigentlich verhindern soll: Der Thermoscanner, der auf dem Parkplatz Engelberg rund einen Kilometer vor dem Nordportal des Tunnels installiert ist.

Spezialkameras erkennen Überhitzungen bei Gefahrguttransporten

Allerdings kam ein Einsatz des Scanners für den betroffenen Sattelzug nicht in Frage. Denn die Anlage müssen lediglich Gefahrgut-Lkw passieren. Und da die Kühlschränke, die der in Brand geratene Laster geladen hatte, kein Gefahrgut darstellten, musste er auch die Thermo-Schleuse nicht passieren.

Die Gefahrguttransporte indes werden vor dem Tunnel mit reduzierter Geschwindigkeit auf den Parkplatz geleitet. Dort sind Spezialkameras installiert, die Wärme erkennen und die Fahrzeuge auf Überhitzungen scannen. Stellt das System eine ungewöhnliche Hitzeentwicklung fest, wird der Lastwagen noch vor der Einfahrt in den Tunnel per Lichtzeichen gestoppt. Automatisiert geht zudem ein Alarm an Feuerwehr und Polizei, die den Laster überprüfen. Innerhalb von 24 Stunden passieren laut Auskunft der Autobahn GmbH durchschnittlich 150 Gefahrguttransporter die Thermoscan-Anlage.

Thermoscanner hielt in der Vergangenheit die Feuerwehr auf Trab

Zuständig für den Thermoscanner ist die Feuerwehr Ditzingen. Und die Brandschützer hatten zeitweise ihre liebe Not mit dem System. Denn es löste phasenweise mehrmals am Tag aus, ohne dass die herbeigeeilten Retter eine Gefahrenlage ausmachen konnten – was für großen Frust bei den Freiwilligen sorgte. Ab und zu gab es auch Fälle, in denen ein Lkw das Rotlicht ignorierte und einfach in den Tunnel fuhr – trotz eines möglicherweise überhitzten Teils am Fahrzeug. Am Thermoscanner gibt es keine Schranken, die dies verhindern können.

Da der aktuelle, schwere Lkw-Brand im Engelbergtunnel jedoch nicht von einem Gefahrgut-Tramsport ausgelöst wurde, spielte am verhängnisvollen Dienstagnachmittag auch der Thermoscanner keine Rolle.

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