Brand im Engelbergtunnel Leonberg „Ich hörte zwei Knalle“ – Junge Frau erlebte 4,5 Stunden Stau-Odyssee nach Feuer

Stillstand vor dem Engelbergtunnel: Eine 20-Jährige musste unweit des Tunnelportals im Auto ausharren. Foto: KS-Images

Stundenlanges Warten im Stau ohne klare Ansagen: Der Brand im Engelbergtunnel legte die A 81 lahm. Eine 20-Jährige steckte 4,5 Stunden im Stau fest – und schildert ihre Eindrücke.

Diese Heimfahrt von der Arbeit wird Svenja Tarnow so schnell sicher nicht vergessen. Statt den üblichen 20 Minuten Fahrt von Weilimdorf nach Böblingen brauchte sie am Dienstag mehr als viereinhalb Stunden. Der verheerende Brand des Sattelzug-Aufliegers im Engelbergtunnel kostete sie nicht nur viel Geduld. Er löste auch Ängste aus, weil lange nicht klar war, warum der Verkehr zum Erliegen kam. Es war die erste Vollsperrung, die sie auf einer Autobahn erlebt hat.

 

Svenja Tarnow, 20, ist in Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen. Um 14.10 Uhr machte sie sich am Dienstag auf den Heimweg, in Freude auf den Feierabend. Nur zehn Minuten später wurde sie nachhaltig ausgebremst: Vollsperrung des Engelbergtunnels. Mal wieder, dachte sie.

Brand im Engelbergtunnel: „Ich sah Rauchwolken“

Rund 100 Meter vor dem Tunnelportal kam sie mit ihrem Seat Ibiza auf der A 81 zum Stehen. „Ich sah Rauchwolken, wie aus dem Schornstein eines Hauses“, schildert sie ihre ersten Eindrücke, die sie zunächst nicht einordnen konnte. Kurz darauf wurde der Rauch immer schwärzer, „ich hörte auch zwei Mal einen Knall“.

Schilder geschmolzen, Beton aufgeplatzt: Der Brand richtete massiven Schaden im Engelbergtunnel an. Foto: Simon Granville

Während andere Autofahrer teils aus ihren Fahrzeugen ausstiegen, blieb die Auszubildende sicherheitshalber im Wagen sitzen, sie wollte nichts riskieren. „Eine Motorradfahrerin fuhr sogar ganz nach vorne an den Tunnel“, sagt sie verwundert. Der Geruch verbrannten Materials erreichte sie auch weiter hinten, im Auto.

Stau auf A 81 nach Brand im Engelbergtunnel: „Ich wollte nur heim“

Svenja Tarnow schaltete das Autoradio an, aber es kamen zunächst keine Informationen zur Vollsperrung und dem Unglück im Tunnel. Was passiert war, erfuhr sie über eine andere Autofahrerin vor ihr: „Sie hatte Bekannte bei der Feuerwehr, telefonierte mit ihnen und wusste dadurch Bescheid.“ So drang dann auch durch, dass das Ganze wohl zwei bis drei Stunden dauern könne, wie zunächst vermutet wurde. „Ich war hungrig und wollte nur heim“, sagt die 20-Jährige.

Letztlich wurde das Warten für alle auf der Autobahn vor allem: langweilig. Und der Handyakku der jungen Frau neigte sich dem Ende zu. „Manche machten die Augen zu“, berichtet Tarnow vom Blick in andere Wagen. Sie selbst wagte sich dann auch raus, als sich der Rauch weitgehend verzogen hatte. Offizielle Informationen, eine Betreuung oder Verpflegung, wie teils bei Staus in Ferienzeiten, all das gab es nicht, berichtet sie. Auch keine Möglichkeit, auf die Toilette zu gehen. „Eine Frau setzte sich einfach an die Leitplanke.“

Irgendwann sagte die Polizei über Lautsprecher durch, dass die Wartenden ausgeleitet werden sollen. „Das dauerte aber dann noch mal eine halbe Stunde, bis es losging.“ Von hinten nach vorne durften die Wagen auf der Autobahn wenden. „Dabei gab es schon Chaos“, sagt Svenja Tarnow, die befürchtete, dass es Kollisionen geben könne. Dann war endlich auch sie an der Reihe und konnte offiziell als Geisterfahrerin die Autobahn verlassen – über die Einfahrt. Die Polizei regelte dort den Verkehr.

Bei großen Lastern hat die junge Frau ein mulmiges Gefühl

Damit war ihre Odyssee aber noch nicht zu Ende. „So voll habe ich die Straßen um Leonberg noch nie erlebt“, sagt Tarnow, „ich habe noch nie so viele Autos gesehen. Egal, welche Seitenstraße, alles war zu.“ Gegen 18.45 Uhr erreichte sie schließlich ihre Wohnung – sehr hungrig.

Wie geht es nun für sie weiter, so lange eine Tunnelröhre gesperrt bleibt? Homeoffice ist in der Ausbildung in ihrem Unternehmen nicht möglich. Svenja Tarnow plant jetzt für ihre Heimfahrten doppelt so lange Zeit ein, bis der Engelbergtunnel wieder offen ist. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln dauere es aber noch länger. Hat die junge Frau nun Ängste, wenn sie an künftige Tunnelfahrten denkt? Das nicht, sagt sie. Aber wenn ein großer Laster neben ihr fahre, habe sie durchaus ein mulmiges Gefühl.

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